150 Betriebe wären betroffen

Planungen für neue Stromtrasse Südlink: Göttinger Bauern im Widerstand

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Großbaustelle: Bei der Verlegung von Erdkabel muss ein breiter Graben durch die Landschaft gebaggert werden. Das Bild zeigt eine Baustelle vor zwei Jahren in Nordrhein-Westfalen.

Göttingen. Bauern im Landkreis Göttingen befürchten massive Nachteile auf die Fruchtbarkeit ihrer Böden, wenn die geplante Erdkabeltrasse Südlink durch ihre Äcker verläuft. Gleichzeitig kündigt das Landvolk Widerstand gegen die Pläne an.

150 Betriebe betroffen

Achim Hübner

„Auf Flächen, in denen das Erdkabel liegt, wird sicherlich noch Ackerbau möglich sein, aber es wird zu Ertragseinbußen kommen“, sagt Achim Hübner, Geschäftsführer des Landvolk-Kreisverbandes Göttingen. Er schätzt, dass durch die verschiedenen Trassenvarianten etwa 150 seiner Mitgliedsbetriebe von den Überlegungen betroffen sind.

Grundstückseigentümer

Die Anzahl der betroffenen Grundeigentümer liegt nach Schätzungen Hübners beim fünf- bis zehnfachen dieser Zahl. Hintergrund: Immer mehr Landwirte pachten Flächen zu.

Große Verunsicherung

„Die Verunsicherung unter den Landwirten ist groß. Ich bekomme bereits täglich Anrufe von Grundeigentümern und Landwirten, die Informationen brauchen und um Hilfe bitten“, sagt Hübner. Derzeit rät Hübner Betroffenen, alle verfügbaren Informationen zu sammeln und sich bereits jetzt in das Verfahren einzubringen. Das geht beispielsweise über die im Internet eingestellten Online-Pläne.

Überlegungen laufen

Das Göttinger Landvolk überlegt derzeit, wie man die Ablehnung für das Projekt am besten in die Öffentlichkeit bringt. „Wir wollen mit konkreten Forderungen in die Verhandlungen gehen“, sagt Hübner. Dabei könnte es beispielsweise um einen Ausgleich für die möglichen Einbußen bei den Ernteerträgen gehen. Eine weitere Idee wäre eine Flurbereinigung bei den betroffenen Flächen, damit die künftige Bewirtschaftung nach dem Bau der Trasse vereinfacht wird. Bei diesem Verfahren, das im Straßenbau üblich ist, werden die Nachteile auf mehr Grundeigentümer verteilt.

Veranstaltungen später

Informationsveranstaltungen für Landwirte zu dem Thema wird es laut Hübner später geben: „Momentan macht das noch keinen Sinn, weil noch zu wenig Informationen vorliegen.“

Rahmenvertrag

Der Landvolk-Chef würde sich wünschen, dass die Rahmenvertragsverhandlungen für die Höchstspannungstrasse Wahle-Mecklar endlich weitergehen. Auch dort ist bei Göttingen für ein fünf Kilometer langes Teilstück eine Erdverkabelung geplant. Hübner: „Die ablehnende Haltung von Tennet zu unseren Vorstellungen sind keine guten Voraussetzungen für die Verhandlungen zum durchgehenden Erdkabel für Südlink.“ Auseinandersetzungen gibt es um Entschädigungssummen und die Organisation der Baustelle. „Wir fordern nach wie vor nur das, was Landwirte in anderen Teilen Deutschlands als Zugeständnisse bekommen haben.“

Unterschriftsreif

Der Rahmenvertrag für die Freileitung der Höchstspannungstrasse Wahle-Mecklar ist hingegen praktisch unterschriftsreif.

Pläne für neue Trasse wurden in der vergangenen Woche bekannt

In der vergangenen Woche wurden die neuen Pläne für Südlink bekannt. Darin werden zwei mögliche Hauptrouten vorgeschlagen.

Die erste Variante führt aus dem Bereich Nörten-Hardenberg kommend westlich an Göttingen, Rosdorf und Friedland vorbei und weiter in den Werra-Meißner-Kreis. In der zweiten Variante kommt die Stromtrasse aus Katlenburg-Lindau und führt über Duderstadt nach Thüringen. Südlink ist eine reine Erdkabel-Trasse in Gleichstromtechnik, die den Strom aus Windkraftanlagen von Nord- nach Süddeutschland transportieren soll.

Und: Südlink ist eine weitere Stromtrasse neben der ohnehin geplanten 380 000-Volt-Höchstspannungsleitung Wahle-Mecklar, die ebenfalls durch den Landkreis Göttingen führen soll. Ob Teile der beiden Trassen zusammengefasst werden können, ist noch völlig unklar.

Schon jetzt kann man die Pläne für Südlink einsehen und erste Einwände hier online geltend machen.

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