Neue Ermittlungsgruppe 

Polizei: Mehr Straftaten gegen Studentenverbindungen

Gefährlich: Die Polizei geht bei dem Feuer auf dem Gelände der Corps Hannovera von einem politisch motivierten Brandanschlag aus. Foto: Kopietz

Göttingen. Die Gewalttaten gegenüber Mitgliedern von Studentischen Verbindungen und deren Umfeld haben seit Herbst 2015 im Vergleich zu vorangegangenen Jahren zugenommen.

Das meldet die Polizeidirektion Göttingen, die eine neue Ermittlungsgruppe einsetzt, um die Gewaltwelle einzudämmen.

Neue Ermittlungsgruppe

Darin werden die Bearbeitung von Straftaten gegen Burschenschaften, deren Umfeld und Mitgliedern zentralisiert. Außerdem seien „intensive polizeiliche Maßnahmen geplant“, heißt es. So will die Polizei mehr Präsenz zeigen.

Neue Gewalt-Qualität

Hintergrund sind nicht nur mehr Taten, sondern laut Polizei auch die veränderte Qualität der Gewalt. Als Beispiel nennt Polizeipräsident Uwe Lührig die – nach Ermittlungsstand – vorsätzliche Brandstiftung eines Gartenhauses der Verbindung „Corps Hannovera“ in der Bürgerstraße. Nur durch den schnellen Einsatz der Berufsfeuerwehr konnte eine weitere Ausbreitung der Flammen auf ein bewohntes Nachbarhaus größtenteils verhindert werden. Den Tätern drohe im Falle einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von nicht unter einem Jahr.

Mehr Autos angezündet

Außerdem wurden laut Statistik der Polizei mehr Autos angezündet, deren Eigentümer studentischen Verbindungen nahestehen und nahestanden, oder von den Tätern vermutlich dem politisch rechtsmotivierten Spektrum zugerechnet wurden. In Reckershausen bei Friedland war in der vergangenen Woche das Dienstfahrzeug eines Mitglieds des als rechtsextrem geltenden „Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen“ in Flammen aufgegangen.

Mehr Körperverletzungen

Seit Herbst 2015 wurden auch diverse Körperverletzungsdelikte und Nötigungen zum Nachteil von Verbindungsstudenten und Sachbeschädigungen an Verbindungshäusern angezeigt

Sachbeschädigungen

Die Sachbeschädigungen wurden teilweise mit Pflastersteinen, „Bengalos“ und durch Farbbeutelwürfe begangen. Die Polizei geht davon aus, dass diese politisch motivierten Taten von Akteuren der linken Szene verübt wurden.

Polizeipräsident apelliert

Polizeipräsident Uwe Lührig appelliert, dass die unterschiedlichen politischen Ansichten in einer Demokratie gewaltlos ausgetragen werden müssen.

„Straftaten, die die körperliche Unversehrtheit, fremdes Eigentum oder gar das Leben von Menschen bedrohen, verurteile ich auf das schärfste. Von Scharmützel kann absolut keine Rede mehr sein, zum Teil wurden Verbrechenstatbestände erfüllt“, sagt Lührig.

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