Premiere im Jungen Theater: Viel Applaus für Ausreißer im Gefängnis 

Junge Darsteller: Der Ausreißerclub des Junges Theaters überzeugte bei der Premiere des Stücks „Von Träumen und anderen Ängsten“. Foto: Peter Christoph Scholz/JT/nh

Göttingen. „Von Träumen und von anderen Ängsten“ erzählt die Inszenierung des Ausreißerclubs im Jungen Theater in Göttingen. Für die Uraufführung gab es ganz viel Applaus.

Wie zum Hofgang marschieren die Schüler auf, wie in Sträflingsklamotten sind sie in Weiß und Grau gekleidet. Ihre Wege sind viereckig vorgesteckt. Jeder von ihnen geht dieselbe Tour, bis sie schließlich alle mit dem Rücken an der Wand stehen.

Erschreckend ist für alle der Moment der Wahrheit: Die Schüler merken, dass sie vor der verschlossenen Tür stehen. Sie schlagen, schreien. In der Abgeschiedenheit müssen sie sich neu sortieren. Auf dem Boden der Ausweglosigkeit wachsen neue Konstellationen. Einer beschließt, einen Brief zu schreiben, für den Fall, dass sie „nicht mehr lebend rauskommen“. Schnell wird klar, dass sein Albtraum die Sprachlosigkeit ist, die Sprachlosigkeit in der Familie.

Zwangsgemeinschaft

Aus der Klasse wird eine Zwangsgemeinschaft. Die Schüler – versteckt hinter Totenmasken - können sich nun nicht mehr aus dem Weg gehen. Es kommt zu Geständnissen und Gesprächen, die es bei offener Tür wohl nie gegeben hätte. Aus vielen Cliquen wird eine Gruppe.

Mit unglaublicher Kraft und Intensität stehen Maximilian Abraham, Mia Brouer, Rubén Jöster, Jan Kaplaneck, Paloma Löning Caballero, Klara-Marie Mädler-Misler, Saskia Michael, Christoph Reuter, Clara Salditt, Lucie Udelhoven und Cepanta Yegani auf der fast nackten Bühne. Horrorszenen wachsen aus Licht und Schatten. Wie in einem Krimi untermalt Musik die Spannung.

Aufbruchstimmung stockt, als die Tür wieder aufgeht. Die Schüler setzen sich nur zögernd in Bewegung. „Wo die Reise hingeht? Ich wusste es nicht. Aber es ist schön zu wissen, dass man auf der Reise nicht allein ist“, fasst einer das Erfahrene in Worte.

Unter Leitung von Ahmet Ibin, Peter Christoph Scholz und Vanessa Wilcke haben die Jugendlichen die Szenen aus dem Leben entwickelt. Am Schluss gaben die vielen Freunde und Verwandte viel Applaus für den spannenden Abend. Doch auch Zuschauer, die die Darsteller nicht kennen, können in nur einer Stunde viel erleben.

Die nächsten Vorstellungen sind am 21. Juni um 19 Uhr und am 27. August um 15 Uhr. Anmeldung per E-Mail an die Theaterpädagogin Kathrin Müller-Grüß mit der Adresse jugend@junges-theater.de

Von Ute Lawrenz

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