Philae gelandet, Harpunenfüße defekt

Göttingen. Um 17.04 Uhr hatten die Wissenschaftler der Europäischen Raumfahrtagentur ESA Gewissheit: Philae, der Lander der Raumsonde Rosetta, hatte nach einer schier unglaublichen Reise von 560 Millionen Kilometer durch unser Sonnensystem auf dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko aufgesetzt. Doch dann gab es einen Dämpfer.

Die mit Gas abgeschossenen Harpunen, die aus den drei Beinen abgeschossen werden sollten, funktionierten nicht.

Und das brachte die ganze Arbeit des fliegenden Labors in Gefahr: Denn die rund 100 Kilo schwere Landeeinheit wiegt auf dem gravitationsarmen Kometen zur ein bis zwei Gramm. Ein Festklammern am Boden ist deshalb enorm wichtig. Philae könnte sogar wieder abheben. Ein Leiter der Mission, Dr. Stephan Ulamec, scherzte am Abend vor den Fernsehkameras im Kontrollzentrum der ESA in Darmstadt: "Vielleicht sind wir nicht nur einmal auf Tschury gelandet, sondern sogar zweimal!" Klar war damit auch, die Wissenschaftler in den Kontrollzentren stand eine arbeitsreiche Nacht bevor. Eventuell sollen am Donnerstag noch einmal via Funksignal von der Erde, aus dem DLR-Zentrum in Köln, die Harpunen ausgelöst werden, hieß es. Der Funkkontakt sei vorhanden. Die Messinstrumente könnten zum Teil auch unter diesen Bedingungen arbeiten.

Der Göttinger MPS-Wissenschaftler Holger Sierks, verantwortlich für das Kamerasystem Osiris an Bord, sagte, die Mission sei auch so ein großer Erfolg, man wisse bereits viel mehr über Kometen als vor dem Start von Rosetta. Andere Forscher bezeichneten die gelungene Landung auf Tschury als riesigen Erfolg. Den übrigens hatten Nasa-Wissenschaftler den Europäern schlichtweg nicht zugetraut. Die Nasa hatte es bisher nur zu Vorbeiflügen von Sonden an Kometen geschafft - und eine Mission hatte einen Kometen angeschossen, um Staubauffwirbelungen und -messungen zu ermöglichen. (tko)

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Rubriklistenbild: © dpa

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