Spielzeiteröffnung

Premiere im Deutschen Theater in Göttingen: „Der Schimmelreiter“ prescht voran

Szenenbild aus „Der Schimmelreiter“: (von links) Nathalie Thiede, Gabriel von Berlepsch, Bettina Grahs, Lukas Beeler und Gerd Zinck.
+
Szenenbild aus „Der Schimmelreiter“: (von links) Nathalie Thiede, Gabriel von Berlepsch, Bettina Grahs, Lukas Beeler und Gerd Zinck.

Mit der Premiere „Der Schimmelreiter“ nach der Novelle von Theodor Storm hat das Deutsche Theater Göttingen die Spielzeit eröffnet.

Göttingen – Begeisterten Applaus spendete das Publikum nach knapp zwei Stunden im ausverkauften DT-2 für die Bühnenfassung von Regisseur Daniel Foerster und Dramaturgin Mona Rieken.

Das Meer tobt. Über der Wellenbewegung – in Projektion - schwebt das Wort „Geister“ (Bühne und Kostüme plakativ: Miriam Haas). Mit Handlaterne tritt eine Frau auf (intensiv: Bettina Grahs). Mit der Erzählung wird sie in den Tod gehen, das bekennt sie in ihren ersten Worten und beginnt, Hauke Hainens Geschichte zu erzählen.

Der Sohn eines Kleinbauern und Landvermessers (durchaus zielbewusst: Lukas Beeler) ist zum Entsetzen der anderen auf dem Deich. Und schon jetzt wird klar: Er will Deichgraf werden. Mit der Hilfe der Tochter des Deichgrafen, Elke (klar: Nathalie Thiede), soll ihm das gelingen.

Sein größter Widersacher ist Ole Peters (herrlich fies: Gabriel von Berlepsch). Der arbeitet als Großknecht beim Deichgrafen. Hier heuert auch Hauke als Knecht an und macht sich Ole schnell zum Feind, erst recht, als er ihn schließlich aussticht. Die alte Trien Jans (wie Vater und Jewe: Nathalie Thiede) mag ihn nicht, weil er ihre Katze tötet. Als er ein dürres Pferd (mit großem Pferdekopf, auch Wienke: Bettina Grahs) nach Hause bringt und fast gleichzeitig ein Pferdeskelett verschwindet, gibt er den Gerüchten über ihn Nahrung, genauso mit seiner einsamen Entscheidung, im Deich kein Tieropfer zu begraben.

Trotz allem Misstrauen – ihm gelingt es, sein Projekt zur Erneuerung des Deiches zumindest in Teilen durchzusetzen.

Eine große Leistung der Darsteller ist es, mit wenigen Handgriffen auf der Bühne in eine neue Rolle zu schlüpfen. Nur Lukas Beeler spielt allein Hauke. Gerd Zinck glänzt Manners und sorgt im Quartett der vielen Nebenrollen in den Dorfszenen für Verstärkung.

In der Inszenierung von Daniel Foerster wird die Geschichte überhöht erzählt. Das Boßelturnier, in dem Hauke sich beweist, wird zum Bewegungsballett wie aus dem Comic. Und Klatsch und Tratsch über Neues im Dorf lassen sich am besten im Badeanzug spinnen. Durch die Überhöhung schafft Foerster Distanz, der Zuschauer hält das Erschreckende auf Abstand und kann sich öffnen für Parallelen von heute.

Eins macht die Inszenierung drastisch klar: Es gibt keinen Schutz vor Naturgewalten. Hauke Hainen tut, was er kann. Doch dass der Deich bricht, kann er nicht verhindern. Auch die jüngsten Hochwasserkatastrophen haben die Menschen nicht abwenden können. Wie die Menschen in Theodor Storms Novelle müssen sie nun mit den Folgen leben.

Die nächste Vorstellung ist am 5. Oktober um 20 Uhr im DT-2. Weitere Termine finden sich hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.