Uni-Medizin und -Sportinstitut-Projekt

Preisgekrönter Sport für krebskranke Kinder: Selbstbewusstsein und Kraft gibt es umsonst

Freude an Bewegungsspielen: Junge Patienten der Kinderkrebsstation der Universitätsmedizin Göttingen haben Spaß beim Sportangebot „Luftsprung“ mit der Therapeutin.
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Freude an Bewegungsspielen: Junge Patienten der Kinderkrebsstation an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben Spaß mit der Therapeutin beim Sportangebot „Luftsprung“.

Sport und Bewegung machen selbstbewusst – ob im Hochleistungs- und Breiten- oder Präventions- und Rehabilitationssport. Das spüren auch die Kinder im Göttinger Sportprojekt „Luftsprung“.

Göttingen - Die leidgeprüften Kinder finden mit „Luftsprung“ nach einer Krebserkrankung und unter Anleitung der Experten von Uni-Medizin Göttingen (UMG) sowie Institut für Sportwissenschaften (IfS) zurück zur körperlichen Belastung und neuem Selbstbewusstsein.

„Luftsprung“ gibt es seit 2015 und beinhaltet ein wöchentliches, individuell abgestimmtes und bunt gemixtes Sport- und Bewegungsangebot für Kinder und Jugendliche, die an Krebs erkrankt sind oder die sich in der Nachsorge befinden. Das Gute: Auch Geschwisterkinder und Freunde können daran teilnehmen. Die „Luftsprünge“ sind kostenlos, weil durch Spenden finanziert. Das Unglaubliche: Sporttherapie in der pädiatrischen Onkologie, also der Kinderkrebsbehandlung, ist (immer) noch nicht in der Regelversorgung der Krankenkassen etabliert, wird also nicht von den Kassen bezahlt.

Dabei ist das Training enorm wichtig, denn die krebskranken Kinder und Jugendlichen haben durch die oft lange und kräftezehrende Akutbehandlung viel von ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit, den konditionellen Fähigkeiten wie Kraft und Ausdauer verloren.

Inhaltlich setzt „Luftsprung“ genau dort an: Über einzeln auf die Sportler abgestimmten Übungen, sollen sie körperlich langsam Fortschritte machen – und auch wieder an Selbstvertrauen gewinnen: Es geht darum, Körper und Seele aufzubauen.

Denn auch die Seele leidet: Haarverlust durch Chemo-Therapie, dauernde Übelkeit, Erschöpfungszustände – all das nagt am Selbstbewusstsein, am Zutrauen, etwas Sportliches auszuprobieren. Und das kann bereits am Krankenbett beginnen, wo auch Bewegungsspiele mit einem Luftballon im Liegen und Sitzen möglich sind. Sporttherapie geht sogar mit dem Infusionsständer im Schlepptau. All das kann helfen, die Therapie durchzustehen.

„Die Krebstherapie ist immer noch mit vielen Nebenwirkungen verbunden. Durch die oftmals lange und kräftezehrende Therapie sind sie häufig bettlägerig und fühlen sich abgeschottet von Familie und Freunden“, beschreibt Prof. Christof Kramm, Leiter der Abteilung für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie an der Kinder- und Jugendmedizin der UMG.

Seit 2018 wird das psycho-motorische Sportprogramm „Luftsprung“ auch wissenschaftlich begleitet – durch die Sporttherapeutin und Sportwissenschaftlerin Kyra Druivenga. Die Kinder lernen, wie sie ihren Körper wieder neu belasten können, sagt Druivenga. „Unser Ziel ist es, den Kindern zu zeigen, dass sie sich wieder etwas zutrauen können und etwas wagen. Das Erlebnis, Bewegungen zu erlernen schafft Selbstvertrauen. . „Aber auch der Kontakt zu anderen Kindern hilft ungemein, ein Stück normalen Alltag wiederherzustellen“, sagt Kyra Druivenga.

Wer so viel Gutes berichten kann, der darf auch ausgezeichnet werden. So kam es jetzt: Das Sportprojekt „Luftsprung“ für krebskranke Kinder erhält den Förderpreis 2020 der Niedersächsischen Krebsgesellschaft. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert und wurde am Dienstag in Hannover überreicht, an die Initiatoren des Projekts Prof. Christof Kramm, Prof. Ina Hunger (Institut für Sportwissenschaften der Uni Göttingen) und Kyra Druivenga. (Thomas Kopietz)

Spendenkonto Projekt „Luftsprung“, Uni-Medizin Göttingen, IBAN: DE98 2605 0001 0000 0014 20, BIC: NOLADE21GOE, Kennwort: Spende Luftsprung

Preisträger: (von links) Prof. Dr. Christoph Kramm, Prof. Dr. Ina Hunger, Kyra Druivenga und Dr. Peter N. Meier (Vorsitzender Niedersächsische Krebsgesellschaft).

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