Zäune bieten keinen Schutz

Plage: Hungrige Wildschweine fallen in Harz-Ort ein

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Keine Ende der Wildschwein-Plage in Wieda in Sicht: Das Schwarzwild fällt weiterhin nachts in den Walkenrieder Ortsteil ein und durchwühlt auf der Suche nach Futter Gärten und Grünanlagen. 

Göttingen/Wieda. Gärten, Grünanlagen und zuletzt sogar der Friedhof: Seit Monaten wühlen Wildschweine in Wieda nachts nach Futter.

Auch eine intensive Bejagung hat die Plage bislang nicht stoppen können. 

Obelix würde sich hier wohlfühlen. Rund um das kleine Dorf am südlichen Harzrand gibt es Wildschweine ohne Ende. Auf der Suche nach Frischfleisch müsste der stets hungrige Gallier noch nicht einmal durch den Wald streifen. Denn die Tiere kommen freiwillig in den Ferienort, seit Monaten und immer nachts. Und auch sie werden vom Hunger getrieben, wie Hubertus Köhler vom Forstamt Bad Lauterberg der niedersächsischen Landesforsten sagt: „Die Tiere haben einen Futter-Engpass.“

Wildschweine wühlen

Das Schwarzwild falle regelrecht in den Walkenrieder Ortsteil ein, sagt Samtgemeinde-Bürgermeister Dieter Haberlandt. „Die Wildschweine durchwühlen dann Gärten und Grünanlagen.“ Zuletzt suchten die Tiere mehrfach den Friedhof heim. Auch der Kurpark oder Spielplätze waren wiederholt an der Reihe.

„Um zum Friedhof zu gelangen, machen sich die Wildschweine viel Mühe“, sagt der Gemeindemitarbeiter Edgar Nordmann. Sie durchqueren extra den am Gottesacker vorbeifließenden Fluss Wieda. „Zum Glück haben sie auf dem Friedhof bisher keine Gräber, sondern nur Grünflächen umgepflügt.“

Seit Herbst 2015 versuchen Waidmänner, die wiederkehrende Plage durch intensive Bejagung zu beenden. „Wir haben im vergangenen Jahr rund um Wieda mehr als 70 Tiere geschossen“, sagt Köhler. Die Landesforsten haben extra das in ihren Wäldern geltende Anfütterungs-Verbot für Wildschweine aufgehoben. Jetzt werden die Tiere an bestimmten Plätzen mit Futter angelockt, damit sie dort geschossen werden können. Zuletzt sei so erfolgreich Jagd auf Jungtiere gemacht worden, sagt Köhler. Ein knappes Dutzend Tiere wurden erlegt.

„Das Problem wurde damit aber nicht gelöst“, beklagt Bürgermeister Haberlandt. Trotz der Abschüsse gebe es weiterhin mehrere Rotten, die nachts in den Ort einfallen.

Kein Schutz durch Zäune

Auch Zäune können die Tiere nicht aufhalten. „Die Wildschweine sind schlau“, sagt Förster Köhler. „Und sie haben gelernt, dass sie in der bebauten Ortslage nicht gejagt werden dürfen.“ Die Pläne von betroffenen Bürgern, die Wildschweine mit Lärm und Hunden dauerhaft aus Wieda zu vertreiben, führten zu nichts.

Inzwischen hat sich in Wieda Ratlosigkeit breit gemacht. 

Von Matthias Brunnert

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