Pfarrhaus ohne „gute Seele“

Hildesheimer Bistumsverband der Pfarrhaushälterinnen hat sich aufgelöst

Eine Dame und ein Herr mittleren bis höheren Alters halten offene Bücher in ihren Händen.
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Pflegen das Stundengebet, das den Tag eines Priesters gliedert: Pfarrhaushälterin Theresia Lütke und Domkapitular Werner Holst in Ruhe.

Der Berufsstand der Pfarrhaushälterinnen stirbt aus. Jetzt hat sich ihre Hildesheimer Diözesangemeinschaft aufgelöst, berichtet die ehemalige Vorsitzende aus Fuhrbach.

Fuhrbach/Hildesheim – Pfarrhaushälterinnen waren einst die „guten Seelen“ katholischer Pfarrhäuser. Die Vollzeitmitarbeiterinnen, die meistens auch im Pfarrhaus wohnten, kochten, putzten und wuschen nicht nur. Sie waren auch Ansprechpartnerinnen der Gemeinde, kümmerten sich um Hilfesuchende und arbeiteten teilweise im Pfarrbüro oder im Küsterdienst mit.

300 Mitglieder in der Blütezeit in den 60er- und 70er-Jahren

Doch ihr Berufsstand stirbt aus. Jetzt hat sich die Hildesheimer Diözesangemeinschaft der Pfarrhaushälterinnen aufgelöst, berichtet die ehemalige Vorsitzende, Theresia Lütke (72). Sie lebt im Eichfeldort Fuhrbach.

„In den 60er- und 70er-Jahren, der Blütezeit unserer Gemeinschaft, hatten wir 300 Mitglieder“, erinnert sich Lütke. Sie selbst ist längst im Ruhestand, betreut aber immer noch den seit 2006 emeritierten Domkapitular Werner Holst (87). Der einstige Personalchef des Bistums verbringt seinen Lebensabend in Fuhrbach.

Lütke, die aus Hannover stammt, ist ihm im Laufe der Jahre immer gefolgt. Er wohnt nun im ersten Stock des Pfarrhauses. Sie hat ihre Wohnung eine Etage tiefer.

Nur noch unter 10 Aktive – weniger Priester ein Grund dafür

Die Auflösung der Diözesangemeinschaft kam nicht überraschend. „Als meine Vorgängerin, Irmgard Schäfer, 2002 starb, blieb ihr Posten jahrelang unbesetzt“, erzählt die gelernte Einzelhandelskauffrau. Erst 2010 wagte die Gemeinschaft, die damals noch 25 Mitglieder hatte, mit Unterstützung des Bistums einen Neuanfang. Damals übernahm Lütke die Leitung.

Doch mittlerweile ist die Zahl der Aktiven aufgrund von Todesfällen unter zehn Personen gesunken. Neue Mitglieder sind in all den Jahren nicht dazu gekommen.

Das hat damit zu tun, dass die Zahl der Priester stark abgenommen hat. „Im Untereichsfeld hatte vor einigen Jahrzehnten fast jeder der 30 Kirchorte einen eigenen Pfarrer“, weiß Lütke. Heute gibt es noch zwei leitende Pfarrer, denen einzelne Priester und Ruhestandsgeistliche zur Seite stehen.

Geistliche machen mittlerweile vieles selber

Gravierender wirkt sich jedoch das veränderte Verhältnis der Männer zur Hausarbeit aus. Die jungen Geistlichen machen vieles selber. Gegebenenfalls engagieren sie für ein paar Stunden in der Woche eine Aushilfe, nehmen die Dienste einer Wäscherei in Anspruch oder lassen sich das Essen von einem Lieferdienst bringen.

Lütke weiß von ungefähr 40 Teilzeitkräften in Pfarrhaushalten des Hildesheimer Bistums, die kein Interesse an einer Mitgliedschaft in einer berufsständischen Vertretung haben.

Das war zu Beginn des vorigen Jahrhunderts anders. Damals stellten Pfarrer verstärkt Frauen aus der Gemeinde als Pfarrhaushälterinnen ein, nachdem in den Jahrhunderten davor meistens Mütter, Schwestern oder Tanten den Priestern den Haushalt geführt hatten.

1932 schlossen sich Pfarrhaushälterinnen im Bistum Hildesheim unter Leitung von Marianne Schneider zu einer Gemeinschaft zusammen. Sie organisierte Weiterbildungen, setzte sich für eine einheitliche Entlohnung ein und kümmerte sich um das religiöse Leben der Frauen. (Michael Caspar)

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