Pilotprojekt in Göttingen: 18 Flüchtlinge werden auf Studium vorbereitet

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„Wir wollen studieren“: Samah (von links), Edita und Amer wollen mit dem Pilotprojekt „Flüchtlinge ins Studium“ der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen wieder ein Studium beginnen, nachdem ihre Bildungsabschlüsse in Deutschland nicht anerkannt worden waren.

Göttingen. Flüchtlinge werden seit Anfang September in den Landkreisen Göttingen, Northeim und Osterode auf ein Hochschulstudium vorbereitet.

An dem Projekt „Flüchtlinge ins Studium" sind die Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen (BIGS) und die Volkshochschule (VHS) Göttingen Osterode beteiligt. Mit 350.000 Euro fördert das Land Niedersachsen solche Projekte an fünf Hochschulstandorten - in Göttingen gibt es so viele Interessenten, dass statt 15 nun 18 Teilnehmer täglich fünf Stunden lang Deutsch lernen.

Drei von ihnen sind Samah, Edita und Amer. Sie kommen aus Libyen, Albanien und Syrien, aber trotz unterschiedlicher Herkunft verbindet sie der Wille, in Deutschland zu studieren. „Ich habe in Bengasi Mathematik studiert und darin einen Master-Abschluss. Daheim habe ich als Lehrerin gearbeitet, hier kann ich es nicht“, sagt die 26-jährige Samah aus Libyen. Denn: Der Abschluss wurde nicht anerkannt, wie sie berichtet.

So wie Samah gehe es vielen, sagt Dr. Natalia Hefele, Bildung- und Anerkennungsberaterin der BIGS. Alle Projektteilnehmer haben bereits studiert oder erfüllen theoretisch die Zugangsvoraussetzungen für ein Studium - konnten aber zum Beispiel aufgrund eines laufenden Asylverfahren keinen Integrationskurs machen und deswegen noch nicht viel Deutsch lernen. „In unseren Bildungsberatungen wurde häufig angesprochen, wie wichtig es ist, Deutsch sprechen zu können. Englisch helfe vielen bei der Bewerbung um einen Arbeits- oder Studienplatz nicht weiter“, sagt Hefele.

Das Problem hat auch der 21-jährige Wirtschaftsstudent Amer aus Syrien. Um sein begonnenes Studium in Göttingen fortzuführen, fehlen ihm grundlegende Deutschkenntnisse. Die wenigen Brocken Deutsch, die er spricht, brachten ihm Freunde aus seiner Unterkunft in Schwiegershausen bei. Innerhalb von zehn Monaten sollen er und die anderen Teilnehmer deswegen intensive Sprachkurse erhalten und in Kooperation mit der Uni Göttingen auch als Gastzuhörer an Vorlesungen teilnehmen.

„Ziel ist es, die Flüchtlinge zügig für den deutschen Arbeitsmarkt zu qualifizieren“, sagt Dr. Holger Martens, BIGS-Geschäftsstellenleiter. Die Entscheidung zum Studium ist dabei aber nicht endgültig. „Stellt ein Teilnehmer fest, dass er doch nicht studieren möchte, beraten wir ihn gerne zur Berufsorientierung weiter. Auf die frei gewordene Stelle rückt jemand aus unserer enorm langen Warteliste nach.“ Auch Edita aus Albanien orientiert sich noch. Die ehemalige Hebamme weiß noch nicht, welchen Berufsweg sie in Deutschland einschlagen möchte. Dass es ein Hochschulstudium werden soll, steht für die 23-Jährige fest und deswegen will sie sich möglichst schnell darauf vorbereiten.

Weitere Informationen: www.bildungsgenossenschaft.de

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