Opfer soll 425 000 Euro gezahlt haben

Über fünf Jahre Haft für Lottomillionär-Erpresser gefordert

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Göttingen. Im Prozess um die Erpressung eines Lottomillionärs vor dem Landgericht Göttingen hat die Staatsanwaltschaft am Donnerstag eine Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten für den Hauptangeklagten Wissam N. gefordert.

Der 30-Jährige habe über mehrere Wochen hinweg den Lottogewinner derart massiv bedroht und unter Druck gesetzt, dass dieser ihm aus Angst insgesamt 425.000 Euro gezahlt habe. Der Hauptangeklagte, der 2010 im „Big Brother“-Container von RTL gewohnt hatte, habe sich damit der räuberischen Erpressung schuldig gemacht. Sein 29-jähriger Mitangeklagter solle wegen Beihilfe eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten erhalten. Der Vertreter der Nebenklage schloss sich dem Antrag der Staatsanwaltschaft an.

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Die Verteidiger plädierten dagegen auf Freispruch. Sie warfen der Polizei vor, fehlerhaft und einseitig ermittelt und den Angaben des Lottogewinners ungeprüft Glauben geschenkt zu haben, obwohl dieser ein „Spieler“ und „Zocker“ sei.

Die Staatsanwaltschaft hält die Angaben des Lottogewinners dagegen für glaubhaft. Der Bäcker aus dem südniedersächsischen Eichsfeld, der kurz zuvor wegen eines Arbeitsunfalls berufsunfähig geworden war, hatte im Sommer 2011 1,77 Millionen Euro im Lotto gewonnen. Dies habe sich in seinem Heimatort sehr schnell herumgesprochen, sagte der Staatsanwalt. Einige Wochen später lernte der glückliche Gewinner in einer Spielhalle den Hauptangeklagten kennen. Der bereits wegen verschiedener Gewaltdelikte vorbestrafte Kickboxer fragte ihn, ob er sich an der Finanzierung eines Box-Camps beteiligen würde, was er allerdings ablehnte.

Im Oktober 2011 habe der Angeklagte dann den Lottogewinner unter einem Vorwand zu einem Stausee gelotst und ihn beschuldigt, „Scheiße“ über ihn erzählt zu haben. Dafür müsse er eine Wiedergutmachung zahlen. Der 30-Jährige habe mit einem Schreckschussrevolver und einem Elektroschocker hantiert und ihn bedroht. Später seien sie dann zu seiner Sparkassenfiliale gefahren. Dort habe der Lottogewinner dann zweimal 20.000 Euro abgehoben und dem Angeklagten gegeben. In der Folgezeit habe dieser dann weiteres Geld verlangt, insgesamt habe ihm das Opfer 425.000 Euro gezahlt.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft belastet den Angeklagten vor allem das Geständnis des Mitangeklagten. Dieser habe gegenüber der Polizei die Geschehnisse am Stausee bestätigt. In der Gerichtsverhandlung widerrief er plötzlich sein Geständnis und behauptete, dass die Polizei ihm die Angaben in den Mund gelegt habe. Eine Tonbandaufzeichnung belege jedoch, dass der 29-Jährige bei seiner polizeilichen Vernehmung 20 Minuten frei geredet habe.

Der Hauptangeklagte hatte, nachdem der Prozess bereits vier Monate lief, plötzlich ein vermeintliches Alibi präsentiert und behauptet, dass er zur angeblichen

Tatzeit auf einer Baustelle in Thüringen gearbeitet habe. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat dies jedoch keiner der Zeugen eindeutig bestätigt. (pid)

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