Alles auf Befehl von „Onkel“

Mutmaßliche Drogenbande vor Gericht - Mehrere Kilo Gras kamen aus Spanien

Marihuana in Form von Blütenständen
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Göttingen: Bei dem Prozess, der am Montag vor dem Landgericht begann, wird dem Angeklagten bandenmäßigen unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vorgeworfen.

In Göttingen hat am 13.07.2020 ein Drogenprozess gegen einen 50-jährigen Mann aus Einbeck begonnen. Dem Angeklagten wird bandenmäßigen unerlaubter Handel mit Betäubungsmitteln vorgeworfen.

  • Ein 50-Jähriger soll eine Drogenbande gegründet haben
  • Mehrere Kilo Marihuana wurden aus Spanien nach Deutschland geschmuggelt
  • Aufgedeckt hatte den Drogenschmuggel die Polizei in Baden-Württemberg

Göttingen/Einbeck – Der 50-Jährige soll mit zwei separat verfolgten Männern eine Bande gebildet haben, deren Ziel es gewesen sei, größere Mengen Marihuana zu beschaffen und anschließend mit Gewinn weiterzuverkaufen. Der Angeklagte soll bei der Abwicklung der Rauschgiftgeschäfte die Anweisungen gegeben haben. Er sitzt seit Mitte Januar in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf in Untersuchungshaft.

Staatsanwaltschaft aus Göttingen geht davon aus, dass sich die Männer 2019 zu einer Bande zusammengeschlossen haben

Die Staatsanwaltschaft Göttingen geht davon aus, dass sich die drei Männer im Frühjahr 2019 zu einer Bande zusammengeschlossen haben. Laut Anklage sollen sie dabei arbeitsteilig vorgegangen sein, wobei der 50-Jährige offenbar die Fäden in der Hand gehabt hatte. Der aus der Türkei stammende Angeklagte habe Kontakte zu Drogenhändlern in Spanien gehabt, Verhandlungen über die Rauschgiftgeschäfte geführt und Bestellungen aufgegeben.

Der zweite mutmaßliche Mittäter mit Wohnsitz in Bilbao habe die Aufgabe gehabt, die bestellten Drogen entgegenzunehmen, nach Deutschland zu bringen und dem mutmaßlichen dritten Bandenmitglied zu übergeben. Insgesamt seien bei den zwei angeklagten Taten im Mai vergangenen Jahres erst 3,5 Kilo und dann 8,5 Kilo Marihuana von Spanien nach Deutschland gebracht worden.

Aufgedeckt hatte den Drogenschmuggel die Polizei in Baden-Württemberg. Diese hatte die Ermittlungen aufgenommen, nachdem Ende 2018 im badischen Lahr eine Tasche mit sechs Kilo Marihuana aufgefunden worden war. Den Beamten gelang es, den Eigentümer zu ermitteln.

Kontaktpersonen war das mutmaßliche dritte Mitglied der Bande aus Göttingen

Dieser sei bereits einschlägig bekannt, berichtete einer der Ermittler, der am Montag als Zeuge in Göttingen geladen war. Die Polizei ließ daraufhin im Rahmen von verdeckten Ermittlungen unter anderem dessen Telefonate abhören. Eine seiner Kontaktpersonen war das mutmaßliche dritte Bandenmitglied. Bei der Überwachung von dessen Telefonverkehr fiel auf, dass dieser regelmäßig in kurdischer Sprache mit einem Mann telefonierte, den er „Onkel“ nannte.

Bei den Telefonaten mit dem „Onkel“ sei es unter anderem um die beiden Drogenlieferungen gegangen, berichtete der Polizist. Der „Onkel“ habe dem abgehörten Verdächtigen darüber informiert, wann und wo ein Drogenkurier aus Spanien in Freiburg eintreffen werde, und ihm Anweisungen zu den Treffen und den Übergabemodalitäten gegeben.

Den Ermittlern fiel auf, dass es nie einen direkten Telefonkontakt zwischen dem Gesprächspartner des „Onkels“ und dem Kurier gab. „Alle Gespräche und Anweisungen liefen über den Onkel“, sagte der Beamte. Die Polizei geht davon aus, dass der 50-jährige Angeklagte aus Einbeck jener Mann ist, der die Anweisungen gegeben hat. Zum Prozessauftakt wollte dieser noch keine Angaben machen.

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