Hilfe für Opfer auch in Zukunft persönlich

Podiumsdiskussion zur Zukunft der Stiftung Opferhilfe Niedersachsen im Göttinger Amtsgericht

Diskussionsrunde im Amtsgericht Göttingen: (von links) Michael Berg (Opferhilfe Hannover), Maria-Judith Benter (Psychotherapeutin, Asklepios-Klinikum Göttingen), Barbara Havliza (niedersächsische Justizministerin), Hanspeter Teetzmann (Geschäftsführer der Stiftung Opferhilfe Niedersachsen), Denise Langner (Frauen für Frauen Osterode) und Andreas Stöbener (Leiter des 1. Fachkommissariats der Polizeiinspektion Göttingen).
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Diskussionsrunde im Amtsgericht Göttingen: (von links) Michael Berg (Opferhilfe Hannover), Maria-Judith Benter (Psychotherapeutin, Asklepios-Klinikum Göttingen), Barbara Havliza (niedersächsische Justizministerin), Hanspeter Teetzmann (Geschäftsführer der Stiftung Opferhilfe Niedersachsen), Denise Langner (Frauen für Frauen Osterode) und Andreas Stöbener (Leiter des 1. Fachkommissariats der Polizeiinspektion Göttingen).

Opfer von Straftaten zu beraten und zu unterstützen, ist seit 2001 die Aufgabe der Opferhilfe Niedersachsen. Am 21.10.2021 fand in Göttingen eine Podiumsdiskussion zur Zukunft der Stiftung statt.

Göttingen – Anlässlich des 75. Landesgeburtstags – und dem 20-jährigen Bestehen der Stiftung – besuchte die niedersächsische Justizministerin Barbara Havliza (CDU) das Amtsgericht Göttingen und diskutierte mit Experten über die Zukunft der Opferberatung.

Michael Berg von der Opferhilfe Hannover skizzierte zunächst die Entwicklung der Stiftung. So wurden 2001 an den Sitzen der niedersächsischen Staatsanwaltschaften Büros angesiedelt. „Es gab damals nur wenige Vorgaben“, erinnerte er sich.

In ihren Anfangsjahren habe die Stiftung vor allem auf ein Hilfsmittel nicht verzichten können: das Telefon. Damals hieß es „Klinken zu putzen“ bei anderen Ämtern, Organisationen und Stellen, um das Netz auszubauen. Damals sei die Kommunikation weitgehend analog gewesen. Eine Homepage gab es erst Ende der Nullerjahre. E-Mails wurden nur intern genutzt und die Klienten per Telefon kontaktiert.

Digitale Medien sind in der Beratung mittlerweile selbstverständlich

Heute ergebe sich ein anderes Bild: Selbstverständlich hätten digitale Formate Einzug gehalten. „Durch Social Media gibt es einen verlässlichen Kontakt zu den Betroffenen“, sagte Michael Berg. Seit 2017 können sich diese auch über einen geschützten E-Mail-Server an die Opferhilfe wenden. Darüber finde meist der Erstkontakt statt.

Die Pandemie habe die Beratungsarbeit erschwert, sind sich alle Podiumsgäste einig. Das einzig Positive: „Die Hemmschwelle, sich digital zu melden, wurde deutlich abgebaut“, sagte Berg. Alle Stellen seien digital ausgestattet. Dies erleichtere besonders die interne Kommunikation und werde sich nach der Pandemie fortziehen. Auch Opfer, die erst einmal anonym Hilfe suchen, profitierten von der Digitalisierung.

Die Podiumsteilnehmer kritisierten jedoch gleichzeitig, dass die Angebote im Internet oft verstreut sind. Es brauche gemeinsame Portale, sodass sich Opfer nicht erst durch unzählige Angebote klicken müssen.

Eine Zoom-Beratung könne ein persönliches Gespräch nicht ersetzen

Alle stimmten überein, dass die Beratung über eine Videokonferenz oder am Telefon auch in Zukunft kein persönliches Gespräch ersetzen wird. Denise Langner vom Verein Frauen für Frauen in Osterode stellte dennoch fest: „Unsere Instagram-Seite entwickelt sich gut. Junge Leute gehen eher diesen Weg.“

Zentral für die therapeutische Arbeit sei jedoch die Beziehung, warf Asklepios-Psychotherapeutin Maria-Judith Benter ein. Bei Opfern häuslicher Gewalt oder von Vergewaltigungen sei zudem problematisch, dass nicht ersichtlich sei, wer noch am anderen Ende der Leitung mithört, sagte Denise Langner.

Aus dem Publikum kam zum Schluss noch ein Einwurf aus der Praxis: „Wir haben nicht gelernt, uns gut auf diesen Plattformen zu verkaufen“, so eine Mitarbeiterin der Opferhilfe. Die Öffentlichkeitsarbeit finde abends auf dem Sofa statt. „Es braucht Fortbildungen.“ Ministerin Havliza versprach: „Das nehme ich mit.“ (Paul Bröker)

Stiftung Opferhilfe Niedersachsen

Die Stiftung Opferhilfe Niedersachsen wurde 2001 von der Landesregierung eingerichtet. Sie gewährt Opfern von Straftaten außerhalb gesetzlicher Ansprüche und über die Leistungen anderer Opferhilfeeinrichtungen hinaus materielle Hilfen und fördert die Opferhilfe als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. In den elf niedersächsischen Opferhilfebüros arbeiten 30 hauptamtliche Mitarbeiter. Sie unterstützen, betreuen und beraten Opfer von Straftaten und deren Angehörige. Die Opfer müssen dazu keine Strafanzeige gestellt haben. Voraussetzung ist nur, dass die Hilfesuchenden in Niedersachsen wohnen oder die Straftat in Niedersachsen verübt wurde.

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