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Ein Riesen-Puzzle mit Pottwal-Knochen: Wal-Skelett kehrt zurück nach Göttingen

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Von: Heidi Niemann

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Das Pottwal-Skelett, dass zurück soll ins Uni-Museum Forum Wissen nach Göttingen.
Pottwal-Skelett soll ins Uni- Museum: 15 Meter lang, 123 Knochen – in einer Lagerhalle in Holtensen wird das Skelett für seine Rückkehr in das Forum Wissen vorbereitet. Der studentische Mitarbeiter Thilo Schulze beim Zusammenbau der Rippen. © Hubert Jelinek

Ein Wal-Skelett kommt „nach Hause“. Die Knochen eines Pottwals sollen 2023 im Atrium des Forum Wissen in Göttingen aufgehängt werden.

Göttingen – 20 Jahre lang war das 15 Meter lange Skelett eines Pottwals die Attraktion der Zoologischen Sammlungen der Uni Göttingen. 2018 musste der Wal aus dem einstigen Zoologischen Museum ausziehen.

Das Gebäude wurde zu dem neuen Forum Wissen umgebaut. Seitdem lagerten die Wal-Knochen in einem Stall der Universität. Jetzt wird das Knochenpuzzle wieder zusammengesetzt – und soll zurückkehren.

Nach Auszug in 2018: Pottwal-Skelett kehrt zurück ins Forum Wissen in Göttingen

Das Forum Wissen ist seit Juni fertig. Folglich soll der Wal wieder einziehen. Der Umzug aber ist aufwändig: Die Experten müssen nicht nur die 123 Wal-Knochen wieder korrekt zusammensetzen. Weil das tonnenschwere Skelett schwebend an einer Decke aufgehängt werden soll, müssen die Teile stabil montiert sein, damit kein Knochen herunterfallen kann.

Die größte Herausforderung ist, dass keine Knochen herunterfallen.

Präparator Carsten Wortmann

Der Umzug sei wegen der Ausmaße des Walskeletts eine Herausforderung, sagt der Leiter Forum Wissen, Professor Christoph Bleidorn. Insgesamt werde die Aktion etwa 100 000 Euro kosten.

Spezial-Badewanne: In einem Container „badete“ der Pottwal-Schädel zur Reinigung.
Spezial-Badewanne: In einem Container „badete“ der Pottwal-Schädel zur Reinigung. © Hubert Jelinek

Das Skelett stammt von einem Pottwal, der im Januar 1998 vor der Halbinsel Nordstrand verendet war. Die Göttinger Wissenschaftler hatten dort den größten der drei gestrandeten Pottwal-Bullen eigenhändig zerlegt und dabei 40 Tonnen Fleisch und Speck vom Skelett abgetrennt. Inzwischen habe sich gezeigt, dass die damalige Reinigungsaktion nicht ausreichend gewesen sei, sagt Präparator Carsten Wortmann.

„Da waren immer noch Restfette drin.“ Das sei deshalb ein Problem, weil das Fett mit der Zeit ranzig werde und dann die Knochen zerstören würde. Um zu verhindern, dass das Skelett ähnlich wie bei einer Osteoporose-Erkrankung porös und brüchig wird, haben die Experten die Wal-Knochen einem Langzeit-Bad unterzogen und sie zwei Jahre lang zum Entfetten in einer speziellen Chemikalienlösung gebadet.

Pottwal-Skelett: Knochen baden zwei Jahre in einer Speziallösung

Für einen Wal-Knochen aber brauchte es eine Riesen-Badewanne: Der fünf Meter lange und 500 Kilo schwere Schädel wurde in einem Container gelagert, der mit 30.000 Liter Wasser gefüllt war. „Jetzt ist alles sauber, und wir können den Wal wieder zusammenbauen“, sagt Wortmann.

Damit die Experten gleich wissen, welche Knochen wohin kommen, waren alle Einzelteile beim Auseinandernehmen des Walskeletts nummeriert und etikettiert worden. So ist der Knochen mit dem Etikett „R 2“ die zweite Rippe auf der rechten Seite, wie Wortmann sagt.

Mächtige Knochen: Präparator Carsten Wortmann zeigt die Brustflosse – Flipper – des Pottwals, der ins Forum Wissen kommt.
Mächtige Knochen: Präparator Carsten Wortmann zeigt die Brustflosse – Flipper – des Pottwals, der ins Forum Wissen kommt. © Hubert Jelinek

Die Montage der Rippen erwies sich als kompliziertes Unterfangen – und das lag nicht nur an der speziellen Anatomie eines Pottwals, sondern auch an den ästhetischen Ansprüchen des Wal-Präparators: „Das Ganze soll ja gut aussehen“, sagt Wortmann.

Deshalb ging es nicht nur darum, die 22 Rippen an die richtige Stelle zu bringen, sodass sie einander synchron gegenüberliegen, sondern sie so zu positionieren, dass das Fehlen der Knorpel an den Ansatzpunkten nicht auffällt. „Wir haben jede Rippe dreimal an- und abgebaut, bis wir zufrieden waren“, sagt Wortmann. „Jetzt haben wir ein ästhetisch ansprechendes Endprodukt.“

Bevor das Skelett im Forum Wissen aufgehängt werden kann, muss es aber noch stabilisiert werden. „Die größte Herausforderung ist, dass keine Knochen herunterfallen“, sagt Wortmann. Eine österreichische Spezialfirma werde in den kommenden Wochen ein Stahlskelett anfertigen. Am Ende sollen alle Knochen auf einer passgenauen Stahlauflage ruhen.

Pottwal-Skelett kommt zurück ins Forum Wissen: „Einzug“ voraussichtlich im Januar 2023

Voraussichtlich im Januar soll das fertig zusammengesetzte „Rippenstück“ des Wal-Skeletts in das Forum Wissen umziehen. Dort sollen nach und nach die Wirbel und sonstigen Knochen montiert werden, ebenso der Schädel und der 160 Kilo schwere Unterkiefer.

Der Schädel ist auch diesmal eine besondere logistische Herausforderung: Als das Walskelett 1999 ins Zoologische Museum kam, musste eine 15 Quadratmeter große Öffnung in die Außenmauer des Gebäudes gebrochen werden, weil der Schädel nicht durch das Treppenhaus passte.

Danach wurde der Koloss mit einem Autokran in den zweiten Stock gehievt. Diesmal kombinieren die Experten den Wal-Transport mit der Behebung eines Baumangels: An der Glasfassade des Atriums, in dem der Wal aufgehängt werden soll, ist eine Scheibe gesprungen und muss ersetzt werden.

Einzug des Pottwal-Skeletts wird zur logistischen Herausforderung

Bei dieser Gelegenheit werde man zwei weitere Scheiben herausnehmen und den Walschädel per Kran durch die Lücke in das Gebäude befördern, erläutert Wortmann.

Ist alles zusammengebaut, dann wird der Wal im Atrium wie in einem großen Wassertank schweben – und Göttingen ist mit dem Pottwal-Skelett wieder um eine Attraktion reicher.

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