Initiative von mehreren Bundesländern

Politik will Umgang mit dem Wolf festlegen: Abschuss als Folge?

+
Scheue Tiere: Wölfe sind schwer zu fotografieren. Im Wildpark fällt das leichter, wie in Eekholt in Schleswig-Holstein. Für frei lebende Wölfe könnte das Leben gefährlicher werden, wenn es zu einem bundesweiten Umgangskonzept kommen sollte.

Hannover. Bundesländer fordern ein deutschlandweites Konzept zum Umgang mit den Wölfen. Mehr Schutz für Weidetiere und Menschen sind das Ziel, Abschüsse wären die Folge.

Ein Antrag Niedersachsens, Brandenburgs und Sachsens wurde am Freitag erstmalig im Deutschen Bundesrat beraten. Die Initiative geht vom Niedersächsischen Umweltminister Lies aus. Sollte es zum Einheitskonzept kommen, dann dürfte der Gegenwind für die Wölfe rauer werden, denn Politiker fordern eindeutige Regeln für das Töten von Wölfen.

Die Forderung der Politiker: Wolf, Menschen und Nutztiere müssen gut nebeneinander leben können, Gefährdungen für Menschen und Übergriffe der Wölfe auf Weidevieh ausgeschlossen werden. Nur so könne die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöht und Ängste abgebaut werden.

Der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) stellt einerseits klar, dass der Wolf in Deutschland angekommen ist und bleiben wird. Der Artenschutz – und der Wolf hat einen hohen Schutzstatus – müsse gewahrt werden. Wer daraus aber den totalen Schutz schlussfolgert liegt falsch. Denn Lies will andererseits die Menschen nicht allein lassen, die durch den Wolf Schaden nehmen. „Abwarten geht an dieser Stelle nicht.“ So sei ein effektiver Herdenschutz ein wichtiger Beitrag, „aber wir werden nicht das ganze Land einzäunen“. In jedem Fall müsse der Staat, dort wo es Probleme gibt, handlungsfähig sein, sagt Lies, der Initiator des Wolfkonzepts. Darin soll auch geregelt werden: die Bewertung und Beobachtung der Wolfspopulation, die Finanzierung von Prävention sowie Entschädigungsregeln. Schäfer sollen stärker unterstützt werden.

Doch für die Wölfe, deren todbringender Feind bisher der Straßenverkehr ist, könnte es auch aus Waffen gefährlich werden: „Bei einem Überhandnehmen von Übergriffen auf geschützte Weidetiere muss es möglich sein, die Tötung eines Wolfs rechtssicher durchzuführen“, sagt Lies im fahlen Verwaltungsdeutsch. Man müsse langfristig eine Lösung finden, den Bestand der Wölfe zu regulieren.

Das sehen vor allem Naturschützer und Menschen, die sich mit den Tieren beschäftigen ganz anders. „Wir halten nichts davon, den strengen Schutzstatus aufzuweichen“, sagt Marie Neuwald vom Naturschutzbund (Nabu) in Berlin. „Schon jetzt gibt es genug Möglichkeiten, Wölfe mit auffälligem Verhalten zu entnehmen“, sagt sie und meint mit „entnehmen“, töten. „Was wir an der Initiative begrüßen, ist die vorgesehene Förderung der Weidetierhaltung.“ Klar für sie ist aber auch: „Die Sicherheit des Menschen muss im Vordergrund stehen.“

Weidetierhalter freuen sich über Regelung für Wolf

Der Wolf-Experte und Leiter des Wolf-Centers Dörverden, Frank Faß, meint, dass endlich eine Rechtsgrundlage geschaffen wird, damit „kletternde oder den Mindestschutz überspringende Wölfe getötet werden dürfen“. „Da sehe ich aber kaum rechtliche Möglichkeiten, weil der strenge Schutz auch nach EU-Regelungen das meiner Einschätzung nach verbietet.“

Die Weidetierhalter jedenfalls freuen sich über die Initiative der Politik: „Wir sind hoch erfreut, sie markiert hoffentlich einen Sinneswandel im Umgang mit dem Wolf“, sagt Jörn Ehlers, Vizepräsident des – wolfkritischen – Landvolks Niedersachsen. Erst kürzlich kam es in Sachsen zu einem blutigen Zwischenfall: Wölfe töten 40 Schafe und Ziegen einer Herde.

Und die Jäger, die die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht fordern? Sie begrüßen eine bundeseinheitliche Regelung und unterlegen ihren Wunsch zum geregelten Abschuss mit Zahlen. „Wir werden im kommenden Frühjahr mehr als tausend Wölfe in Deutschland haben“, sagt Torsten Reinwald, Sprecher des Deutschen Jagdverbands (DJV). 2016 seien bereits mehr als tausend Nutztiere gerissen worden. Der ausgestopfte Wolf Kurti, der Menschen zu nah gekommen und abgeschossen worden war, könnte also demnächst mehr Gesellschaft bekommen. 

(mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.