Mizzi Meyer"s „Tatortreiniger“

Premiere im Jungen Theater Göttingen: „Schotty“ putzt die Reste der Gesellschaft weg

Zwei Schauspieler, Jan Reinartz und Jens Tramsen, sitzen auf einer Bühne.
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Schluss mit lustig: Tatortreiniger Schotty (Jens Tramsen, rechts) philosophiert bei einem seiner Jobs mit einem Berufs-Clown über das Leben.

Heiko „Schotty“ Schotte reinigt Orte, vor denen es anderen Menschen gruselt. „Der Tatortreiniger“ von Mizzi Meyer feiert am Freitag, 17. Dezember, Premiere im Jungen Theater Göttingen.

Göttingen – Wer kennt ihn nicht, den etwas prollig wirkenden Malocher Heiko Schotte, genannt Schotty, dessen Arbeit dort anfängt, wo andere sich vor Entsetzen übergeben? Die erfolgreiche und beliebte Kult-Serie „Der Tatortreiniger“ von Autorin Mizzi Meyer kommt nun auf die Bühne: Am Freitag, 17, Dezember, feiert die Inszenierung von Markus Fennert um 20 Uhr Premiere im Jungen Theater (JT) Göttingen.

Den Vorschlag, die TV-Serie ins Junge Theater zu bringen, kam von Ensemble-Mitglied Agnes Giese, wie Dramaturgin Isabelle Küster im Gespräch verriet. Das Tolle an der Serie: Sie lasse Klischees auftauchen, bediene sie aber nicht, so Küster, die sich vorher kaum mit der TV-Serie auseinander gesetzt hatte.

Mizzi Meyer‘s „Der Tatortreiniger“ im JT: Jan Reinartz, Agnes Giese und Jens Tramsen (hintere Reihe) mit Dramaturgin Isabelle Küster und Regisseur Markus Fennert.

Auch für Regisseur Markus Fennert war es eine spannende Aufgabe, die Serie auf die Bühne zu bringen. Die Texte sind die des originalen Drehbuchs, es gebe keine spezielle Theaterfassung, so Fennert. Die Zuschauer können sich also auf die gewohnt schlagfertigen und lustigen Dialoge aus der Fernsehserie freuen.

Und auch, wenn Schauspieler Bjarne Mädel die Rolle des Schotty sehr treffend verkörpert, sei das kein Nachteil. „Man merkt den Texten an, dass sie nicht für einen speziellen Schauspieler geschrieben sind“, erklärt der Regisseur. Vielmehr könne jeder sich die Rolle „erspielen“. In diesem Fall übernimmt JT-Ensemble-Mitglied Jens Tramsen die Rolle des „Tatortreinigers“, ihm zur Seite stehen seine Schauspiel-Kollegen Agnes Giese und Jan Reinartz.

Die vier Folgen, die Fennert und Küster für die Inszenierung ausgewählt haben, spiegeln aktuelle Themen der Gesellschaft wieder. Natürlich spielten auch persönliche Interessen eine Rolle bei der Auswahl. „Außerdem schaut man sich die Stadt an, in der das Stück gezeigt wird und es ist auch wichtig, welche Schauspieler involviert sind. Das muss ebenfalls passen“, erklärt Markus Fennert.

Die Zuschauer dürfen sich während der gut zwei Stunden auf die Folgen „Fleischfresser“, Geschmackssache“, „Schluss mit lustig“ und „Der Fluch“ freuen. Jede Folge ist in sich abgeschlossen, insgesamt dauert die Inszenierung gut zwei Stunden.

„Es gibt kaum noch proletarische Arbeiterhelden am Theater. Heiko Schotte ist noch so ein klassischer Malocher, der im wahrsten Sinne die Reste der Gesellschaft wegmacht“, freut sich auch JT-Intendant Nico Dietrich auf das neue Stück.

Der Tatortreiniger: Theaterautorin Ingrid Lausund ist Mizzi Meyer

Hinter dem Pseudonym „Mizzi Meyer„ steckt niemand Geringeres als Ingrid Lausund. Die ehemalige Hausautorin und Regisseurin im Deutschen Schauspielhaus Hamburg ist für ihre „Tatortreiniger“-Drehbücher bereits mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem zweimal mit dem Grimme-Preis.

„Die Szenen beim Tatortreiniger sind immer wieder das ganz klassische Kammerspiel. Man hat eine Szenerie, die im Vordergrund steht und nur wenig handelnde Personen, meistens nicht mehr als drei“, so Nico Dietrich.

Auch Regisseur Fennert ist von der Art der Texte und des Drehbuchs begeistert: „Die Diskurse finden ganz ohne Hass und frei von Zynismus statt.“ Lausund schaffe es, Komik und Tragik treffend auf den Punkt zu bringen und treffe dabei die Sprache derer, die „in unserer Gesellschaft den Karren ziehen.“

Der Tatortreiniger: 2G, weitere Vorstellungen und Tickets

Ab sofort gilt bei allen Veranstaltungen im Jungen Theater wieder die 2G-Regelung. Zutritt nur für Geimpfte oder Genesene. Im gesamten Haus muss eine FFP 2-Maske getragen werden, diese darf am Platz abgenommen werden.

Die Premiere am Freitag, 17. Dezember, ist bereits ausverkauft. Weitere Vorstellungen gibt es am 18., 20., 21., 22., 28. und 29. Dezember; am 13., 14., 15. und 27. Januar sowie am 3., 12. und 17. Februar. Tickets gibt es im Internet unter junges-theater.de. (Melanie Zimmermann)

In der neuesten Folge des HNA-Podcasts „Mensch, Kassel“ geht es ebenfalls um das Thema: Tatortreiniger Rochen Radtke ist zu Gast. Er berichtet, ob die Serie mit Bjarne Mädel wirklichkeitsnah ist und welche emotionalen Belastungen mit dem Job einhergehen. Die Folge ist auf allen gängigen Audiostreaming-Plattformen wie Spotify, Deezer, Apple Podcast und Co. zu finden sowie unter hna.de/podcast.

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