Hunderte Polizisten und 1500 Gegendemonstranten

Polizei verhinderte Gewaltwelle bei Demo in Göttingen - 70 Ermittlungsverfahren

Göttingen. Viele hundert Polizisten, etwa 1500 Gegendemonstranten 100 Unterstützer des rechten Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen Thügida prägten am Samstag das Bild in Göttingen. Dazu kreiste ständig ein Polizeihubschrauber über der Stadt.

Es kam zu einzelnen Auseinandersetzungen. Dabei erlitten drei Polizisten Verletzungen.

Nach einer Stunde hatten die Teilnehmer der Freundeskreis-Kundgebung genug – scheinbar war alles gesagt: Die etwa 100 Teilnehmer um den Anmeldenden Jens Wilke wurden von Polizisten durch den Bahnhof zum Bahnsteig geleitet, dann stiegen sie in einen Nahverkehrszug. Ein Thügida-Lautsprecherwagen und ein Kleinwagen des Freundeskreises fuhren über die Godehardstraße davon, begleitet von Polizeifahrzeugen.

Die Straße war für den Verkehr abgesperrt. Auch Linke, die sich den Fahrzeugen nähern wollten, wurden durch einen Wall von Einsatzfahrzeugen und Beamten daran gehindert. Draußen auf der mobilen Bühne auf der Berliner Straße spielte das Bläserquartett des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO) derweil Renaissance-Musik.

Später tauchten Freundeskreisler zu einer „Spontankundgebungen“ in Northeim und Friedland auf. Wo sie am Abend auch Antifa-Demonstranten verfolgten. Dabei wurden Rechte von Polizisten gestoppt, festgesetzt und erhielten Platzverweise für Göttingen und Friedland.

Zu den Aktionen in Göttingen hatten mehrere „Bündnisse gegen Rechts“, der Deutsche Gewerkschaftsbund, Parteien und Initiativen aufgerufen. Auf der Bühne traten auch Akteure des Jungen Theaters (JT) drei Musikstücke aus den Känguru-Chroniken gesungen, auch Mitglieder des Deutschen Theaters (DT) traten auf.

„Die Partei“-Unterstützer bastelten quer über die Fahrbahn Berliner Straße aus Hunderten von Pappkartons eine „Mauer der Liebe“. Jede Minute der Freundeskreis-Kundgebung brachte auch wieder einen Spendenbetrag, am Ende eine vierstellige Summe.

Nachdem zunächst alles friedlich verlaufen war – auch der Demonstrationszug mit mehr als 1000 Teilnehmern am Mittag vom Wilhelmsplatz zur Stadthalle, durch die Rote Straße und bis zum Groner Tor – kam es später zu Rangeleien mit der Polizei.

Rechte Kundgebung und Gegendemos in Göttingen: Auseinandersetzungen mit der Polizei

Der mit etwa 100 zum Teil mit vermummten Linken besetzte „Schwarze Block“ versuchte auf dem Bahnhofsvorplatz in das für die Freundeskreis-Kundgebung abgetrennte Areal vorzudringen, was Polizeikräfte verhinderten. Dabei flogen auch Böller und Obst in Richtung der Polizeibeamten. Zuvor waren in der Roten Straße rote Rauchbomben gezündet worden. Auf dem Demo-Zug ging auch ein gebastelter Panzer in Flammen auf.

Die Bilanz der Polizei: 70 Ermittlungsverfahren, 110 Identitätsfeststellungen, 40 erkennungsdienstliche Behandlungen und 200 – auch vorbeugende – Personen-Durchsuchungen, dazu 40 Platzverweise und weitere Eingriffe der Polizei.

Parallel zum Einsatz in Göttingen wurde gegen 15 Uhr von Unbekannten bei Niedernjesa an der Bahnstrecke Göttingen-Friedland ein Brandanschlag auf einen Kabelschacht verübt.

Auswirkungen auf den Zugverkehr hatte das nicht. Es entstand aber ein hoher Sachschaden von mehreren tausend Euro.

Vor dem Bahnhof herrsche unter "normalen" Besuchern zeitweise große Verwirrung - es gab kein Durchkommen durch die Polizeikette, um in den Bahnhof und zu den Zügen zu gelangen. Polizisten wussten zum Teil selber nicht, wo ein Durchlass war. Eine Frau fragte verzweifel: "Wie komme ich denn nun zu meinem Zug? Was soll ich nur tun." Auswirkungen eines Ausnahmezustandes vor dem Bahnhof. (tko/ysr)

Video: Eindrücke von dem Einsatz

Rubriklistenbild: © Rampfel

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