Patientin stirbt durch falsche Blutkonserve: Duderstädter Arzt kämpft um Job

Test für Verträglichkeit von Spender- und Patientenblut: Möglicherweise wurde dieser bei einer Patientin in Duderstadt nicht gemacht. Foto: dpa

Duderstadt/Göttingen. Ein früherer Oberarzt des Duderstädter Krankenhauses kämpft in der kommenden Woche vor dem Göttinger Arbeitsgericht um seinen Job. Ihm war nach dem Tod einer Patientin durch eine falsche Blutkonserve fristlos gekündigt worden.

Nach Angaben des Gerichts wird dem Mediziner ein schwerwiegender Behandlungsfehler während einer Operation im Anfang Dezember vorgeworfen. Die betroffene Patientin befand sich in einem schlechten Gesundheitszustand und sollte eine Bluttransfusion erhalten, heißt es in einer Mitteilung.

Der Anästhetist forderte dafür eine Eigenblutreserve an. Das Labor lieferte offenbar versehentlich die Eigenblutreserve eines anderen Patienten mit gleichen Nachnamen. Die Patientin war später gestorben - wir berichteten. Dem Mediziner war nach dem Vorfall fristlos gekündigt worden. In der kommenden Woche wird darüber vor dem Göttinger Arbeitsgericht verhandelt.

Das Krankenhaus wirft dem Anästhesisten vor, dass er weder einen obligatorischen „Bedside-Test“ gemacht noch ein Abgleich des Vornamens und des Geburtsdatums vorgenommen habe. Dadurch hätte die Verwechselung der Blutkonserven noch rechtzeitig festgestellt werden können. Bei einem derart schwerwiegenden Behandlungsfehler sei die Kündigung des Arbeitsverhältnisses auch ohne vorherige Abmahnung zulässig, so der Arbeitgeber.

Der Anästhesist ist hingegen der Ansicht, dass er für den Todesfall nicht verantwortlich gemacht werden könne. Er macht geltend, dass er den während der Operation eingesetzten Anästhesie-Pfleger aufgrund von Unstimmigkeiten sogar noch ausdrücklich angewiesen habe, zunächst keine Transfusion vorzunehmen. Zudem sei die Verwechselung auch auf ein Organisationsverschulden des Krankenhauses zurückzuführen, so die Meinung des Arztes.

Dementsprechend sei es bei einer anderen Ärztin des Krankenhauses ebenfalls zu einer Verwechselung der Blutkonserven gekommen.

Unterdessen äußerte sich auch das Krankenkaus selbst zu dem Fall: „Dass der Vorfall trotz des zertifizierten Qualitätsmanagementsystems und den entsprechenden Dienstvorschriften passieren konnte, schockiert Krankenhausleitung und Mitarbeiter gleichermaßen“, so Pressesprecher Florian Grewe. Das Krankenhaus habe den Zwischenfall unverzüglich gemeldet. Außerdem habe die Krankenhausleitung eine umfangreiche Analyse der Qualitätssicherungsmaßnahmen angeordnet.

Hintergrund: Strenge Regeln bei Bluttransfusionen

Damit bei Bluttransfusionen keine Komplikationen auftreten, gelten bestimmte Regeln.

So muss unmittelbar vorher ein Test am Bett des Patienten (Bedside-Test) erfolgen. Es ist eine obligatorische Schnellüberprüfung der Blutgruppen mit Hilfe einer Karte, auf der Testflüssigkeiten zu finden sind. Die Ergebnisse müssen in die Patientenakte eingetragen werden. So sollen mögliche Verwechslungen von Patient und Blutkonserve ausgeschlossen werden.

Das genaue Verfahren wird Medizinstudenten sogar in Vorlesungen eingehämmert.

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