Das Primatenzentrum in Göttingen wächst

Markantes Gebäude: Einweihung des Mehrzweckgebäudes am Deutschen Primaten Zentrum (DPZ) mit Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (links) und Ministerpräsident Stefan Weil (rechts). Neben Köhler: DPZ-Geschäftsführer Michael Lankeit. Foto: Jelinek 

Göttingen. Mehr als 20 Millionen Euro sind in die Erweiterung des Göttingen-Campus geflossen. Am Montag wurden mit einem großen Bahnhof auf dem Gelände des Deutschen Primaten Zentrums (DPZ) zwei neue Gebäude eingeweiht.

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat fix gelernt und Göttingen ins Herz geschlossen: Vor 300 Gästen im DPZ schwärmt er: „In Göttingen gibt es stets etwas zu feiern, hier ist immer gutes Wetter, wenn ich da bin. Und in Göttingen werden in schöner Regelmäßigkeit so viele Gebäude im universitären und wissenschaftlichen Bereich eingeweiht, wie in keiner anderen Stadt.“ Und mit dieser Einschätzung liegt der Landeschef richtig. Nachdem das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung seit 2014 für gut 60 Millionen Euro seinen Standort am Nordcampus gefunden hatte, wächst kaum einen Steinwurf entfernt das Deutsche Primaten Zentrum weiter:

• Das neue Mehrzweckgebäude mit Büros, Seminarräumen, Cafeteria und Hörsaal für 300 Menschen fällt schon optisch auf. Es hat 10,5 Millionen Euro gekostet und wurde durch das DPZ allein finanziert – Lizenzeinnahmen aus einem Patent. Geschäftsführer Michael Lankeit sagte: Wir sind stolz darauf, dass wir mit eigenen Mitteln unsere Infrastruktur verstärken konnten, ohne Steuergelder in Anspruch zu nehmen.“ „Machen Sie weiter so“ lobt denn auch der Ministerpräsident denn auch, weil die Landeskasse geschont wurde.

• Die Schatulle öffnete Niedersachsen aber bei dem zweiten großen Projekt des DPZ, wo ein Bildgebungszentrum entstanden ist. Die zwölf Millionen Euro dafür tragen Land und Bund. Betrieben wird es von der neuen Abteilung „Funktionelle Bildgebung“, an deren Spitze eine neue Brückenprofessur zwischen DPZ und Uni steht. Man wolle dort mit Hilfe der Top-MRT-Geräte „Dem Gehirn beim Denken zusehen“, wirbt das DPZ.

Beide Gebäude und die Professur, besetzt durch Prof. Dr. Susann Boretius, die aus Kiel nach Göttingen kommt, wo sie schon am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie arbeitete, stünden für eine sehr enge, funktionierende Zusammenarbeit zwischen Uni und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, betont der DPZ-Geschäftsführer Prof. Dr. Stefan Treue, der vor allem die Kooperation auch mit den Max-Planck-Instituten und der Uni-Medizin betont. Auch das brisante Thema Tierschutz und Tierversuche für die Wissenschaft bleibt in seiner Rede nicht unerwähnt. Man lege auf ethische Grundsätze großen Wert, sie seien eine Verpflichtung und Diskussionen darum wichtig.

Stephan Weil lobt auch diese Bemühungen und betont: „Das DPZ genießt international einen hervorragenden Ruf.“ Er kündigt an: Das Land werde mit Stadt und Forschungseinrichtungen dafür sorgen, dass Göttingens Position in der Spitzenforschung auch ohne den Status Exzellenzuni erhalten bleibt.

Das Primatenzentrum in Göttingen wächst

Hintergrund: Deutsches Primaten Zentrum (DPZ)

Das Deutsche Primaten Zentrum (DPZ) in Göttingen ist ein außeruniversitäres Forschungsinstitut und Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es wird von Bund und Ländern finanziert und beschäftigt etwa 400 Mitarbeiter. Externe Prüfer bezeichnen es als international führende Forschungseinrichtung. Gelobt wird auch die Zucht, Haltung, Unterbringung und Forschung mit den hier lebenden Affen. In den speziellen Gebäuden im Nordbereich der Universität leben etwa 1300 Affen, die sieben verschiedenen Arten angehören. Ein Teil wird für die Forschung am DPZ eingesetzt. Das Know-How der Tierärzte und Pfleger steht auch anderen Einrichtungen zur Verfügung, so gibt es Kooperationen auch mit zoologischen Gärten. Am DPZ wird Infektionsforschung betrieben, die Neurowissenschaften untersuchen die Informationsverarbeitung und Bewegungsplanung im Gehirn. Die Primatenbiologie erforscht auch das Denken, Sozialverhalten und Kommunikation von Affen.

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