Plagiatsfall an der Uni Göttingen: Doktortitel ist futsch

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Plagiatsfall an der Universität Göttingen: Der Rat der Sozialwissenschaftlichen Fakultät hat beschlossen, dem Betroffenen den Doktortitel entziehen.

Göttingen. Die Göttinger Universität ist von einem Plagiatsfall betroffen. Ein früherer wissenschaftlicher Mitarbeiter hat bei seiner Doktorarbeit offenbar abgeschrieben.

Jetzt ist der Titel weg.

Eher durch Zufall stieß ein Mitarbeiter der Sozialwissenschaftlichen Fakultät am 23. Juni auf den Fall. Er hatte zum gleichen Thema wie der Plagiator gearbeitet und dabei kam heraus: Bei der Doktorarbeit, die vor drei Jahren bei der Universität eingereicht worden war, waren „erhebliche Teile“ aus zwei anderen wissenschaftlichen Arbeiten abgeschrieben.

Bereits am 15. Juli, also nicht einmal einen Monat später, hat deshalb der Fakultätsrat den Entzug des Doktortitels beschlossen. „Dagegen kann der Betroffene noch Widerspruch einlegen“, sagte ein Hochschulsprecher Thomas Richter am Mittwoch auf Anfrage. Nach der Promotionsordnung entscheiden die Fakultäten eigenständig über Verleihung beziehungsweise auch gegebenenfalls Entzug des Doktortitels.

Für die jetzt beanstandete Arbeit gab es 2013 auch einen Preis der Uni, die ihn aber jetzt aberkennen will.

Laut Universität war der Betroffene ab 2010 zunächst als wissenschaftliche Hilfskraft sowie zwischen 2011 und Anfang 2015 als wissenschaftlicher Mitarbeiter beschäftigt. Während der Überprüfung des Plagiatsfalls entdeckte die Universität auch, dass zur Einstellung gefälschte Abschlusszeugnisse vorgelegt wurden. Deshalb wird die Universität Göttingen nun Anzeige wegen Betrugs und Urkundenfälschung erstatten.

Ein Universitätssprecher geht bei dem aktuellen Plagiatsfall von einem absoluten Einzelfall aus. „Wir führen darüber keine Erhebung“, sagte Richter auf Nachfrage.

Weiterhin wird derzeit untersucht, welche Konsequenzen sich aus der Arbeit des ehemaligen Uni-Mitarbeiters, der inzwischen an einer anderen Hochschule beschäftigt ist, ergeben. Dabei werden Publikationen, Lehrveranstaltungen und Prüfungen, an denen der Betroffene beteiligt war, genau unter die Lupe genommen. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen.

Die betroffenen Herausgeber, Autoren und Studierenden werden laut Uni in Kürze informiert. Wie viele es sind, stehe noch nicht fest. Schon jetzt ist klar: „Für den Fall, dass Prüfungen von Personen abgenommen wurden, die dazu nicht berechtigt sind, erhalten die betroffenen Studierenden die Möglichkeit, diese Prüfungen zu wiederholen.“ Zu Konsequenzen aus dem aktuellen Fall will sich die Universität derzeit noch nicht äußern.

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