Vorbild Zietenterrassen

500 Plätze für Flüchtlinge fehlen - Baut Stadt noch ein Wohnheim?

Noch verschlossen: Das ehemaliges Gelände des IWF am Nonnenstieg. Gebäude werden zu einer Unterkunft für Flüchtlinge umgebaut. Foto: Kopietz

Göttingen. Die Stadt Göttingen erwartet bis Januar 2016 etwa 900 weitere Flüchtlinge. Deshalb wird dringend Wohnraum benötigt, wie Rolf-Georg Köhler (SPD) gegenüber der HNA sagte. Der Oberbürgermeister denkt laut über einen weiteren Neubau nach dem Vorbild Zietenterrassen nach.

„Uns werden etwa 500 Plätze fehlen“, verdeutlicht Köhler den Zwang zum Handeln.

100 Flüchtlinge sollen in dem Gebäude der ehemaligen Voigt-Schule an der Bürgerstraße untergebracht werden. Sie diente auch schon als Notquartier für Studenten, die zum Start des Wintersemesters 2014/15 keine Wohnung gefunden hatten.

Derweil arbeitet die Verwaltung mit Hochdruck daran, leer stehende und geeignete Objekte in Göttingen für die Unterbringung von Flüchtlingen anzumieten. „Wir haben einige Gebäude im Blick, es laufen auch Verhandlungen“, sagte der Sprecher der Stadtverwaltung, Detlef Johannson, auf Anfrage.

„Wir bemühen uns um die Nutzung der Telekom-Gebäudes in der Hannoverschen Straße“, erläutert Köhler. Bislang sei die Telekom aber nicht bereit gewesen, das große Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen durch den Mieter Stadt Göttingen bereit zu stellen. „Das Unternehmen will eher verkaufen“, ergänzt Johannson, der darauf hinweist, dass der Komplex mit drei Gebäuden noch von gewerblichen Mietern und der Telekom selbst genutzt wird. Eine Nutzung und der notwendige Umbau zu einem Flüchtlingswohnheim seien demnach „eine schwierige Kiste“, wie Johannson sagt.

Eine schnelle Lösung zeichnet sich dort also nicht ab. Für Rolf-Georg Köhler und die Stadt aber drängt die Zeit. Zeltstädte wie andernorts soll es in Göttingen möglichst nicht geben. Erste Maßnahme: In Herberhausen soll das leer stehende Forsthaus mit 15 Flüchtlingen belegt werden. Im Ort hat sich bereits eine Bürgerinitiative gebildet, die den Flüchtlingen helfen will.

„Ich überprüfe deshalb die Möglichkeit eines weiteren Neubaus. Wir schauen nach möglichen Bauplätzen“, sagte der Oberbürgermeister. Ein weiterer Flüchtlingswohnheim-Neubau müsste im Haushalt 2016 abgebildet werden, der in der nächsten Woche vorgelegt wird.

Die Unterbringungssituation werde sich zuspitzen. Und das, obwohl die Stadt erst in der vergangenen Woche den 4,5 Millionen Euro teuren Wohnheim-Neubau auf den Zietenterrassen eröffnet hat, der 180 Menschen eine Bleibe bietet. Außerdem wird Mitte Oktober der Umbau von Gebäuden auf dem ehemaligen IWF-Gelände fertig sein. Kosten: etwa 500.000 Euro, Kapazität: 150 Plätze.

Rolf-Georg Köhler appelliert weiterhin auch an Hauseigentümer in Göttingen, möglichen freien Wohnraum zu melden. Auch die von der Stadt lange praktizierte Unterbringung in Privatwohnungen ist weiter gewünscht, wie Köhler betont. Anbieter sollten sich bei der Stadtverwaltung melden.

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