Göttingen

Plasma macht Händetrockner keimfrei: Göttinger Firma DBD Plasma entwickelt innovatives Modul

Vom Göttinger Unternehmen DBD Plasma: Alexander Gredner hält Plasma-Modul in der Hand und Christian Haese steht im Hintergrund vor einem Bildschirm
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Wollen mit ihrem Plasma-Modul LOG3 den Händetrockner-Markt revolutionieren: Alexander Gredner (links) und Christian Haese.

Elektrische Händetrockner stehen in der Kritik, weil sie nicht abgewaschene Keime in die Luft blasen und so verteilen. Ein Göttinger Unternehmen hat nun eine Lösung für das Problem.

Göttingen – Keime aller Art, einschließlich Covid-19, tötet ein Plasma-Modul ab, das sich in Händetrockner einbauen lässt. Die Göttinger DBD Plasma GmbH hat LOG3, so der Produktname, im Juni auf den Markt gebracht.

„Das Interesse der Hersteller ist groß“, berichtet Geschäftsführer Alexander Gredner. „Elektrische Händetrockner sind im vergangenen Jahr – auch behördlicherseits – als mögliche Verbreiter von Keimen schwer unter Kritik geraten“, ergänzt sein Kollege, Geschäftsführer Christian Haese. Beide haben das Unternehmen 2017 gegründet.

Göttinger Unternehmen macht Händetrockner keimfrei: „Unser Modul löst dieses Problem vollständig“

In der Coronazeit ist noch hinzugekommen, dass die Trockner nicht abgewaschene Viren von den feuchten Händen blasen und so die Aerosol-Belastung im Raum erhöhen. „Unser Modul löst dieses Problem vollständig“, sagt Gredner. Die Göttinger nutzen Plasma. Im vierten Aggregatzustand lösen sich die Elektronen von den Atomrümpfen.

Ionisiertes Gas entsteht, das bis zu 99,99 Prozent aller Keime zerstört. Das DBD-Modul übertrifft damit die Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM), ab wann von Desinfektion gesprochen werden kann.

Göttinger Unternehmen macht Händetrockner keimfrei: Produkt in Fachlabor getestet

DBD Plasma hat das Modul in enger Absprache mit Herstellern seit vergangenem Juni entwickelt. Es durfte nicht größer als eine Zigarettenschachtel sein und musste seine volle Wirkung innerhalb von 20 Sekunden entfalten.

„Von März an haben wir unser Produkt in einem Fachlabor für Mikrobiologie getestet und optimiert“, berichtet Gredner. Es galt sicherzustellen, dass bei der Erzeugung des Plasmas kein Ozon freigesetzt wird.

Göttinger Unternehmen macht Händetrockner keimfrei: Vorteile gegenüber Papierhandtuchspendern

„Derzeit führen wir mit drei, vier Herstellern von elektronischen Handtrocknern Verhandlungen“, berichtet Geschäftsführer Haese. Die Hersteller hoffen, dass die neuen Geräte dann ihren Vorteil gegenüber Papierhandtuchspendern voll ausspielen können. Sie müssen nicht nachgefüllt werden. Es liegt kein Papier auf dem Boden.

„Wir werden die Module zunächst in unseren Räumen an der Bertha-von-Suttner-Straße 5 fertigen“, kündigt Haese an, der für die Produktion verantwortlich ist. Bei Stückzahlen von einigen 10 000 will die Firma zusätzliche Räume anmieten und weitere Mitarbeiter einstellen.

Göttinger Unternehmen macht Händetrockner keimfrei: mit kaltem Atmosphärendruckplasma beschäftigt

Die Göttinger stellen maßgeschneiderte Plasmaanlagen für Industrieunternehmen her. Diese behandeln mit dem Plasma Oberflächen, die sich danach besser bedrucken oder kleben lassen. Gredner und Haese haben sich vor ihrer Selbstständigkeit mehr als ein Jahrzehnt lang an der Hochschule mit kaltem Atmosphärendruckplasma beschäftigt.

Dieses Wissen bringen sie bei DBD Plasma ein. Während der Pandemie haben viele Kunden Projekte in diesem Bereich zurückgestellt. Der Zusammenbruch von Lieferketten forderte ihre volle Aufmerksamkeit. Die Göttinger nutzten die freien Kapazitäten, um sich ein neues Marktsegment zu erschließen. Weitere Infos gibt es unter dbd-plasma.com. (Michael Caspar)

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