Göttingen: Physikalische Erlebnisse in den Sommerferien

Schülerlabor XLab in Göttingen zeigt in Camps, wie Wissenschaft funktioniert

Ferdinand (18) misst die Ausbreitung von Mikrowellen durch einen halbdurchlässigen Spiegel mithilfe eines Detektors. Im digitalen Modell werden die Wellen sichtbar.
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Ferdinand (18) misst die Ausbreitung von Mikrowellen durch einen halbdurchlässigen Spiegel mithilfe eines Detektors. Im digitalen Modell werden die Wellen sichtbar.

Der Sommer ist nicht nur Hochsaison in den Urlaubsregionen. Auch im naturwissenschaftlichen Schülerlabor XLab in Göttingen wird zu dieser Jahreszeit jede Menge geboten.

Göttingen – Normalerweise kommen dann Teenager aus aller Welt, um am Internationalen Science Camp teilzunehmen oder mehrtägige Kurse in Neurobiologie, Molekularer Medizin, Laserphysik oder Arzneimittelchemie zu besuchen. In diesem Jahr ist alles anders, die internationalen Gäste müssen zu Hause bleiben. Das Xlab nutzte die Sommerferienzeit trotzdem – und widmete sich in Camps ganz den deutschen Schülern.

XLab in Göttingen: Physik realer Systeme

In dem fünftägigen Camp mussten sich die Teilnehmer zwischen 15 und 18 Jahren auf ein Grenzgebiet zwischen Physik und Mathematik fokussieren. Sie erlernten, wie sich physikalische Grundgesetze in Form von Differenzialgleichungen formulieren lassen und wie die Gleichungen mit Methoden der numerischen Mathematik gelöst werden können. Mit professioneller Simulationssoftware und in Experimenten untersuchten sie Pendel, elektromagnetische Wellen und Wärmeleitung.

„Es ist genau das, was mir gefällt, aber es ist sehr anstrengend“, sagt Ole (15), „Man probiert, sich durchzukämpfen. In der Gruppe geht es.“ Benedikt (16) ergänzt: „Als wir eine schwierige mathematische Lösung endlich gefunden haben, war das mein persönliches Highlight der Woche.“

Emma (18) nimmt Messpunkte bei der Erwärmung eines Metallstabes auf, um ihr digitales Modell zu prüfen und anzupassen.

Sebastian (17) findet die Arbeit mit der hochwertigen Hard- und vor allem Software cool: „Ich bekomme einen Eindruck, wie man wirklich später an der Uni oder im Beruf arbeitet.“ Und Emma (18) möchte herausfinden, welches Studium das richtige für sie ist, Physik oder doch Chemie? Deshalb will sie in den Herbstferien zu einem weiteren Camp ins XLab kommen.

XLab in Göttingen: Hilfe von der Uni

Physik-Dozent Dr. Carsten Nowak hat für das Camp die Universität als Kooperationspartner gewonnen. Professor Christoph Lehrenfeld vom Institut für Numerische und Angewandte Mathematik begleitet zum wiederholten Mal Schüler dabei, die Software anzuwenden und möglichst gut zu verstehen. Modellierung und Simulation sind Forschungswerkzeuge von Dr. Armin Feist, wissenschaftlicher Mitarbeiter am IV. Physikalischen Institut der Uni Göttingen.

Die Wilhelm und Else Heraeus Stiftung fördert das Physik-Camp, so entstanden den Teilnehmenden nahezu keine Kosten. „Die Ernsthaftigkeit der Schülerinnen und Schüler, und ihr Wille, sich einen Zugang zur numerischen Mathematik zu erarbeiten, ist beeindruckend“, so Professor Thomas Waitz, Wissenschaftlicher Direktor am XLab. „Das verpflichtet uns, auch unter Pandemie-Bedingungen an hohen Bildungszielen festzuhalten und entsprechende Bildungsangebote zu machen.“

Weitere XLab-Camps in den Sommerferien waren Grüne Gentechnik, Neurobiologie und Laserphysik. Für jüngere Schüler aus der Region gab es halbtägige Sommerkurse zu vielfältigen naturwissenschaftlichen Themen. (Andreas Arens)

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