2500 Zuschauer

Paul Panzer in Göttingen: "Alles auf Anfang"

+

Göttingen. Mit seinem Programm „Alles auf Anfang“ war Komiker Paul Panzer am Freitagabend in der Göttinger Lokhalle. 2500 Menschen sahen den Auftritt.

So liebenswert unbedarft Panzer dabei wirkt, so genial ist das Konzept hinter seiner Figur. 2500 Menschen strömen in die Lokhalle. Sie kaufen Bier, das in hauseigenen Plastikbechern rötlich aussieht, und Nachos mit Dip. Auf der Bühne stehen Yuccapalmen aus Plastik und ein Hocker, auf dem der Star der Show nur wenig sitzen wird. Dann ist er da.

Verwuschelte Haare, Hornbrille, ein Hemd, das als Tapete in den Siebzigern schick gewesen wäre, und Nadelstreifen-Anzughose. In seiner Show sucht Panzer nach dem Sinn des Lebens. Bereits in den ersten Minuten erzeugt er schallendes Gelächter: Es geht um den Urknall. „Vor 13 Milliarden Jahren hat es ordentlich geknallt und alles war da. Eigentlich unlogisch, normalerweise knallt es und irgendwas ist weg“, sagt Panzer. „Aber wenn ein Hamster aus dem vierten Stock fällt und auf den Boden knallt, entsteht ja auch was Neues.“

Fernab politischer Korrektheit schildert er Geschichten aus dem Alltag, die jeder Zuschauer zwar nachvollziehen kann, die aber in ihrer Dramatik dauerhaft zugespitzt werden. Wie der Besuch bei Panzers Nichte Clarissa, die ein Kind bekommen hat. „Zwei Tage alt, 8000 Gramm. Das Gesicht vorm Kellerfenster und die Ratten machen einen Umweg.“

Die Gags kommen so unvermittelt und unaufgeregt, dass mancher Mühe hat, sich vor Lachen wieder zu beruhigen. Prompt geht Panzer darauf ein, grinst in die Richtung, aus der das Lachen kommt, scheint dann den Faden zu verlieren. Setzt an, hört wieder auf, Lacher. Setzt erneut an, hört erneut auf, wieder Lacher. Nachdem das etwa fünfmal passiert ist, sagt er: „Na, jetzt ist es auch egal, der Gag ist sowieso kaputt.“

Tosender Beifall schwappt von allen Seiten in den Raum, ergießt sich über Panzer, wird dann langsam wieder leiser. Es ist diese sympathische Unbedarftheit, für die ihn sein Publikum liebt. Dauerhaft präsent ist dabei sein markanter Sprachfehler. Den, so vermutete er im HNA-Interview, liebe sein Publikum, weil er dadurch eine Person mit Makeln ist.

So ist es. Wenn er dort oben steht, wirkt er nicht, wie der Comedy-Star, der er ist. Viel mehr meint man, ihn schon lange zu kennen und seinen Charakter zu verstehen, weil der so herrlich unverfälscht ist. Das hat nicht nur damit zu tun, dass sein Sprachfehler ihn authentisch macht. Die Reaktionen des Publikums zeigen viel mehr, dass die Menschen es eben witzig finden, dass er bestimmte Wörter nicht aussprechen kann. Als er den Namen seiner Nichte Clarissa falsch ausspricht, kommt leise, aber dennoch hörbar, aus dem Publikum das mehrmalige Echo: Claritza, Claritza.

Am Ende der Show ist das Publikum zufrieden. Es hat einen Freund gewonnen und wieder verloren. Doch als er geht, gibt Panzer noch eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn. Es gibt keinen. „Wir müssen dem Leben selbst einen Sinn geben.“ Im November ist Paul Panzer mit einer neuen Show wieder in Göttingen, der Vorverkauf beginnt Anfang Februar.

Von Jürgen von Polier 

Lesen Sie auch

Interview mit Komiker Paul Panzer: "Wir müssen glücklich sein"

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.