Zwei Millionen Euro investiert

Patienten können trotz Beatmung selbstbestimmt leben

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Betreuung bei der Beatmung: Das RENAFAN-Pflegeteam vor der Wohnanlage für beatmungspflichtige Patienten in Lenglern.

Göttingen. Auch Patienten, die beatmet werden müssen, können selbstbestimmt wohnen. Möglich ist das jetzt in Göttingen.

Für sie wurden jetzt 20 ambulante Wohneinheiten auf dem Krankenhausgelände in Lenglern eröffnet.

Nach einer Mitteilung der Klinik entstanden die 20 barrierefreien Wohnungen für zwei Millionen Euro auf zwei Etagen und einer Gesamtfläche von rund 1150 Quadratmetern. Das Angebot richtet sich insbesondere an Mieter, die künstlich beatmet werden und einer intensive Betreuung bedürfen, aber trotzdem selbstbestimmt leben und wohnen wollen.

Während die meisten beatmungspflichtigen Patienten im Krankenhaus von der maschinellen Beatmung entwöhnt werden und in ihre eigene Wohnung zurückkehren können, ist dies bei 20 Prozent nicht möglich. Diese Patienten sind auf eine Langzeitbeatmung angewiesen. Für sie gibt es nun mit der neuen Wohnanlage erstmals in der Region eine angemessene Versorgungsmöglichkeit nach ihrem Krankenhausaufenthalt.

Durch die Nähe zum klinischen Fachbereich wird eine schnelle und fachärztliche Versorgung gewährleistet. Die Stärkung der Selbstbestimmung und Unabhängigkeit der Mieter wirkt sich positiv auf Heilungsverläufe und Krankheitsbilder aus. Für die Patienten bleibt das oberste Ziel die Entwöhnung von der maschinellen Beatmung und der Umzug nach Hause.

Die neuen Appartements sind mit eigenen Nasszellen und kleinen Balkonen ausgestattet. In jeder Wohngemeinschaft bietet ein mit der Wohnküche kombinierter 62 Quadratmeter großer Gemeinschaftsraum Möglichkeiten zum Kochen und Verweilen oder zu gemeinschaftlichen Aktivitäten wie Besprechungen, Fernseh- und Fußballabende, Versammlungen.

Jede Etage hat ein Pflegebadzimmer. Auch Wirtschaftsräume und Abstellräume sind vorhanden. (p)

Entwöhnung im Weaning-Zentrum

Seit 2011 gibt es in der Abteilung Pneumologie, Beatmungsmedizin/Schlaflabor am Standort Lenglern des Evangelischen Krankenhauses Göttingen-Weende ein Weaning-Zentrum. Auf der Intensivstation mit sechs Betten werden jährlich etwa 125 beatmete Patienten für zwei bis drei Wochen versorgt.

Das Einzugsgebiet ist sehr groß. Die nächsten Weaning-Zentren sind in Hannover und Immenhausen.

Als Weaning bezeichnet man die Entwöhnungsphase eines Patienten, der über einen längeren Zeitraum künstlich beatmet wurde. Um Stress und Erschöpfung nach der Langzeitbeatmung zu vermeiden, wird ein Entwöhnungs-Training begonnen, bei dem vor allem die Atemhilfsmuskulatur wieder aufgebaut werden soll. (nh)

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