Spielplatz-Projekt verzögert sich

Bauarbeiter graben bei Paulinerkirchhof Leichen aus - Alter Friedhof bei Baggerarbeiten entdeckt

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Vor dem Grab eines Kindes auf dem Paulinerkirchhof: (von links) Stadtarchäologin Betty Arndt, Grabungsleiterin Maren Kaube und Anthropologin Lisa Wildeboer waren an den Arbeiten beteiligt. 

Bei Baggerarbeiten am Paulinerkirchhof in Göttingen entdeckten die Bauarbeiter Gräber von Kindern, Frauen und Männern. Stadt und Universität hatten mit diesem Fund gerechnet.

Im Mittelalter und bis ins 17. Jahrhundert hinein war der Paulinerkirchhof ein Friedhof. Mehr als 30 damals Bestattete wurden jetzt bei archäologischen Grabungen gefunden. Die Arbeiten waren notwendig, weil auf dem Platz neben der Kirche ein Spielplatz und ein neuer Parkplatz entstehen. 

Als die Bagger Anfang September in die Tiefe gruben, wurden die ersten Gräber sichtbar. Die Firma Arcontor wurde mit der Grabung beauftragt. Eine erste Einschätzung vor Ort ergab, dass dort Männer, Frauen und auch mehrere Kinder bestattet wurden.

Die Verantwortlichen von Stadt und Universität hatten bereits damit gerechnet, dass sich unter der Oberfläche Gräber befinden könnten. Allerdings achteten die Verantwortlichen darauf, dass im Bereich des Spielplatzes nur etwa 30 Zentimeter Boden ausgehoben wurde. 

Alter Friedhof bei Baggerarbeiten auf Paulinerkirchhof entdeckt

Im Bereich des künftigen Parkplatzes musste nun 60 Zentimeter tief gegraben werden. Die Experten gehen davon aus, dass sich auch in den tieferen Schichten noch Gräber befinden. Diese sollen allerdings nicht angetastet werden.

Die gefundenen Knochen der Bestatteten werden ins Institut für historische Anthropologie der Uni gebracht. Dort sollen die Funde als Teil von Bachelor- beziehungsweise Masterarbeiten von Studenten genauer untersucht werden.

Bei den Grabungen wurden auch die Grundmauern einer früheren Sakristei und Ossuarien (Knochengruben) entdeckt. Außerdem wurden Stecknadeln aus Buntmetall, Keramik sowie Tonmurmeln gefunden. Diese Funde sollen noch genauer unter die Lupe genommen werden.

Zum geschichtlichen Hintergrund: Das betroffene Gelände gehörte im Mittelalter zu einem Dominikaner-Kloster. Es wurde im Zuge der Reformation 1533 aufgelöst. Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert war dort das städtische Gymnasium untergebracht.

Gräber bei Arbeiten auf Paulinerkirchhof gefunden 

1737 wurde in der Paulinerkirche die Uni aus der Taufe gehoben. Außerdem war diese Kirche im 18. Jahrhundert für einen kurzen Zeitraum noch einmal geweiht, und es gab Bestattungen im Kircheninneren.

Seit dem 18. Jahrhundert werden die Klosterbauten inklusive der Kirche für die Belange der Staats- und Universitätsbibliothek genutzt.

Durch die aktuellen Grabungen wird sich das Bauprojekt in der Innenstadt ein wenig verzögern. Der Parkplatz soll trotzdem noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. Der Spielplatz soll voraussichtlich Anfang 2020 nutzbar sein. Die Spielgeräte dafür wurden schon an die Stadt geliefert.

Ein ähnlicher Fall ereignete sich zu Beginn des Jahres in Kassel. Bauarbeiter stießen in der Karlskirche auf längst vergessene Gräber.

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