Kontrollaktion der Polizeidirektion Göttingen

Polizei checkt Fluchtrouten von Wohnungseinbrechern

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Kurios: Dieser Fahrer aus Bosnien-Herzegowina hatte auf der Ladefläche seines Kleintransporters einen Gynäkologenstuhl geladen. Bei der Kontrolle konnten Matthias Wiehe (links) und seine Kollegin Jana Schulze aber keine Unregelmäßigkeiten feststellen. 

Göttingen. Mit einer groß angelegten Aktion hat die Polizeidirektion Göttingen am Donnerstag auf möglichen Reise- und Fluchtrouten von Wohnungseinbrechern den Verkehr kontrolliert.

So mancher Autofahrer mochte es kaum glauben, als er im dichtesten Feierabendverkehr am Göttinger Sandweg aus der ohnehin schon quälend langsam dahin kriechenden Autokolonne heraus gewunken und auf den Parkplatz des Jahnstadions geleitet wurde. „Guten Tag, Verkehrskontrolle! Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte“, hieß es dann von einem der knapp 40 Polizeibeamten, die sich dort in Zweierteams den Fahrzeugen annahmen.

Blick auf Ladefläche

Auch wenn bei der Kontrolle zunächst „normale“ Kriterien wie Fahrtüchtigkeit von Mensch und Maschine in Augenschein genommen, war das eigentliche Ziel der Aktion ein ganz anderes: Beim Blick auf die Ladefläche oder in den Kofferraum wurde nachgeschaut, ob eventuell Diebesgut aus Wohnungseinbrüchen oder Gerätschaften transportiert wurden, die für einen Einbruch benutzt werden können.

Steffen Elbeshausen (links) kontrolliert, ob dieser Fahrer Alkohol oder Betäubungsmittel zu sich genommen hat. 

„Wohnungseinbruch ist nach wie vor ein Schwerpunktthema in der Polizeidirektion Göttingen“, sagte deren Präsident Uwe Lührig, der sich vor Ort selbst ein Bild von der Kontrollaktion machte. Die Fallzahlen in diesem Deliktsfeld sind laut Lührig nicht zuletzt wegen verstärkter Präsenz und diverser Präventionsmaßnahmen aktuell rückläufig – in diesem Jahr gab es im Bereich der Polizeiinspektion Göttingen 40 Prozent weniger Wohnungseinbrüche als im gleichen Vorjahreszeitraum. Allerdings werde die Arbeitsweise der Täter und Tätergruppen zunehmend professioneller, so Lührig.

„Auch die Mobilität der Tätergruppierungen, die zum Teil keinen Wohnsitz in Deutschland haben, steigt an“, sagt Lührig. Um weitere Erkenntnisse über die Vorgehensweisen zu sammeln, Täter zu überführen, aber auch, um das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu steigern, mache die Polizei regelmäßig Kontrollen. Überprüft wurde dabei nicht nur in Göttingen, sondern zeitgleich auch in den vier anderen Bereichen der Polizeidirektion, den Inspektionen Northeim/Osterode, Hameln-Pyrmont/Holzminden, Hildesheim und Nienburg/Schaumburg. Dabei waren insgesamt 180 Beamte im Einsatz.

„In Göttingen haben wir uns den Sandweg als Kontrollstelle ausgesucht, weil es zum einen die schnellste Verbindungsroute zwischen Rosdorf und Geismar ist und sich zum zweiten der Parkplatz hier bestens für eine derartige Maßnahme eignet“, sagte Einsatzleiter Tobias Stark. Für den Beamten sei es „außerordentlich erfreulich“, dass solche Aktionen bei den kontrollierten Autofahrern immer mehr Zustimmung finden, „obwohl sie natürlich immer mit Verzögerungen verbunden sind“.

Sinnvolle Aktion

Das ist eine Aussage, die der Rosdorfer Dachdecker Nils Schuchardt prompt bestätigte: „Angesichts der nach wie vor hohen Zahl von Wohnungseinbrüchen halte ich eine solche Kontrolle für sinnvoll, auch wenn für uns als Handwerker natürlich ärgerlich ist, weil wir gerade auf dem Weg zu einem Kunden sind und der sich über die Verspätung sicher nicht freuen wird.“

Polizei überprüfte bei der Aktion in sieben Stunden 389 Fahrzeuge

Bei der Kontrollaktion am Göttinger Sandweg wurden am Donnerstag zwischen 14 und 21 Uhr 389 Fahrzeuge mit insgesamt 451 Personen unter die Lupe genommen.

Einer der Überprüften war einschlägig wegen Einbruchsdelikten vorbestraft, ein Fahrer stand unter Alkohol- und zwei weitere unter Betäubungsmitteleinfluss. Drei Fahrzeugführern wurde die Weiterfahrt wegen technischer Mängel untersagt Im gesamten Bereich der Polizeidirektion Göttingen wurden bei den fünf gleichzeitig stattfindenden Kontrollen vier Haftbefehle vollstreckt, elf Personen waren einschlägig vorbestraft. Achtmal standen Fahrer unter Alkohol- oder Betäubungsmitteleinfluss und ebenso oft wurden mutmaßliches Diebesgut, Waffen oder andere Gegenstände sichergestellt.

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