Viele Datenpakete übermittelt

Philae sendet wieder: Lebenszeichen vom Kometen

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Suche nach der Landeeinheit: Die Raumsonde Rosetta fahndet immer noch nach dem Lander Philae, der auf dem Kometen Tschuri 67P ist: Hier Fotos, die die Hüpfer bei der Landungzeigen. Jetzt hat Philae erstmals nach langer Pause wieder Daten zur Erde gefunkt.

Göttingen. Noch vor einigen Tagen herrschte Stille um die Landeeinheit Philae der Raumsonde Rosetta. Doch jetzt gibt es eine Wende im Fall der verlorenen Sonde.

Vermutung der Experten: Der Lander hängt wohl im Schatten von Felsen, kann nicht genügend Sonnenlicht einfangen, um die Batterien aufzuladen. Am späten Samstagabend um 22.28 Uhr aber erreichte ein Lebenszeichen die Erde.

Das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) meldete deshalb freudig am Sonntag: „Philae ist aus ihrem Winterschlaf aufgewacht.“ 85 Sekunden lang „sprach“ Philae mit seinem Bodenteam bei seinem ersten Kontakt nach der Ruhephase.

Mehr als 300 Datenpakete wurden bisher ausgewertet. Sie enthalten vor allem Informationen zu Philaes „Gesundheitszustand“. Das kühlschrankgroße Gerät hat demnach eine Betriebstemperatur von minus 35 Grad Celsius und verfügt über 24 Watt Leistung.

All das macht den Wissenschaftlern der ESA-Mission, auch in Göttingen, Hoffnung: „Wir sind zuversichtlich, schon bald wieder wissenschaftliche Messungen starten zu können“, sagt Dr. Hermann Böhnhardt vom MPS, wissenschaftlicher Leiter der Landemission.

Während der Sendepause hatte das Philae-Team bereits Strategien entwickelt, wie die Instrumente im Notfall mit wenig Energie betrieben werden können. Dafür reichen 24 Watt aus. Doch die Forscher hoffen auf mehr „Saft“: „Es besteht durchaus Aussicht, dass uns in den nächsten Wochen noch mehr Energie zur Verfügung steht“, sagt Böhnhardt.

Bei der Analyse der aktuellen Statusdaten zeigte sich, dass Philae auch schon zuvor wach gewesen sein muss. Die Datenpakete enthalten Informationen aus zurückliegenden Tagen. Nun warten die Wissenschaftler und Ingenieure auf den nächsten Kontakt. In Philaes Speichermedien stecken noch 8000 Datenpakete, die Aufschluss darüber geben werden, wie es Philae auf dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko ergangen ist.

Philae hatte sich am 15. November 2014 um 1.15 Uhr abgeschaltet, nach dem er 60 Stunden in Betrieb war. Seit dem 12. März 2015 war immer wieder die Kommunikationseinheit auf der um den Kometen kreisenden Sonde Rosetta eingeschaltet, um den Lander zu rufen und Antworten zu empfangen.

Bleibt weiterhin die Frage wo Philae auf dem Kometen „Tschuri“ ist. Die Suche auch mit der am MPS entwickelten und auf Rosetta postierten Osiris-Kamera geht weiter. Klar ist: Philae hat eine Hüpf-Landung hingelegt, prallte von der Kometenoberfläche ab und war wohl nach dem ersten Kontakt zwei Stunden im Schwebeflug – bis zum Aufsetzen am endgültigen Landepunkt. Osiris konnte die ersten Landestelle ausmachen, den genauen Standort aber nicht. Ein heller Fleck an einer Vertiefung könnte Philae sein, sagt MPS-Forscher Holger Siercks. „Der Lander hängt wohl in einem sehr rauen Terrain im Schatten einer Klippe.“

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