Einrichtung mit ungewisser Zukunft: Ratlose Patientenberater

Hoffen darauf, dass es im kommenden Jahr weitergeht: Die Patientenberater Erika Hoppe und Dr. Carsten Meyerhoff spüren Rückenwind für die Unabhängige Beratungsstelle. Foto: Schlegel

Göttingen. Die Unabhängige Patientenberatung (UPD) steht in der bisherigen Form möglicherweise vor dem Aus. Das sorgt für reichlich Diskussionen in der Göttinger Geschäftsstelle.

Enttäuschte Patienten: Dort wissen die Mitarbeiter noch nicht, wie es 2016 weitergeht. „Die Patienten sind enttäuscht und wünschen sich weiterhin einen Ansprechpartner vor Ort“, sagt Dr. Carsten Meyerhoff, der für die UPD als Patientenberater für medizinische Fragen in Göttingen zur Verfügung steht. Jährlich gibt es etwa 4000 Ratsuchende. Viele Besucher sprechen die Mitarbeiter der Beratungsstelle auf die Situation an.

Neuvergabe: Die Arbeit der unabhängigen Beratungseinrichtung, die Krankenversicherte zum Beispiel kostenlos über ihre Rechte aufklärt, wird bundesweit von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen finanziert. Das Bundesgesundheitsministerium will die Aufgabe zum Jahreswechsel neu vergeben.

Diskussion über neuen Anbieter: Kontrovers wird in Patientenkreisen inzwischen über die Firma diskutiert, die zukünftig die Beratung übernehmen soll. Das Duisburger Unternehmen Sanvartis, das ab Januar 2016 möglicherweise für die Aufgabe zuständig sein soll, arbeitet auch mit Krankenkassen zusammen. „Viele Patienten befürchten, dass sie zukünftig keine neutralen Informationen mehr bekommen“, berichtet Erika Hoppe, die bei der UPD für psychosoziale Fragen zuständig ist, von Gesprächen mit Ratsuchenden des Göttinger Gesundheitszentrums.

Unterschriftenliste: Derzeit denken manche Besucher des Gesundheitszentrums, in dem die UPD untergebracht ist, über eine Unterschriftensammlung in Südniedersachsen nach. Bundesweit läuft weiterhin eine Online-Petition zum Erhalt der Patientenberatung in der bisherigen Form. http://zu.hna.de/updgoe0715

Große Bedeutung: Welche Bedeutung die UPD-Beratungsstelle für die gesamte Region hat, wird an folgender Tatsache deutlich: Von den mehren tausend Ratsuchenden im Jahr kommt ein Gutteil aus den Bereich Nordhessen und Nordthüringen. „Sie scheuen die weite Anfahrt nicht und freuen sich über Ansprechpartner in der Region“, sagt Hoppe.

Unklare Zukunft: Unklar ist, wie es für die vier Mitarbeiter der Beratungsstelle, die es seit fast 20 Jahren in Göttingen gibt, ab 2016 weitergeht. Die Arbeitsverträge sind bis Jahresende befristet. „Wir haben derzeit noch keinerlei Signale, ob beziehungsweise wie es weitergeht“, sagen Meyerhoff und Hoppe.

Ein wenig Hoffnung: Die Patientenberater merken, dass sich derzeit viele Selbsthilfegruppen und Beschäftigte im Gesundheitswesen auf die Seite der Patientenberatung stellen. „Das gibt Rückenwind und Hoffnung für uns.“ Die Mitarbeiter der Beratungsstelle hoffen, dass der Druck auf die politisch Verantwortlichen weiter wächst. Hoppe: „Vielleicht gibt es noch einmal eine Wende.“

Kontakt: Unabhängige Patientenberatung, Albanikirchhof 4 - 5, 37073 Göttingen, Tel. 0551/486766, E-Mail: info@gesundheitszentrum-goe.de

www.gesundheitszentrum-goe.de

Hintergrund: 21 regionale Anlaufpunkte und Beratung am Telefon

Die Unabhängige Patientenberatung betreibt deutschlandweit 21 regionale Beratungsstellen. Anlaufpunkte, bei denen man kostenlos Rat bekommen kann, gibt es unter anderem in Göttingen, Hannover und Gießen.

Gesellschafter der Unabhängigen Patientenberatung, die es seit dem Jahr 2006 gibt, sind der Sozialverband VdK, der Verbraucherzentralen Bundesverband und der Verbund unabhängige Patientenberatung.

Beratung am Telefon kann man montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie donnerstags bis 20 Uhr bekommen. Für Anrufe aus dem Festnetz steht die kostenfreie Rufnummer 08000/11 77 22 zur Verfügung. Aus den Mobilfunknetzen sollte die Rufnummer 030/34 04 84 48 gewählt werden.

Telefonische Beratung zur Arzneimittelanwendung gibt es unter der kostenlosen Rufnummer 08000/11 77 25 (nur aus dem Festnetz). Aus dem Mobilfunknetz sollte man 030/ 34 04 84 48 anrufen. Dieses Beratungstelefon ist montags, dienstags und donnerstags von 9 bis 16 Uhr sowie mittwochs und freitags von 9 bis 13 Uhr erreichbar.

www.patientenberatung.de

Tipp: Damit das Krankengeld nicht gestrichen wird

Zu den regelmäßigen Serviceleistungen der Unabhängigen Patientenberatung gehört der Fall des Monats. Diesmal geht es um das Krankengeld.

Es wird nach Ende der Lohnfortzahlung des Arbeitgebers von den Krankenkassen für längstens 78 Wochen wegen derselben Krankheit bezahlt. Aber: Der Betroffene muss ununterbrochen krank sein. Katja Kohler von der Göttinger Beratungsstelle bringt es auf den Punkt: „Schon ein einziger Tag ohne Krankschreibung ist für den Empfänger von Krankengeld fatal - dann kann die Kasse die Zahlung komplett einstellen.“ Um das zu verhindern, muss man spätestens am ersten Werktag nach Ende der bisherigen Krankschreibung zum Arzt gehen und sich die Folgekrankschreibung holen. Übers Wochenende gilt die Werktags-Regelung allerdings nur, wenn man wegen derselben Krankheit weiter krankgeschrieben ist.

Falls der eigene Arzt im Urlaub ist, sollte man sich an seine Vertretung wenden, die jeder Kassenarzt für diese Zeit organisieren muss. Namen und Adresse findet man beispielsweise über die Bandansage oder den Aushang beim eigenen Arzt. Es gilt grundsätzlich: „Als Patient habe ich die Pflicht, selbst für eine lückenlose Krankschreibung zu sorgen“, sagt Kohler. „Die Verantwortung liegt bei mit persönlich - nicht bei meinem Arzt.“

www.patientenberatung.de/krankengeld

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