Manfred Eigen wird 90 Jahre alt

Der Pianist, der zum Nobelpreisträger wurde

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Forscher der Grenzen überwand: Prof. Dr. Manfred Eigen, Nobelpreisträger und ehemaliger Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen, wird 90 Jahre alt.

Göttingen. Ein Großer feiert Doppel-Jubiläum: der Physiker und Chemiker Professor Manfred Eigen wird am 9. Mai 90 Jahre alt. Die Vergabe des Chemie-Nobelpreises an ihn ist 50 Jahre her.

1967 erhält Manfred Eigen den Nobelpreis für Chemie, weil er zentraler Fragen der Biochemie klärt, wie Enzymaktivitäten. Dass der in Bochum geborene Eigen einmal das MPI für biophysikalische Chemie am Fassberg gründen (1971) und den Chemie-Nobelpreis in Stockholm entgegennehmen würde, ist nicht nur den bahnbrechenden Forschungen um die Messung extrem schneller chemischer Reaktionen geschuldet, sondern auch dem Zufall.

Denn der Sohn aus einer Musikerfamilie will zunächst Musik studieren und Pianist werden. Die Wirren des Zweiten Weltkriegs aber führen Eigen auf den Pfad der Wissenschaft, weil er als Luftwaffenhelfer keine Zeit findet, häufig am Klavier zu sitzen. Also geht er zum Studium der Physik und Chemie nach Göttingen.

Als junger Assistent von Karl Friedrich Bohnhoeffer am MPI für physikalische Chemie beginnt er, eigentlich unmessbar schnelle chemische Reaktionen zu untersuchen. Denn Eigen ist überzeugt, dass „in der Chemie nichts unmessbar ist“, aber nur geeignete Methoden fehlen. Er konzipiert die Relaxations-Messmethoden und stellt die wissenschaftliche Sensation 1954 in London vor: Erstmals können Reaktionsgeschwindigkeiten im Mikro- und Nano-Sekundenbereich gemessen werden.

Zwölf Abteilungen, 850 Mitarbeiter und zwei Nobelpreisträger

Aber der Physiker und Chemiker Eigen blickt noch tiefer in die fantastische Welt der Naturwissenschaften: Gedanklich überwindet er Grenzen zur Biologie, befasst sich ab 1968 mit der Entstehung des Lebens und der molekularen Selbstorganisation. Er untermauert Darwins Evolutionstheorie physikalisch und wendet diese auf molekulare Systeme an. 

Manfred Eigen schlägt eine Brücke zwischen Biologie und Physik – auch baulich: „Sein“ MPI in der Bunsenstraße ist zu klein geworden, auf sein Betreiben ziehen die Mitarbeiter der MPI für physikalische Chemie und Spektroskopie in den Neubau am Faßberg um, das MPI für biophysikalische Chemie, um. Es wächst auf zwölf Abteilungen mit 850 Mitarbeitern und bringt mit Erwin Neher (1991) und Stefan Hell (2014) weitere Nobelpreisträger hervor.

Einmal ein Wissenschaftler, immer ein Wissenschaftler

Wissenschaftler übrigens bleibt Eigen auch nach seiner Emeritierung 1995, arbeitet für Institute in den USA sowie in Kommissionen. Der Kontakt zum MPI bleibt bestehen. Als Stefan Hell 2014 in die Fußstapfen als Nobelpreisträger tritt, ist Eigen natürlich in „seinem“ Institut dabei. „Wir haben Manfred Eigen viel zu verdanken“, sagt der heutige Direktor Hell. Als Triebfeder seiner Arbeit nennt Manfred Eigen übrigens immer wieder die für Forscher unverzichtbare Neugier.

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