Poetry Slam: Eike Bret ist der beste Redner im Jungen Theater

Sieger des Poetry Slam: Das Publikum im Jungen Theater entschied sich im Finale für Eike Bret aus Hannover.
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Sieger des Poetry Slam: Das Publikum im Jungen Theater entschied sich im Finale für Eike Bret aus Hannover.

Göttingen. Im ausverkauften Jungen Theater duellierten sich am Sonntag neun Wortkünstler. Eike Bret aus Hannover entschied den literarischen Wettbewerb für sich, denn beim Poetry Slam bestimmt das Publikum, wer der beste Redner ist.

Poetry Slams haben enorm an Prominenz gewonnen. Chaotisch, spontan und jung präsentiert sich diese Kunstform und schafft es beim jungen Publikum, Interesse für Kunst und Kultur zu wecken. 1986 in Amerika gegründet, verbreitete sich die Gattung bis nach Deutschland und zieht viele Menschen an.

„Mitmachen kann, wer seinen selbstgeschriebenen Text in sieben Minuten ohne Hilfsmittel und musikalische Einlagen auf die Bühne bringt“, erklärte Moderator und Organisator Felix Römer. Es brauche aber auch ein Talent zur gelungenen Performance. Nach Ablauf der Zeit mache jemand aus dem Publikum ein Geräusch zum Stoppen des Redebeitrags.

Eine Minderheit im voll besetzten Jungen Theater hatte noch nie einen Poetry Slam besucht, trotzdem gab es auch vier Freiwillige aus dem Publikum, die über eine offene Liste ausgelost wurden. Arthur, Florentin, Danny und Eberhard trugen Texte mit Schattierungen von witzig über nachdenklich bis poetisch vor. Florentin sprach über seine Kindheit und was das mit Tieren zu tun habe und gewann damit die offene Liste.

Davor stimmte „The Incredible Herrengedeck“ das Publikum musikalisch auf den Abend ein. Die drei Herren in Hemd und Jogginghose begeisterten das Göttinger Publikum mit Kontrabass, Gitarre und Piano. Mit berlinerischem Akzent wechselten sie mal von Punk zu Rap oder auch zu einem Song über Kartoffeln, die ihren Ursprung in Südamerika vermissen. Sozialkritik inklusive.

Auf der Bühne standen dann Nils Früchtenicht aus Kassel, der über betrunkene Eltern, Sorgen, das Alleinsein, aber auch Stolz sprach. Mal abgelesen, mal völlig frei, ging es weiter mit Eike Bret aus Hannover. Er sprach über das abgebrochene Studium der Sozialwissenschaften, über die Kritische Theorie und das Vegansein und konnte das Publikum schnell für sich gewinnen. Der Göttinger Thorben Schulte slammte über physikalische Aphorismen, darüber, dass Entschleunigung nicht langsamer, sondern nur langsamer schnell werden bedeutet, und über Bremsen, Pizza, die NSA und Liebe.

Das Finale 

Die weit angereiste Olga Lakritz aus Zürich sprach nachdenklich darüber, dass schöne Tage eigentlich im Kopf anfangen und Wortkünstler Lasse Samström aus Köln ließ dann zum Abschluss seine Rede zur Lage der Nation, mit jeweils verdrehten Anfangsbuchstaben, auf das Publikum niederrasseln, das manchmal Mühe hatte, dem Wortakrobatiker hinterherzukommen. Im Finale entschied sich das Publikum dann aber gegen den Kölner Wortakrobatiker und kürte Eike Bret zum Sieger des Abends.

Poetry Slams gibt es seit 2006 in Göttingen 

Christopher Krauß und Felix Römer organisieren seit 2006 Poetry Slams in Göttingen. Erst spielte man noch im Theaterkeller, bevor aus Platzgründen ins Theater im OP umgesiedelt wurde. Seit 2013 finden die Veranstaltungen im Jungen Theater statt. Im Green Mill Jazz Club organisierte Dichter Marc Kelly Smith 1986 einen Wettstreit der Poeten.

Seitdem findet er jeden Sonntagabend statt und die Idee breitete sich nach Europa aus. Jährlich finden die Deutsche-Poetry-Slam-Meisterschaften statt, aber es gibt auch Landeswettbewerbe und Schulmeisterschaften. Der nächste Göttinger Poetry Slam findet am Sonntag, 25. Mai, im Jungen Theater statt. (zli)

Von Lisa Brüßler

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