Erfolg der Spezialermittler

Polizei in Göttingen zerschlägt Netzwerk von Computer-Betrügern

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Lob für die Arbeit der Task Force: Innenminister Boris Pistorius (Mitte) mit Spezialeinheit-Leiter Oliver Knabe (links) und Rainer Nolte, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Göttingen.

Göttingen. Die Mitarbeiter der „Task Force Cybercrime/Digitale Spuren“ fanden heraus, dass das kriminelle Netzwerk von einem Server in Rumänien aus gesteuert wurde.

Die streng hierarchisch organisierte kriminelle Gruppierung habe durch betrügerische Online-Geschäfte einen Schaden von rund zehn Millionen Euro angerichtet, berichtete am Montag der Leiter der Spezialeinheit, Oliver Knabe, anlässlich eines Besuchs des niedersächsischen Innenministers Boris Pistorius.

Pistorius hatte sich einen Eindruck von der Arbeit der Task Force verschafft, die im vergangenen Oktober eingerichtet wurde, und die Ermittler für ihren Einsatz gelobt. Insgesamt 16 Mitarbeiter arbeiten zusammen, um den Tätern auf die Schliche zu kommen und die oft bandenmäßig organisierten Strukturen aufzuklären. Zur Task Force gehört auch ein IT-Experte, der als Informatiker mit speziellem Know-how neue Ermittlungsansätze einbringt. Das Bewerbungsverfahren für einen weiteren Experten laufe bereits, sagte Pistorius.

Das IT-Know-how ist vor allem dann gefragt, wenn die Ermittler große, komplexe Datenmengen bewältigen und entschlüsseln müssen. Das jetzt aufgedeckte kriminelle Online-Netzwerk sei der bislang größte Ermittlungskomplex gewesen, sagte Leiter Oliver Knabe. Die Täter hätten mit betrügerisch erlangten Kreditkartendaten unter Mithilfe sogenannter Warenagenten in großem Stil in Webshops eingekauft und dadurch vor allem deutsche und westeuropäische Unternehmen geprellt.

Smartphones und Drohnen

Die Betrüger hätten vor allem hochwertige elektronische Geräte wie Smartphones und Drohnen bestellt, die sich gut weiterverkaufen ließen. Um anonym an die Waren gelangen zu können, hätten sie über Stellenvermittlungen im Internet Mitarbeiter angeworben und ihnen Verträge als „Verzollungsassistent“ angeboten. Die Täter hätten dann die Daten der Bewerber genutzt, um bei Verkäufern von Elektronikartikeln Konten einzurichten und Bestellungen über betrügerisch erworbene Kreditkartendaten vorzunehmen.

Die Waren seien dann an die Adresse der eigens rekrutierten Warenagenten geliefert worden. Deren Aufgabe habe darin bestanden, die Pakete umzuetikettieren und an Adressaten in Finnland und Russland weiterzuleiten.

Die Göttinger Spezialfahnder haben mehr als 1000 Warenagenten ermittelt. „Damit haben wir die Drehscheiben der Internetbetrüger zerstört“, sagte Knabe. Sie müssten jetzt sowohl mit strafrechtlichen als auch mit zivilrechtlichen Konsequenzen rechnen. Wer als Warenagent arbeite, mache sich gegebenenfalls der Geldwäsche strafbar. Außerdem könnten die geschädigten Firmen Schadensersatzansprüche geltend machen.

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