Unterhaltsamer englischer Abend

Premiere im Theater im OP: Wohnungstausch mit Folgen

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Lebhaft und einfühlsam: Daniella Wood (links) überzeugt in „A Couch in New York“ als „Beatrice Saulnier“, Kristina Schmidt als „Anne“. 

Göttingen. Mit „A Couch in New York“ von Chantal Akerman bietet der English Drama Workshop im Theater im OP (ThOP) einen unterhaltsamen englischen Abend. In zweieinhalb kurzweiligen Stunden liefern die Akteure ihren Zuschauern unzählige Momente zum Lachen.

Der New Yorker Psychoanalytiker Henry Harriston kann seine Patienten nicht mehr ertragen, die Pariser Tänzerin Beatrice Saulnier ist ihrer Verehrer überdrüssig. Über eine Anzeige tauschen sie ihre Bleibe, beide wollen so ihrem Leben entfliehen. Ungewollt rutscht Beatrice in die ihr fremde Rolle des Therapeuten.

Und sie spielt die Rolle gut. Durch ihre offene, zugewandte Art kann sie den Patienten helfen. Harriston dagegen gelingt es nicht, sein Therapeutendasein hinter sich zu lassen: Der unglückliche Liebhaber von Beatrice erwählt ihn zu seinem Kummerkasten.

Frustriert fliegt Harriston zurück nach New York. Doch zu seiner Wohnung bekommt er nur als Patient John Wire Einlass. Fast auf den ersten Blick verlieben sich der Therapeut und die Tänzerin ineinander, doch sie wagen es nicht, sich ihre Liebe zu gestehen. Die Geschichte nimmt ein folgerichtiges Ende.

Die Regisseurin Karin Reilly hat die Bühnenfassung für die English Drama Group übersetzt. In ihrer gradlinigen Inszenierung mit 15 Darstellern hat sie kaum eine Möglichkeit für unbeschwerte Lacher ausgelassen. Überzeugend und sehr englisch gibt Henning Bakker den in-sich-gekehrten, von seiner Arbeit erschöpften Therapeuten Henry Harriston.

Viel lebhafter und einfühlsamer gelingt Daniella Wood die Figur der Beatrice, bei der nicht nur Harristons karge Pflanzen wieder zu lebendigen Gewächsen werden. Auch sein großer Hund (auf Rollen) erwacht zu neuem Leben. Kein Wunder, dass sogar die Patienten plötzlich wieder Spaß an ihrem Leben gewinnen. Und ihre gute Freundin Anne hilft ihr.

Überzeugend gelöst hat Bühnenbildner Ulf Janitschke den Umgang mit den Spielorten New York und Paris: Eine Hälfte der Bühne ist Harristons penibel ordentlichem Praxisraum in New York gewidmet, auf der anderen Seite ist Beatrices chaotische Pariser Wohnung zu sehen. In der Mitte baut Harristons vertrauter Freund Dennis mit Sitzsack und zwei Kisten hin und wieder seine Wohnung.

Zuweilen spielen die Akteure in der einen Wohnung eine stumme Episode, während sich in der anderen Wohnung die für die Handlung tragende Aktion abspielt. Viel Spaß bringt eine Szene im Restaurant, in dem Dennis sein Geld als Kellner verdient. Während er von einem Gast die Bestellung aufnimmt, will Harriston seine Probleme mit ihm lösen. Das führt zu herrlichen Missverständnissen.

Wer gern viel lacht und sein Englisch pflegen möchte, sollte den Abend auf keinen Fall missen. Schon beim Einlass wird empfohlen, sich „cushions“ (Kissen) für die Bänke mitzunehmen.

Nächste Vorstellungen: 29.3. und 2.4., 20.15 Uhr, Theater im OP. Karten: 0551 / 397077, 0551 / 3922177 oder online: thop.uni-goettingen.de

Von Ute Lawrenz

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