Inszenierung „Geschlossene Gesellschaft“

Premiere im Göttinger Theater im OP: In der Zwangsgemeinschaft

Premiere von „Geschlossene Gesellschaft“ im Theater im OP: In dieser Szene stehen Jonas Salm als „Garcin“ und Hannah Fecht als „Estelle“ gegenüber.
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Premiere von „Geschlossene Gesellschaft“ im Theater im OP: In dieser Szene stehen Jonas Salm als „Garcin“ und Hannah Fecht als „Estelle“ gegenüber.

„Die Hölle, das sind die anderen.“ – Die tiefe Wahrheit dieses Satzes bekamen das Premierenpublikum im Theater im OP (ThOP) bei der Premiere „Geschlossene Gesellschaft“ des französischen Dramatikers Jean Paul Sartre förmlich zu spüren.

Göttingen – Mit Claire Seibt als der höllischem Kellner, Jonas Salm als Garcin, Pauline König als Inès und Hannah Fecht als Estelle ist Regisseur Cédric Frein ein packender Abend gelungen.

Es ist ein warm-schwüler Sommerabend. Eigentlich nichts, um drinnen zu sitzen. Trotzdem ist die Premiere im ThOP ausverkauft. Wegen der aktuell geltenden Hygienebestimmungen kann das Universitäts-Theater nur 30 Plätze belegen. Regisseur Frein erläutert die Hygiene-Maßnahmen und betont, wie froh das Team sei, endlich wieder auftreten zu dürfen. Bei dem was folgt, zeigt es das überzeugend.

In charakterisierenden Kleidern (Kostüm: Orthey Stoll) kommen der Journalist Garcin, die Postangestellte Inès und die Pariserin Estelle im neuen Zustand als Verstorbene an. Mit Folterinstrumenten haben sie gerechnet, als sie einer nach dem anderen das Zimmer betreten. Doch die Folter ist subtiler. Sie beginnt damit, dass die, die in der Hölle schmachten, weder Zahnbürste noch Spiegel bekommen. So können sie sich nur noch in den Augen eines anderen erkennen. Für Estelle stellt sich die lesbische Inès gern als Spiegel zur Verfügung. Mit aller Macht bemüht sich diese, die andere Frau für sich zu gewinnen. Doch Estelle steht auf Männer und will Garcin. Der versucht zunächst als Schutz für alle, klare Spielregeln auszuhandeln. Doch nicht einmal er kann die Regeln einhalten.

Weder Fenster noch Tür erlauben den Eingeschlossenen Ausblicke aus ihrer überhitzten Bleibe, die allein mit drei Sofas ausgestattet ist. Bei elektrischem Licht gibt es für sie nicht Tag noch Nacht, ohne Schlaf haben sie keine Erholungsphasen

Nicht einkalkuliert haben die drei zudem den Fakt, dass jeder aus der Zwangsgemeinschaft die anderen viel besser quälen kann, als es ein Folterknecht vermöchte. Im Tod sind sie einander ausgeliefert.

Die größte Pein: Sie bohren im Leben von jedem, bis er sich zu erkennen geben muss. Nach und nach wird so offenbar, was die drei in ihrem Leben verbrachen. Mit dem beständigen Wühlen in ihren Vergehen quälen sie einander ohne Ende. Ablenkung versprechen sich Garcin und Estelle von der körperlichen Liebe. Werden sie es wagen vor den Augen einer Dritten? Inès, die Estelle gern für sich haben will, tut alles dafür, sie zu stören. Dann geht die Tür auf. Bietet sich ein Ausweg?

Nach knapp zwei Stunden spenden die Zuschauer langen Applaus mit begeisterten Rufen als Lohn für ihre großartige Leistung.

Viele Vorstellungen sind bereits ausreserviert, Restkarten gibt es an der Abendkasse. Freie Plätze gibt es noch am 6. August. Weitere Informationen gibt es im Internet. Weitere Infos gibt es hier. (Ute Lawrenz)

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