Sunviva ist für alle da

Pflanzenzüchter der Uni Göttingen schützen Tomaten-Saatgut als Gemeingut

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Gelbe Früchte reifen früh: Die Cocktail-Tomate namens „Sunviva“ aus dem Öko-Zuchtgarten der Uni Göttingen war 2017 die erste Tomatensorte, die mit einer Open-Source-Lizenz ausgestattet wurde. Im Gegensatz zu einer sortengeschützten Tomate darf damit jeder das Saatgut von Sunviva nutzen, weitergeben und weiterentwickeln.

Um Saatgut als Gemeingut zu schützen, haben Pflanzenzüchter der Universität Göttingen und der Verein Agrecol eine Initiative gestartet. Agrecol habe eine „Open-Source Saatgut Lizenz“ entwickelt, die Saatgut als Gemeingut rechtlich absichert und so vor Patentierung und Sortenschutz bewahrt. 

Das meldet die Universität Göttingen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift PLoS Biology erschienen.

„Wir beobachten mit großer Sorge, dass weltweit der Zugang zu Zuchtmaterial durch privatwirtschaftliche Interessen zunehmend eingeschränkt wird“, sagt Dr. Bernd Horneburg aus der Abteilung Pflanzenzüchtung der Uni Göttingen. „Unter anderem verhindern Patente, dass wichtige Eigenschaften züchterisch stärker genutzt werden.“ Die Bewegung für Saatgut als Gemeingut sei in den vergangenen sechs Jahren stärker geworden – „vermutlich wegen wachsender Privatisierung und der Marktkonzentration im Saatgutsektor“, so Horneburg weiter. Vor allem in Deutschland, den USA, Indien und Ost-Afrika gebe es derartige Strömungen.

Jeder darf Sorte nutzen

Dagegen soll ein neuartiger Ansatz helfen: Neue Sorten werden durch eine Lizenz als Gemeingut geschützt. Das bedeutet: Jeder dürfe sie nutzen, weitergeben und weiterentwickeln – kostenlos, heißt es. Auch Folgeentwicklungen fallen unter die Lizenz. Einzige Bedingung: Damit das Saatgut allen zugänglich bleibt, darf es nicht mit Patenten oder anderen Exklusivrechten belegt werden. Dieser Open-Source-Charakter könne im Zweifel sogar rechtlich durchgesetzt werden, so die Autoren.

Ziel des Vereins Agrecol ist die Förderung einer standortgerechten Landnutzung in Entwicklungsländern. Mit dem Programm OpenSourceSeeds erprobt der Verein gemeinsam mit der Universität Göttingen und „Culinaris – Saatgut für Lebensmittel“ die Open-Source Saatgut Lizenz.

„Es gibt eine große Nachfrage durch Verbraucherinnen und Verbraucher“, sagt Projektleiter Dr. Johannes Kotschi. Immer mehr Händler würden lizenzierte Tomatensorten anbieten.

Die Cocktail-Tomate „Sunviva“ aus dem ökologischen Freiland-Tomatenprojekt der Uni Göttingen war 2017 die erste Tomaten-Sorte, die mit einer Open-Source-Lizenz ausgestattet wurde. Sunviva sei gut für Hausgarten und Balkon geeignet, sagt Horneburg. Die gelben Früchte reifen früh in der Saison.

Das Freiland-Tomatenprojekt ist ein Netzwerk, in dem durch freien Austausch von Zuchtmaterial und Wissen neue optimal angepasste Sorten entwickelt werden. Mittlerweile sind weitere Sorten von Tomaten, Mais und Weizen lizenziert worden, Tendenz steigend. (zsh)

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