Preise für Helden des Alltags

Göttinger Zivilcouragepreis ging an „Kuddel“ Holz und andere mutige Menschen

Helden des Alltags: Die Preisträger des Göttinger Zivilcourage-Preises 2015, in der Mitte Karl Heinz „Kuddel“ Holz (mit Brille), der den ersten Preis erhielt. Foto: Niesen

Göttingen. Helden des Alltags: Der Göttinger Zivilcouragepreis 2015 geht an Karl Heinz „Kuddel“ Holz. Die Preisträgerin des Vorjahres, Flora Busche, übergab ihn an den 72-Jährigen in einer Feierstunde im Alten Rathaus.

Der frühere Seemann und Krankenpfleger arbeitet seit Jahren ehrenamtlich beim Mittagstisch St. Michael als Koch und „Mädchen für alles“. Bei einem Streit zwischen einer Frau und einem Mann am Ersten Weihnachtstag 2014 ging er dazwischen, als er sah, dass sich die Frau auf den Mann stürzte, während dieser ein Messer zückte. Beim Wegreißen der Frau fiel er unglücklich auf die Spitze eines Tischs. Dabei zog er sich einen komplizierten Wirbelbruch zu, in Folge dessen er neun Operationen über sich ergehen lassen musste. Während seiner langen Genesungsphase hielten ihn zwei großes Ziele aufrecht: Er wollte wieder bei St. Michael kochen und als leidenschaftlicher Radfahrer an der „Tour d’Energie“ teilnehmen.

Den zweiten Preis erhielt die Facebook-Gruppe „Flüchtlingshilfe Landkreis Göttingen“, die von Ralf Friedrichs (Adelebsen) und Susanne Brodkorb (Hardegsen) gegründet wurde und inzwischen 4000 Mitglieder zählt. Sie beschaffen vom Kopfkissen bis zum Hochbett alle Dinge, die für die Flüchtlings-Unterbringung benötigt werden, kümmern sich aber auch direkt um die Menschen.

Ebenfalls einen zweiten Preis bekamen die drei Fußballer Thomas Marschler, Andreas Scheele und Christian Bornmann. Sie retteten ihrem Sportfreund Sebastian Bierwag (26) mit konsequenter Herzdruckmassage das Leben, nachdem er bei einem Spiel in der Soccer Arena plötzlich zusammengebrochen war. Der Notarzt stellte später bei ihm später einen Herzinfarkt fest.

Einen Sonderpreis erhielt Carsten Bromm. Der 52-Jährige räumt seit 16 Jahren am Rosdorfer Kiesteich Müll auf. Manchmal kommt er sogar nachts vorbei, um die Reste von Strandpartys zu beseitigen. Er hat schon 4500 Gelbe Säcke in einem von einem Kiesunternehmen bereitgestellten Container entsorgt. Bromm: „Das Aufheben von Müll sollte für jeden eine Selbstverständlichkeit sein.“

Außerdem wurden Kersten Riechel und Krischan Jodies gewürdigt. Riechel nutzt das Schreiben von Gedichten, nicht nur um persönliche Gewalterfahrungen zu verarbeiten sondern auch um Betroffenen und Angehörigen zu helfen. Sie hat gezeigt wie man schlimmste Erfahrungen ausdrückt und Wege findet, mit dem Leben fertig zu werden.

Jodies hat als Initiator der Freifunk-Initiative des Chaos Computer Clubs Göttingen dafür gesorgt, dass Flüchtlinge in Heimen meist innerhalb weniger Stunden einen anonymen, unzensierten und kostenlosen Internet-Zugang erhalten.

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