Göttingens Oberbürgermeister-Kandidaten

Petra Broistedt (SPD) ist Nähe zu den Bürgern wichtig - und ein Göttingen für alle

Porträt Petra Broistedt (SPD)
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Petra Broistedt (SPD) hat „ganz Göttingen im Blick“: Mit dem Motto geht sie in das Rennen als erste Oberbürgermeisterin im Neuen Rathaus in Göttingen.

Petra Broistedt möchte als Sozialdemokratin die erste Oberbürgermeisterin in der Geschichte Göttingens werden.

Göttingen – Fragt man Petra Broistedt, was sie besonders an der Universitätsstadt mag, kommt sie aus dem Schwärmen kaum heraus. „Göttingen ist bunt, international, jung und offen“, so die 57-Jährige, die als Oberbürgermeister-Kandidatin der SPD nun auf dem Chef-Sessel im Neuen Rathauses Platz nehmen möchte.

Wenn man durch die Innenstadt ginge, höre man viele verschiedene Sprachen. „Das finde ich toll.“ Hinzu kämen die zahlreichen kulturellen Angebote, die gute medizinische Versorgung, – die Liste lässt sich beliebig fortführen. Schon während ihrer ersten fünf Jahre in der Universitätsstadt habe sie sich sehr wohl gefühlt und gewusst: Hier möchte sie mit ihrem Mann ihren Lebensabend verbringen. „Göttingen hat einem auch im Alter so viel zu bieten, ob Kunst, Theater, Musik oder auch einfach die Natur“, schwärmt Broistedt.

Ein Kernpunkt, der sie bei ihrer Arbeit bisher, aber auch künftig, antreibt, ist das Thema soziale Gerechtigkeit. „Das ist mir in die Wiege gelegt worden“, erzählt Broistedt, die in Wolfenbüttel aufwuchs.

Prägendes Erlebnis als Jugendliche

Sie komme aus einer sehr einfachen Familie. „Ich weiß genau, wie es sich anfühlt, wenn einem aufgrund der Herkunft nichts zugetraut wird. Wenn einen der Lehrer in der Schule in die letzte Reihe setzt, weil er denkt, dass man das Abitur sowieso nicht schafft und dann auch nicht weiter vorne sitzen muss.“ Das sind Situationen, die einen Menschen prägen. Ihr Abitur hat sie trotzdem geschafft. Auch, weil sie sich immer sehr angestrengt habe, wie sie sagt.

Weil sie ein Händchen für Mathematik und Kunst hatte, beginnt Petra Broistedt ein Architektur-Studium. „Das war aber nicht mein Ding“, gesteht sie. Bevor sie ein neues Studienfach anfängt, jobbt sie insgesamt ein halbes Jahr, darunter zwei Monate in einer Fabrik, am Fließband.

„Das war ganz stupide Arbeit: Befüllte Flaschen vom Band nehmen, abwischen, wieder zurückstellen“, erinnert sie sich. Ihren damaligen Verdienst nennt sie einen Hungerlohn. „Aber da waren auch Frauen, die das für das geringe Einkommen jahrelang machten und auch weiterhin machen mussten“.

Da wusste ich, so soll niemand arbeiten müssen“, sagt Broistedt. Schon während ihres Studiums sammelt sie erste politische Erfahrungen im Fachschaftsrat, im Studentenparlament sowie im Asta, organisiert Protestaktionen gegen die damalige Bildungspolitik der Landesregierung.

Mittlerweile sind so mehr als 30 Jahre polistische Erfahrung entstanden. Und die haben Petra Broistedt gezeigt: Nicht nur angemessene Löhne gehören zu sozialer Gerechtigkeit, auch bezahlbarer Wohnraum ist unerlässlich.

Soziale Gerechtigkeit bedeutet auch bezahlbarer Wohnraum für alle

„Wohnen ist ein Menschenrecht“, sagt Broistedt, die die Arbeit in der Stadtverwaltung noch mehr schätzt, als bei einer Kreisverwaltung. „Der Kontakt zu den Menschen ist einfach enger, wenn man in einer Stadtverwaltung arbeitet. Und das mag und will ich: den engen Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern.“

In Göttingen fehle es an Wohnungen, vor allem an solchen, die bezahlbar sind. „Es gibt eben auch viele, die sich beispielsweise 12 Euro pro Quadratmeter nicht leisten können“, so Broistedt. Dass diese Wohnungen schwer vermittelbar seien, wundere sie daher nicht. (Melanie Zimmermann)

Drei Sätze zum Vervollständigen

Die Stadt Göttingen ist für mich... der Ort, an dem ich mich wohl fühle und mit meinem Mann alt werden möchte.

Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme... und dann noch Zeit habe, gehe ich am liebsten joggen oder mit meinem Mann eine Runde spazieren.

Wenn ich nicht Oberbürgermeister werde..., gestalte ich die Stadt weiter als Dezernentin für Kultur, Soziales und das Gesundheitsamt.

ZUR PERSON

Petra Broistedt (57) wurde in Uelzen geboren und wuchs iin Wolfenbüttel auf. Nach ihrem Abitur 1984 begann sie ein Architektur-Studium an der Uni Braunschweig, schwenkte jedoch um und studierte an der FH Braunschweig mit Abschluss Dipl. Sozialarbeiterin/-pädagogin.

Nach ihrem Anerkennungsjahr beim Landkreis Holzminden war sie dort erst als Frauenbeauftragte, später als persönliche Referentin des Landrats tätig. 2008 kam sie erstmals nach Göttingen, als stellv. Leiterin des Jugendamtes. Ab 2013 war sie als Kreisrätin im Landkreis Hameln-Pyrmont zuständig für die Dezernate Inklusion, Bildung, Jugend, Soziales sowie Planen und Bauen. Seit 2016 ist sie wieder zurück in der Universitätsstadt.

Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

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