Schrauben für das Seelenheil

Premiere für das Reparaturcafé der Göttinger Tafel

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Konzentriert: Rentner Volkhard Rahmel repariert einen Türöffner bei der Premiere des Reparaturcafés der Göttinger Tafel.

Göttingen. Was mache ich, wenn mein Wasserkocher streikt und ich kein Geld für die Reparatur habe – von einem Neukauf ganz zu schweigen? Die Tafel Göttingen hat sich etwas einfallen lassen: Seit dieser Woche wird es jeden dritten Dienstag im Monat ein Reparaturcafé im Café Mauerblümchen in der Innenstadt geben.

Reparaturcafés gibt es in Göttingen bereits, aber eben keines in der Innenstadt. Jeder kann kleine Elektrogeräte, Spielzeug oder Kleinmöbel mitbringen. Erfahrene Reparateure versuchen diese dann wieder in Stand zu setzen. „Das Prinzip ist, dass man das Gerät nicht einfach abgibt, sondern dass die Leute selbst mithelfen oder zumindest über die Schulter schauen“, erklärt Martina May, Leiterin der Tafel.

Das Reparaturcafé ist Teil des Projekts „HeimatTafel“, in der es um soziale Teilhabe von finanziell schlecht gestellten Menschen geht. Dieses Projekt wird vom Bundeslandwirtschaftsministerium bis zum 31. Dezember 2018 mit knapp 15 000 Euro gefördert. Das Reparaturcafé soll als „festes und öffentliches Projekt“ (May) auch darüber hinaus Bestand haben. Dabei geht es nicht nur um die Reparatur von Gegenständen, wie sie betont: „Auch die Seele soll ein bisschen repariert werden. Wir haben ganz viele Ideen. Das kann sich noch erweitern.“

Möglich gemacht wird die Reparatur-Hilfe, die ausdrücklich nicht nur von Tafel-Kunden genutzt werden kann, durch die ehrenamtlichen Reparateure.

Bei der Premiere am Dienstag waren Volkhard Rahmel, Henning Schöler und Ben Schindewolf dabei. Rentner Rahmel, der über 40 Jahre lang als Elektriker gearbeitet hat, ist da „weil es mir Freude macht, den Leuten zu helfen.“ Seine Lieblingsbeschäftigung ist übrigens die Reparatur Nähmaschinen. „Ich weiß, wie Nähmaschinen ticken. Und wenn nicht, frage ich das Internet“, sagt Rahmel, dem das Strahlen der Leute Lohn genug für seine Hilfe ist.

Im Gegensatz zu Rahmel, der auch für die anderen Reparaturcafés in Göttingen tätig ist, war es für Schindewolf am Dienstag das erste Mal. Der gelernte Industrie-Kaufmann, der lange auf dem Bau gearbeitet hat, sieht die neue Aufgabe als eine Art Leidenschaft und eine „schöne Abwechslung“. Der technisch versierte Hausmeister-Sohn repariert in seiner Freizeit auch schon mal das ein oder andere Auto aus dem Familienkreis.

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