Förderpreis Primatenzentrum

Preisgekrönte Forscherin: Affen sprechen mit Gesten

Feldstudien: Dr. Marlen Fröhlich untersuchte das Verhalten von Schimpansen im Kibale-Nationalpark. Foto: Patrick Schiller/nh

Göttingen. Ähnlich wie wir Menschen verständigen sich Menschenaffen mit Gesten und setzen sie im sozialen Miteinander ein. Das hat die Affenforscherin Dr. Marlen Fröhlich erkannt.

Die Gesten als Mittel der Kommunikation sind dabei nicht angeboren, sondern werden erlernt, entstehen im sozialen Zusammenleben.

Das hat Marlen Fröhlich, Verhaltensforscherin am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen, in ihrer Doktorarbeit herausgefunden und dafür den Förderpreis des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) – Leibniz-Institut für Primatenforschung gewonnen. Die jetzt im DPZ Göttingen überreichte Auszeichnung ist mit einem sechsmonatigen Stipendium an einem Forschungsinstitut und 1000 Euro Preisgeld verbunden.

Für ihre Untersuchung beobachtete Marlen Fröhlich (30) das Verhalten zweier Schimpansen-Unterarten in Uganda sowie der Elfenbeinküste und analysierte Daten zweier Bonobo-Gruppen in der Demokratischen Republik Kongo. Der Schwerpunkt der Arbeit lag auf gestischen Interaktionen und Komplexität zwischen Mutter und Kind sowie dem Einfluss anderer Sozialpartner.

Ergebnis: Beide Menschenaffen-Arten sind in der Lage kooperativ zu kommunizieren, ihre Kommunikationsstile unterscheiden sich jedoch grundlegend. Für Bonobos spielt das Blickverhalten eine größere Rolle und sie reagieren auf Signale schneller als Schimpansen. Schimpansen verwenden dagegen klarer unterscheidbare Kommunikationselemente und verbringen mehr Zeit mit Verhandlungen.

Verständigen sich mit Gesten: Schimpansen (Pan troglodytes) im Kibale-Nationalpark in Uganda. Foto: Marlen Fröhlich/nh

Außerdem fand die Verhaltensforscherin bei der Beobachtung junger Schimpansen heraus, dass sich deren soziale Interaktionen auf die verwendeten Gesten auswirken. Schimpansen stimmen ihre Gestik auf Eigenschaften des jeweiligen Interaktionspartners ab: der Altersunterschied und die Beziehung zueinander beeinflussen die gestische Kommunikation.

Fröhlich schlussfolgerte, dass die Verwendung von Gesten nicht genetisch vorgeprägt, sondern hauptsächlich erlernt und im Rahmen sozialer Interaktionen geformt wird. Die kommunikative Entwicklung von Schimpansenkindern beruhe dabei nicht nur auf der Beziehung mit der Mutter, sondern werde auch entscheidend durch andere Sozialpartnern in der Gruppe beeinflusst.

Fröhlichs exzellente Arbeit trage dazu bei, auch die Evolution der menschlichen Kommunikation besser zu verstehen, begründete der Wissenschaftliche Beirat des DPZ seine Wahl.

„Ich freue mich sehr über die Auszeichnung“, so Marlen Fröhlich. Das Stipendium werde sie nutzen, um ihr Postdoktoranden-Projekt zur Kommunikation bei frei- und zoolebenden Orang-Utans einzuleiten. „Mit dem Geld kann ich eine neue Videokamera für die geplanten Feldbeobachtungen auf Borneo und Sumatra kaufen.“

Der DPZ-Förderpreis ist einer der höchstdotierten Preise für Nachwuchswissenschaftler in Deutschland. (zsh/tko/nh)

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