Er soll falsch informiert haben: Piraten feuern gegen Stadtbaurat Dienberg

Natur holt sich die freigeschobene Baufläche zurück: Am Groner Tor in Göttingen. Auf dem Gelände soll ein Hotel und der neue Verwaltungssitz der Sparkasse Göttingen gebaut werden. Aus dem Zoologischen Institut soll ein Uni-Museum werden. Foto: Kopietz

Göttingen. Die Piratenpartei bezichtigt den Göttinger Stadtbaurat Thomas Dienberg der Falschaussage im Bauausschuss und fordert den Rücktritt.

Der Betroffene ist erstaunt und bezeichnet die Vorwürfe als haltlos und absurd. Es geht dabei um das umstrittene Projekt Bebauung Groner Tor.

Das Projekt Groner Tor 

Es geht um das Bauprojekt am Groner Tor mit dem künftigen Sparkassenverwaltungsgebäude, einem Hotelkomplex und dem nebenan geplanten Universitäts-Wissen-Museum. Dort hatte die Stadt im März 2015 als Vorbereitung für die Bauarbeiten, die noch nicht begonnen haben, etwa 50 Bäume fällen lassen. Durch die Bauarbeiten wurde nach Ansicht der Piratenpartei der Lebensraum von Landtieren sowie Amphibien und Molchen zerstört.

Der Vorwurf

Stadtbaurat Thomas Dienberg habe im Juli 2015 dem Sozialministerium mitgeteilt, dass die Nutzung der Gehölzbereiche des Baugrundstücks als Landlebensraum durch Amphibien ausgeschlossen wurde. Das habe der Bauzernent auch im Bauausschuss am 9. Juli 2015 wiederholt. Aber: Laut Piraten habe ein Gutachten aus dem Juli 2014 eine andere Kernaussage gebracht: Der Teich und die Böschung auf dem Gelände und am angrenzenden Fußweg werde von Molchen als Lebensraum genutzt. Dabei gehe es um Berg- und Kammmolche, beides geschützte Arten.

Daraus folgern die Piraten: „Herr Dienberg hat am 9. Juli 2015 das Parlament wissentlich falsch informiert“, schreibt Niels-Arne Münch, Vorsitzender des Kreisverbandes der Piratenpartei Göttingen. „Die Rücktrittsforderung ist die einzig logische Konsequenz.“

Die Reaktion

„Das ist ein unzutreffender, ja absurder Vorwurf“, sagte Dienberg auf Anfrage gegenüber unserer Zeitung, auch weil stets alle Gutachten öffentlich gemacht worden seien. „Wir haben mit offenen Karten gespielt, jeder konnte sich informieren“, sagt Dienberg, der sich persönlich für eine ausgiebige Untersuchung der kompletten Fläche eingesetzt habe, auch in einem zweiten Gutachten.

Das Molch-Problem Stadtbaurat Dienberg wusste zudem um das Vorkommen der Molche in einem Becken auf dem Gelände des Zoologischen Institutes. „Es wurden aber keine Vorkommen auf dem Gelände des zukünftigen Hotel- und Sparkassenbaus entdeckt“, erläutert Dienberg. Nun, so Dienberg, gehe es vornehmlich um einen Bereich auf dem Uni-Gelände. Das sei den Verantwortlichen bekannt – auch den Piraten.

Uni weiß um Molche

„Wir wissen um das Vorkommen der Molche und kümmern uns darum“, sagt der Leiter des Gebäudemanagements der Universität, Rainer Bolli. Die Molche wurden irgendwann in einem Betonbecken auf dem Gelände des Zoologischen Institutes angesiedelt. Mit der Unterstützung von Fachleuten werde man sich dem Problem und der Molche annehmen, sagt Bolli. Tatsache sei: Die Tiere sind nicht auf natürlichem Weg in den Lebensraum am Groner Tor gekommen, der nach Schließung des Tierärztlichen Institutes dort zu einem idyllischen Terrain geworden war.

Der Projekt-Sachstand

Im Moment prüft die Stadtverwaltung, ob das von den Piraten angestrebte Bürgerbegehren gegen das Bau-Projekt Groner Tor zugelassen wird. Der Bauantrag für ist übrigens nach erheblichen Verzögerungen mittlerweile bei der Stadt eingegangen, sagte Thomas Dienberg.

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