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Planungen zum Schulneubau am Göttinger Hainberg-Gymnasium stocken

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Von: Michael Caspar

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Keine Dämmung, durchgefaulte Fensterrahmen, fehlende Fenstergriffe: Hannes Kramer, Maria Kant, Mattes Bauer, Claudia Diesbert, Nina Lauterbach, Angelika Reese und Georg Bartelt (v. l.) im dringend zu ersetzenden Anbau.
Keine Dämmung, durchgefaulte Fensterrahmen, fehlende Fenstergriffe: Hannes Kramer, Maria Kant, Mattes Bauer, Claudia Diesbert, Nina Lauterbach, Angelika Reese und Georg Bartelt (v. l.) im dringend zu ersetzenden Anbau. © Michael Caspar

Seit einem Jahr stocken die Planungen zum Neubau auf dem Gelände des Göttinger Hainberg-Gymnasiums. Schülern, Eltern und der Schulleitung reißt der Geduldsfaden. Sie warten seit 2006.

Göttingen – „Die Machbarkeitsstudie, die die Stadtverwaltung in Auftrag gegeben hat, sollte bereits im März des vergangenen Jahres vorgestellt werden“, berichtet Schulleiter Georg Bartelt. Der Termin sei abgesagt worden. Im Vorfeld der Kommunalwahl habe seine Schule Vertreter aller Parteien zu Gast gehabt. Es sei Konsens gewesen, dass sich kein Schulgebäude in Göttingen in einem derart schlechten Zustand befinde wie ihr 1962 errichteter Anbau.

„Wir unterrichten in dem Gebäudeteil unsere 450 Oberstufen-Schüler“, führt Bartelt aus. Den Computerraum, die Räume für den naturwissenschaftlichen Unterricht sowie die Schulbibliothek nutzten die Mittelstufenschüler mit.

„Wenn die Sonne scheint, steigen die Temperaturen im Anbau auf 40 Grad Celsius – trotz heruntergelassener Jalousien“, berichtet Bartelts Stellvertreterin, Angelika Reese, die für Bauangelegenheiten zuständig ist.

Die Fenster lassen sich nicht mehr öffnen, weil die Holzrahmen morsch geworden sind. Damit die großen, schweren Scheiben nicht herausbrechen und dabei Teile der Wand mitreißen, hat die Stadt die Fenstergriffe abmontieren lassen.

„Im Zuge der Pandemie wurden die Griffe an jeweils zwei Fenstern pro Raum wieder angebracht, damit die Lehrer die vorgeschriebenen Stoßlüftungen durchführen können“, führt Reese aus. „Eine besondere Zumutung sind die schweißtreibenden Temperaturen für die Abiturienten die in den Räumen des Obergeschosses ihre Abschlusskauseuren schreiben“, berichtet Claudia Diesbert vom Schulelternrat. Die Räume im Obergeschoss des Anbaus sind die größten und ruhigsten der Schule.

„Im Winter sinken die Temperaturen im kaum gedämmten Anbau auf 16 Grad Celsius“, klagt Hannes Kramer, der zusammen mit Mattes Bauer und Maria Kant zu den Schulsprechern gehört. Dann müssen die Jugendlichen dicke Jacken und Mützen tragen.

Bohrt seinen Finger durch den angefaulten Fensterrahmen im Anbau: Schulleiter Georg Bartelt.
Bohrt seinen Finger durch den angefaulten Fensterrahmen im Anbau: Schulleiter Georg Bartelt. © Michael Caspar

Das jüngste Problem: Die Gasleitung des Chemieraums leckt und wurde deshalb vorerst außer Betrieb genommen. Die Schüler müssen seither bei ihren Versuchen auf Ga Freunde & Bekannte skartuschen zurückgreifen. Oft schauen sie sich die Experimente nur noch auf Video an. „Wir wollen keine Neid-Debatte, aber es ärgert uns schon, dass die Politik anderen Projekten Vorrang einräumt“, sagt Nina Lauterbach vom Schulelternrat.

Die Gesamtschule in Weende hat eine Oberstufe erhalten, die Geschwister-Schul-Schule erhält einen Neubau und das Otto-Hahn-Gymnasium ein zusätzliches Stockwerk. Ihr voraussichtlich 20 Millionen Euro teurer Neubau liege dagegen „auf Eis“.

„An mehreren großen Schulen gibt es einen hohen Sanierungsstand“, stellt dazu Göttingens Pressesprecher Dominik Kimyon klar. Nicht alle Maßnahmen könnten „zugleich umgesetzt“ werden. Derzeit stimmten sich die politischen Gremien darüber ab, welche Baumaßnahme Vorrang habe. Sie stütze sich dabei auch auf die Machbarkeitsstudie, die die Verwaltung „kurzfristig“ Rat und Öffentlichkeit vorstellen werde.

Wenn die nötigen Mittel im Haushalt bereit ständen, gebe es einen Architektenwettbewerb. Danach benötigten Planung, Ausführungsvorbereitung und Auftragsvergabe „ihre Zeit“.

Bis zur Fertigstellung des Neubaus treffe die Stadt „notwendige Maßnahmen zur Aufrechterhaltung eines sicheren Betriebs“ des Hainberg-Gymnasiums, erklärt Kimyon. (Michael Caspar)

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