Pelz-Polizei des deutschen Tierschutzbüros klärt Göttinger Passanten auf

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Ermittler in Aktion in der Göttinger Innenstadt: Dabei sprachen Aktivisten des Deutschten Tierschutzbüros gezielt Pelzträger an.

Göttingen. In der Göttinger Fußgängerzone haben "Pelz-Polizisten" des Deutschten Tierschutzbüros Passanten darüber aufgeklärt, Echtpelz von Kunstpelz unterschieden zu können.

„Es ist erschreckend“, sagt Aktivist Michael Seitz. „Noch immer lassen rund 100 Millionen Pelztiere Jahr für Jahr ihr Leben für simple Extras an der Kleidung. Und das, obwohl es genug Alternativen gibt.“ Grund genug für ihn und seine Kollegin Jennifer Schöpf, als Pelz-Ermittler verkleidet durch deutsche Städte zu ziehen und Menschen über diesen Missstand aufzuklären.

„Ziel unserer Aktion ist es, Pelzträgern zu helfen, Echtpelz von Kunstpelz zu unterscheiden und sie über das unsägliche Tierleid hinter dem Produkt aufklären“, sagt Seitz. Pelzbesätze an Jacken und Mützen seien schließlich noch immer ein gewohntes Bild auf den Straßen. Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung Echtpelzprodukte wie Pelzmäntel inzwischen ablehne, fänden sich doch immer wieder kleine Accessoires an der Kleidung.

„Doch auch für diese kleinen Produkte mussten Tiere, darunter viele Katzen und Hunde, nach grausamer Gefangenschaft ihr Leben lassen“, sagt Aktivist Seitz. So lange allerdings Pelzkrägen und Pelzbommeln an Mützen auf der Straße zu sehen seien, werde dieser Trend und damit die Mode sogar noch gefördert.

„Ein großes Problem stellt die fehlende Deklarationspflicht in Deutschland dar“, sagt Jennifer Schöpf. Viele Verbraucher wüssten oftmals gar nicht, dass es sich bei dem erworbenen Produkt um Echtpelz handelt.

„Sie orientieren sich am Preis, doch erschreckenderweise kann Kunstpelz sogar teurer sein als echter Pelz.“ Die erforderliche Bezeichnung „enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ an den Produkten sage überhaupt nichts aus über die verwendete Tierart oder die Herkunft und schon gar nichts über die Haltungsbedingungen. „Und weil solche Bezeichnungen oft noch nicht einmal am Produkt angebracht sind, wollen wir bei der Aufklärung helfen“, ergänzt Seitz.

Positive Resonanz

„Ich finde diese Aktion richtig gut“, sagte Beate Tucholla. Ihren Kragenpelz haben die Ermittler gerade als Kunstpelz identifiziert. „Zum Glück, denn für mich wäre es schlimm gewesen, wenn er echt wäre“, sagt die Göttingerin. Was man im Fernsehen über Massentierhaltung im Allgemeinen und Tierzucht für die Pelzgewinnung im Speziellen sehe, empfinde sie als eklig. „Deshalb versuche ich sogar schon, weniger Fleisch zu essen“, sagt die Göttingerin. Obwohl sie selbst als Verkäuferin in einem Modegeschäft arbeite, sei ihr die Problematik mit den vielen undeklarierten Echtpelz-Accessoires gar nicht bewusst gewesen. „Durch diese Aktion wird man hellhörig und weiß beim nächsten Kauf, worauf man achten muss“, sagte Tucholla.

Mehr Informationen gibt es unter www.tierschutzbuero.de/pelz.

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