Premierenstück im Jungen Theater

Flotter Start mit Goldoni-Stück in neuer JT-Spielstätte

Skurrile Begegnung: Götz Lautenbach (Pantalone, von links), Jens Tramsen (Truffaldino), Jacqueline Sophie Mendel (Smeraldina) und Jan Reinartz (Dottore). Foto: dorothea heise

Mit großem Trara hat das Junge Theater Göttingen die erste Spielzeit in der Ausweichspielstätte am Wall eröffnet.

Mit großem Trara hat das Junge Theater die erste Spielzeit in der Ausweichspielstätte am Wall eröffnet. „Der Diener zweier Herren“ von Carlo Goldoni steht dort für einen flotten Start auf dem Spielplan. Fast ausnahmslos gefiel im vollen Saal zur Premiere am Freitag Christine Hofers auf schnellen Schlagabtausch gebaute Inszenierung.

Mit Koffern zieht das Ensemble ein, fast ehrfurchtsvoll betreten die Schauspieler die Bühne, drehen den Laufsteg im Bühnenbild (Ausstattung Dirk Seesemann) und nehmen so Besitz vom neuen „Spielfeld“. Weil das Stammhaus umgebaut wird, ist das Theater in die frühere Voigtschule umgezogen.

Mit der Verlobung von Clarice und Silvio beginnt dann das rasante Verwechslungsspiel in Hofers Fassung – anders als im Original – in Abwesenheit des jungen Paares. Nur Pantalone (Götz Lautenbach) und der Dottore (Jan Reinartz) unterschreiben: In dieser Welt bestimmen die Herren.

Doch das schützt sie nicht vor Täuschung. Ohne Mühe gelingt es Truffaldino (Neuzugang Jens Tramsen), sich bei einem zweiten Herrn zu verdingen. Er schleppt nicht nur den Koffer von Federigo alias Beatrice Rasponi (Katharina Brehl), sondern dann auch den von Florindo (Andreas Krüger).

Beatrice gibt sich als ihr Bruder aus, um dem geliebten Florindo nachzureisen. Der soll Federigo getötet haben. Ohne dass beide voneinander wissen, landen sie im selben Gasthaus. Schnell bekommt Truffaldino das Problem, seine doppelte Dienerschaft geheim zu halten. Dem schlaksig wirkenden Mann glaubt man gleich, dass er unter unglaublichem Hunger leidet. Immer wieder zeigt Jens Tramsen unfassbare Beweglichkeit. Wenn er mit Wirtin Brighella (Agnes Giese) auftischt, kann auch die Götterspeise fliegen. Wunderbar direkt ist sein Techtelmechtel mit der Kammerzofe Smeraldina (Jacqueline Sophie Mendel).

Slapstickartig sorgt das Team für Unterhaltung. Schnell wird mitgeklatscht. Das passt gut zur Commedia dell’arte – „Der Diener zweier Herren“ gilt als ein Höhepunkt dieser Theatertradition. Gemäß dem Literaturwissenschaftler Wolfram Krömer ist die Commedia dell’arte ein Theater, das szenische Wirkung anstrebt, ohne den Gehalt eines Stücks zu vertiefen. Das ist dem Ensemble trefflich gelungen. Zuweilen geht auf Kosten des Tempos allerdings auch etwas Inhalt verloren. Zum Beispiel ist für die, die die Handlung nicht kennen, durch den verknappten Einstieg schwer nachzuvollziehen, warum sich Beatrice als Mann verkleidet.

Dem Punkt, dass die Commedia dell‘arte nach Krömer weder Moral noch Werte vermittelt, folgt Hofers Inszenierung allerdings nicht. Zum Schluss hören die Zuschauer, was den Menschen zum Mensch macht: „Er will unter sich keine Diener sehen und über sich keine Herren.“

Nach rund zwei Stunden voller Höchstleistungen folgte begeisterter Applaus bis zu Standing Ovations.

Wieder am 5.10., 12.10. und 30.10. Karten: 0551 / 495015. junges-theater.de

VON UTE LAWRENZ

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