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„Versuchskaninchen“: Junge Pflegekräfte kritisieren Zustände in Niedersachsen

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Von: Michael Caspar

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Im Gespräch mit Auszubildenden in der Pflege: Ministerin Daniela Behrens (6. von links) auf dem Gelände von Asklepios in Göttingen.
Im Gespräch mit Auszubildenden in der Pflege: Ministerin Daniela Behrens (6. von links) auf dem Gelände der Asklepios-Klinik in Göttingen. © Michael Caspar

Gesundheitsministerin Behrens kommt ins Asklepios-Fachklinikum in Göttingen und stellt sich der Kritik von jungen Pflegenden – und die kommt nicht zu kurz.

Göttingen – Keine landesweit einheitlichen Lehrpläne bei der generalistischen Pflegeausbildung, fehlende Verlässlichkeit bei den Dienstplänen, zu wenig Familienfreundlichkeit: Darüber sprachen Auszubildende mit Niedersachsens Sozial- und Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD), beim Asklepios Symposium Junge Pflege in Göttingen.

Die Nerven der jungen Leute, die 2020 als erster Jahrgang die generalistische Pflegeausbildung begannen, liegen blank. Jede Schule scheine ihren eigenen Lehrplan zu haben, hieß es in der Diskussion. Es gebe keine einheitliche Lernplattform mit allen Materialien. Oft wüssten die Lehrer selbst nicht, welcher Stoff am Ende prüfungsrelevant sei. Wie „Versuchskaninchen“ fühlten sie sich, erklärte einer der Zuhörer und bekam viel Applaus.

Göttingen: Kritik an generalisierter Pflege-Ausbildung in Niedersachsen

Er habe im zweiten Lehrjahr das Gefühl, „außer reden und Körperpflege nichts zu können“, sagte ein anderer Teilnehmer. „Alles“ müsse er sich auf Station von examinierten Kräften erzeigen lassen. Kritisiert wurde zudem, dass Auszubildende im Maßregelvollzug vor verurteilten Straftätern ständen, ohne jemals Deeskalationstechniken eingeübt zu haben.

„Wir sind alle Lernende“, sagte dazu die Leiterin des Asklepios-Bildungszentrums, Sonja Diedrich. Natürlich lasse sich nicht der gesamte Stoff aus den drei bisher getrennten Ausbildungsberufen in der Alten-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege in drei Jahren vermitteln, räumte Ministerin Behrens ein. Die Kritik der jungen Menschen fände bei der Überprüfung des neuen Ausbildungsgangs Berücksichtigung.

„Der Abschluss ermöglicht es uns, überall in Europa als Pflegefachkraft zu arbeiten“, nannte die Auszubildende Zoe Goy einen positiven Aspekt. „Nach dem Examen eröffnen sich vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten, auch ein Studium ist denkbar“, freute sich Noah Rücker, der in Moringen lernt. Die Auszubildende Hannah Schiesl räumte ein, den Überblick verloren zu haben, und wünschte sich ein unabhängiges Beratungsangebot.

Ausbildung in Göttingen unvereinbar mit Familie

Gleiche Bezahlung für alle, verlässliche Dienstpläne und ein Miteinander mit Vorgesetzten auf Augenhöhe, forderte Pelin Akyol ein. Da gebe es Bewegung in den Kliniken, erklärte Behrens. Schockiert zeigte sich Lehrling Jusif Arion Bajrami über die Auskunft eines Kollegen, wonach eine Tätigkeit in der Pflege mit der Gründung einer Familie „unvereinbar“ sei. Behrens versprach ein Modellprojekt zu diesem Themenbereich.

Mehr Hilfsmittel, etwa damit auch junge Frauen große, alte Männer mobilisieren können, regte Anna-Lena Bosold an. Auch auf eine digitale Patientenakte mit vielen wichtigen Informationen etwa zu Alter, Größe und Gewicht, Vorerkrankungen oder der Medikation drang sie. Initiativen auf diesem Feld kämen seit Jahren nicht voran, kritisierte Behrens. (Michael Caspar)

Bereits vor wenigen Tagen besuchte Gesundheits- und Sozialministerin Daniela Behrens Göttingen, um Förderbescheide für Kulturinitiativen zu überreichen.

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