Theaterstück „Der Kissenmann“

Premiere im Theater im OP: Eine wirklich sehenswerte Zumutung

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Szenenbild aus „Der Kissenmann“: Ariel (links), gespielt von Clemens Ibrom, will Hauptdarsteller Katurian (Jakob Jockers) bezwingen.

Göttingen – „Eine Zumutung, aber eine sehenswerte“ – so hat der Spiegel über das Theaterstück „Der Kissenmann“ des irischen Dramatikers Martin McDonagh geschrieben. Im November 2003 wurde der „geniale Schauspielthriller“ (Süddeutsche Zeitung) am Royal National Theatre in London uraufgeführt. Nun hat sich das Göttinger Theater im OP dieses starken Stückes angenommen. Unter Regie von René Anders ist der Crew des Universitätstheaters eine vielschichtige Inszenierung gelungen.

Weiß er wirklich nichts oder tut er nur so? Der Schriftsteller Katurian (Jakob Jockers) wird verhört. Mit seinem etwas zurückgebliebenen Bruder Michal (Nils Finck) ist er überraschend festgenommen worden. Die Exekution scheint beschlossene Sache. Denn in der Gegend sind drei Kindsmorde nach dem Muster von Katurians Geschichten passiert. Grund genug für Offizier Tupolski (Theo Ockert) und seinen Kollegen Ariel (Clemens Ibrom), Katurian für schuldig zu befinden.

Verhör wirkt wie ein Katalysator

Wie ein Katalysator wirkt das Verhör: Katurians Vergangenheit wird für ihn lebendig. Er erinnert sich an quälend lange Nächte, in denen er Schreie eines Kindes hörte. Denn um den einen Sohn optimal zu fördern, haben der Eltern (Della Gerstenberg, Haakon Elies) den anderen leiden lassen. Die grauenhafte Familiengeschichte zwingt auch Tupolski und Ariel, sich an ihre Kindheit zu erinnern. Aufgeblättert werden auch bei ihnen Seiten, die gefüllt sind mit allzu traurigen und schrecklichen Begebenheiten (Figuren aus vergangenen Zeiten – Lucie Udelhoven).

Dunkler Tisch auf nackter Bühne

An einem einfachen dunklen Tisch auf nackter Bühne werden die Verhöre abgehalten, eine Drehbühne auf der anderen Seite erlaubt Streifzüge in vergangene Zeiten. Bilder, die Katurians wichtigste Geschichten illustrieren, werden auf eine über dem Raum schwebende Bettdecke projiziert und vertiefen so die Eindringlichkeit des Erzählten (Bühnenkonzept: Lisa Rubart und René Anders).

Überzeugende Leistung

Überzeugend ist die schauspielerische Leistung insbesondere von Jakob Jockers als Katurian, Nils Finck als Michal und Theo Ockert als Tupolski. Durchgehend gelingt es ihnen, die emotionale Welt ihrer Figuren nachfühlbar, ja fast greifbar zu machen.

Lohnender Abend

Es ist ein lohnender, angesichts des schweren Themas aber auch ein anstrengender Abend. Um die Zuschauer nicht zu sehr auf die Probe zu stellen, hätte bei der Aufführungsdauer von drei Stunden etwas Straffung gut getan. Aber dennoch passen die Worte aus dem Spiegel auch auf die Aufführung im ThOP: „brutal, grausam, raffiniert - eine Zumutung, aber eine sehenswerte.“

Weitere Vorstellungen

Weitere Vorstellungen gibt es am 4.6., 5.6., 7.6. und 8.6. jeweils um 20.15 Uhr. Tickets sind per E-Mail an theaterkarten@gmail.com und unter der Rufnummer 0551/397077 erhältlich. Das Kulturticket für Studierende der Georg-August-Universität Göttingen und der PFH Göttingen gilt für alle Vorstellungen.

Weitere Informationen zu den Vorstellungen im Theater im OP gibt es hier.

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