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Preisgekröntes Geschäft: Buch-Kunst im Herzen Göttingens

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Von: Thomas Kopietz

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Im Göttinger Künstlerhaus: Die Eulenspiegel-Buchhandlung an der Prinzenstraße hat ihre Wurzeln in Osterode. 2022 wurde sie als Buchhandlung des Jahres ausgezeichnet. Reiner Grabe führt sie seit 1979.
Im Göttinger Künstlerhaus: Die Eulenspiegel-Buchhandlung an der Prinzenstraße hat ihre Wurzeln in Osterode. 2022 wurde sie als Buchhandlung des Jahres ausgezeichnet. Reiner Grabe führt sie seit 1979. © Thomas Kopietz

Die Göttinger Eulenspiel-Buchhandlung ist jetzt preisgekrönt – mit dem Deutschen Buchhandlungspreis. Das Geschäft ist ein Kulturdienstleister.

Göttingen – Das 45-Jährige steht bevor. Die Eulenspiegel-Buchhandlung gibt es seit 1979 in Göttingen. Das klingt zunächst gar nicht so außergewöhnlich, aber die Geschichte zur Geschichte des Buchladens samt Inhaber Reiner Grabe ist mehr als das. Sie erzählt von einer weit zurückreichende Tradition, der Liebe zum Beruf sowie für die Kunst, Kulturen und Menschen.

Nachhaltig den Erhalt sichern

Sie erzählt aber auch, wie Kreativität im richtigen Moment nachhaltig den Erhalt sichern kann. Jetzt gab es einen Preis für die nun „hervorragende“ Eulenspiegel-Buchhandlung.

Die ist viel mehr als ein Ort zum Bücherkaufen an der von viel Laufpublikum frequentierten Prinzenstraße/Gotmarstraße im Herzen der Altstadt. Im Schaufenster hängt der Kalender „Traumpfade“. Auch der Blick in den Laden verrät: Hier finden Menschen mit Interesse für Spiritualität, Gesundheit, Ökologie und ganzheitlichem Leben Bücher und Assecoires – ob handschmeichelnde Edelsteine, Schmuck, Kartensets, Spiele, Meditationskissen oder gar Klangschalen aus Nepal. In der Vorweihnachtszeit kommen „viele Kunden, um kleine und größere Geschenke zu kaufen: Die gibt es hier, genauso wie populäre Belletristik“, sagt Reiner Grabe, der als Ethnologe einst auch von seinen Reisen Ideen mitbrachte.

Buchhandlung: Inhaber Grabe mit breitem Interesse

Mit diesem Sortiment war der mit einem breiten Interesse ausgestattete Grabe – er studierte „viele Fächer“, wie er sagt – fixer als die großen Buchläden wie Thalia, die erfolgreich auf den Mix zwischen Büchern und Geschenkartikeln setzen.

„Das hat auch das Fortbestehen gesichert“, bilanziert Grabe, der eigentlich mit dem mutigen wie weitsichtigen Schwerpunkt Kunstbücher in Göttingen gestartet war, damals 1979 noch am Ritterplan. Eigentlich wollte er seinen Buchladen nach dem Göttinger Universalgelehrten Lichtenberg benennen. Es wurde aber Eulenspiegel als Namensgeber. „Eulenspiegel hat mehr Breite“, so Grabe. Denn Till Eulenspiegel, der schon 1510 sein „Volksbuch“ veröffentlichte, das die Germanistik als Prosa-Werk einstuft. Darin geht es um die Eskapaden des schalkhaften Eulenspiegel, der sich dumm gab, aber gerissen-intelligent war.

Wandel im Laufe der Zeit

Keine Frage, das findet Reiner Grabe sympathisch. Sein Laden aber hat sich natürlich im Laufe der Zeit gewandelt. Denn das Segment Kunstbuch in den vergangenen Jahren stark eingebrochen, auch, weil die Klientel dafür kleiner geworden ist. „Früher waren die Ärzte, Professoren und Anwälte generell stärker an Kunst interessiert, kauften gerne Kunstbücher. Das hat sich geändert“, sagt Grabe. Die Gründe kennt er nicht. „Wohl eine Zeiterscheinung“, vermutet der Buchhändler, der mit 79 Jahren noch täglich im „Eulenspiegel“ ist, wo er drei feste Mitarbeiter und Aushilfen beschäftigt. Letztere sind oft Studierende. „Sie sprechen die Sprache der jungen Kunden“, nennt Grabe einen Vorteil. Junge Kunden kommen zahlreich, auch, weil bei diesen das Interesse für das Themenspektrum Esoterik und Gesundheit vorhanden sei.

In Göttingen hat Reiner Grabe als Student und Kaufmann viel erlebt: die wilden 70er- und 80er-Jahre mit vielen, nicht immer friedlichen Demos; auch, dass alt eingesessene, inhabergeführte Buchhandlungen wie Peppmüller und Deuerlich schlossen. „Wir haben in Göttingen aber noch eine hohe Buchladen-Dichte“, freut sich Grabe, dem der Beruf in die Wiege gelegt wurde, er wuchs quasi in einem Buchladen auf.

Lange Familientradition im Buchhandel

Die Geschichte der „Eulenspiegel-Buchhandlung“ und seiner Buchhändler-Familie reicht zurück bis 1831 und nach Osterode. Dort eröffnete August Sorge die „A.Sorgesche Buchhandlung“ , die bis 1997 dort am Standort blieb.

Schon 1931 geehrt: Damals erhielt Reiner Grabes Großvater Hans Schaeffer eine prächtige Urkunde für das 100-jährige Bestehen der A.Sorgschen Buchhandlung in Osterode.
Schon 1931 geehrt: Damals erhielt Reiner Grabes Großvater Hans Schaeffer eine prächtige Urkunde für das 100-jährige Bestehen der A.Sorgschen Buchhandlung in Osterode. © Thomas Kopietz

1911 hatte Grabes Großvater diese übernommen. Der Enkel tat es ihm gleich und eröffnete 1979 die Zweigstelle in Göttingen. 1987 zog er aus dem Ritterplan in die Theaterstraße und später ins Künstlerhaus an der Prinzenstraße. „Ein guter Standort, der viel Laufkundschaft neben den Stammkunden in den Laden bringt.“ Bei der Beratung setzt Grabe auf Qualität, dafür steht sein „tolles Team“ mit den Buchhändlern Eike Krebs, Stefan Pfister und Mia Wilkinson.

Auszeichnung vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Jetzt würdigte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels das Engagement mit dem Deutschen Buchhandlungspreis, 7000 Euro Preisgeld und einer Urkunde. Diese aber kann mit jener des selben Börsenvereins aus dem Jahr 1931 nicht mithalten: Kunstvoll und repräsentativ ist die, die Hans Schaeffer, Grabes Großvater, 1931 zum hundertjährigen Bestehen in Osterode erhalten hat. „Das ist noch eine Urkunde“, sagt der Nachfolger, der sie in den Geschäftsräumen stehen hat.

Dass er noch mit 79 ein Geschäft führt und täglich, wenn auch erst ab Nachmittag, mit Freude im Laden steht, dafür hat Grabe ein Rezept: „Man muss Begeisterung für den Beruf haben – und offen für Neues sein.“

Ehrung für Engagement als Kulturdienstleister

Die Auszeichnung übrigens gab es für das langjährige Engagement als Kulturdienstleister – eine überaus treffende Begründung. (Thomas Kopietz)

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