INTERVIEW

Präsident Tolan wünscht sich Rückkehr: Uni Göttingen will Präsenz bis 40 Studenten

Porträt Uni-Präsident Metin Tolan.
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Klare Vorstellungen hat Uni-Präsident Metin Tolan für das Wintersemester 2021/22.

Es ist die Frage aller Fragen: Wie geht es weiter im Wintersemester an der Universität Göttingen mit ihren 30.000 Studierenden, die von der Corona-Pandemie betroffen sind?

Göttingen - Es ist die Frage, die wir Uni-Präsident Prof. Metin Tolan zuerst stellten.

Herr Tolan, das wollen alle wissen: Was passiert an der Uni Göttingen im Wintersemester?
Wir streben einen abgesicherten Präsenzbetrieb an, den wir verantworten können. Wir wollen alle Veranstaltungen mit einer Größe von 40 Teilnehmenden hier in Präsenz anbieten, in denen diskutiert wird: Seminare, Tutorien, Übungen. Das wollen wir unseren Studierenden gerne garantieren, und wir werden alles tun, um das zu möglich zu machen.
Was wird getan?
Wir haben mit dem Campus-Covid-Screen die Möglichkeit, eventuelle Infektionsherde sehr schnell zu erkennen. Wir sind im Vergleich zu anderen Hochschulen in der Lage, einen PCR-Test zu machen, die Ergebnisse kommen am selben Tag und ermöglichen uns, sofort zu handeln. Mein Vorgänger Reinhard Jahn hat das hier etabliert, und dafür können wir ihm alle gar nicht dankbar genug sein. Aufgrund dieser gewissen Luxussituation können wir sagen: Ja, diese 40er-Regel können wir aufstellen.
Folglich könnten auch endlich wieder mehr Studenten in die Stadt zurückkommen.
Ja, den Studierenden sagen wir: Liebe Studierende, ziehen Sie wieder zurück nach Göttingen, falls sie weggezogen sind, denn es wird auch etwas am Campus passieren. Nicht garantieren können wir aber auch eine komplette Öffnung aller Mensen, da dort zu viele Menschen zu dicht beieinander sind.
Wie steht es um große Vorlesungen in großen Hörsälen?
Das müssen wir abwarten. Wir bauen gerade weitere Hörsäle um, damit die Live-Übertragung aus dem Raum sichergestellt werden kann. Bei diesen größeren Veranstaltungen könnten wir es dann den Studierenden überlassen, ob sie in den Hörsaal kommen wollen oder nicht. Dabei gilt aber immer der Grundsatz: Zu eng darf es nicht werden.
Was ist mit Geimpften, gibt es Sonderregelungen?
Wir überlegen uns natürlich, ob wir etwas mutiger werden, in dem wir sagen: Geimpfte, Getestete und Genesene lassen wir rein. Das diskutieren wir gerade sehr intensiv und sieht so aus, als würde uns die Landesregierung das wohl auch erlauben. Das würde natürlich bedeuten: Auch größere Veranstaltungen könnten wieder sicher stattfinden. Verbessert haben wir auch die Lüftungsanlagen. Und wir haben einen Vorteil gegenüber Schulen: Unsere Kinder sind erwachsen, wir können Veränderungen leichter umsetzen.
Wird es weiter Impfaktionen für Studierende geben, wie zurzeit in der Mensa am Turm?
Ja. Das ganze Konzept der Uni basiert darauf, dass wir auch jedem Studierenden bis zum Semesterbeginn ein Impfangebot gemacht haben. Das ist die Bedingung, die hinter allem steckt. Wäre das nicht gewährleistet, würden wir ja Menschen ausschließen. Aber wenn jeder und jede selbst die Entscheidung zum Impfen oder nicht treffen kann, dann können wir danach handeln. Man hat mir übrigens von höchster Stelle signalisiert, dass wir als Uni ruhig etwas mutiger sein dürfen. Und wir werden dann mutiger sein. Auch, weil wir den abgesicherten Betrieb durch eigene Testungen haben. Wir appellieren auch trotz Impfung weiter an alle, die Tests anzunehmen. So würden Fälle aufgedeckt, in denen Menschen sich das Virus trotz Impfung eingefangen haben, sie möglicherweise ohne Symptome Überträger sind. Unser Testzentrum wird in der vorlesungsfreien Zeit etwas heruntergefahren und zum Semester wieder voll hochfahren oder gar erweitert.

Zur Person

Prof. Dr. Metin Tolan (56), geboren in Oldenburg in Holstein, Sohn einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters, studierte in Kiel Physik und Mathematik.

Er promovierte im Bereich Röntgenstreuung, forschte in den USA und habilitierte in Kiel. 2001 übernahm er den Lehrstuhl „Experimentelle Physik 1“ an der TU Dortmund. Bekannt ist Tolan auch als Wissenschaftskabarettist und Buchautor zur Physik der Star Trek- und James-Bond-Filme. Er betrachtete die Berechenbarkeit und Physik des Fußballspiels („Manchmal gewinnt der Bessere“) . So erhielt Metin Tolan 2013 auch den CommunicatorPreis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Seit 1. April ist er Präsident der Georg-August-Universität Göttingen. (Thomas Kopietz)

(Thomas Kopietz)

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