Piraten verteilen Hanfsamen am Gänseliesel

Hanfsamen gefällig: Die Göttinger Piraten verteilten am Samstag Tütchen mit Samen für Nutzhanfplatzen, die keinen Rauschgift-Wirkstoff enthalten. Foto: Brüßler

Göttingen. Die Göttinger Piratenpartei verteilte am Samstag am Gänseliesel während ihrer Aktion „Mehr Hanf wagen“ kleine Tütchen mit Nutzhanfsamen als Vogelfutter. Sie thematisierten damit die mögliche Legalisierung von Hanf.

In den vergangenen zwei Wochen gab es bereits bundesweit in 20 Städten Aktionen zum „Global Marijuana March“. So verteilten die Göttinger Piraten vor dem Gänseliesel bei ihrer Aktion „Mehr Hanf wagen“ 50 Tütchen Nutzhanfsamen für die Fütterung von Vögeln, um auf das Thema aufmerksam. Die Göttinger Polizei habe sich recht locker gezeigt, sagten die Göttinger Piraten.

In Stuttgart sah das ganz anders aus: Da beschlagnahmte die Polizei vor zwei Wochen 200 Tütchen mit Nutzhanfsamen: „Nutzhanfsamen sind legal im Handel als Vogelfutter erhältlich“, erklärte Francisco Welter-Schultes von den Göttinger Piraten.

„Wir wollen mit der Aktion zeigen, wie vielseitig Hanf verwendet wird. Er kommt in Textilien, bei Dämmmaterialien, als Tierfuttersamen vor und man kann ihn auch im Bioladen für sein Müsli kaufen“. Trotzdem ist das Aussäen von Hanfsamen in Deutschland verboten. Auch wenn der Nutzhanf nicht als Droge verwendet werden kann, sondern nur der Rauschmittelpflanze Cannabis indica ähnlich sieht.

1982 wurde das Gesetz, das jegliche Nutzung von Hanf verbietet eingeführt. Die Piraten stehen für ein Umdenken in der Drogenpolitik ein, erklärt Welter-Schultes: „Momentan wird in Deutschland unnötig an Gesetzen festgehalten, die wirkungslos sind und jede Menge Steuergelder kosten“. So wird der Besitz und Anbau von Hanf als Straftat und nicht als Ordnungswidrigkeit geführt.

Ein weiteres Problem sei zudem, dass der Hanf, der auf dem Schwarzmarkt gehandelt wird, oftmals verunreinigt ist. Deshalb sei dringend eine staatliche Kontrolle für Handel und Anbau nötig. In Uruguay sowie in anderen amerikanischen Staaten sei Cannabis inzwischen legalisiert worden.

„Die Zeit und die momentane Debatte sprechen dafür, dass das strikte Verbot von 1982 gelockert werden wird“, hofft Welter-Schultes. Der CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler sagte kürzlich, dass seine Meinungsbildung zu diesem Thema noch nicht abgeschlossen sei, nachdem moderatere Stimmen aus seiner Fraktion laut geworden waren. Auch der Grüne Kreisverband hatte sich bereits vor zwei Jahren für eine Legalisierung ausgesprochen. (zli)

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