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Private Unterstützung aus Göttingen: Ukraine-Hilfe darf nicht abebben

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Von: Michael Caspar

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Sozial Engagiert: Journalist Gustavo Moreno Morales fuhr in die Ukraine, brachte Hilfsgüter dorthin und Flüchtlinge mit zurück.
Sozial Engagiert: Journalist Gustavo Moreno Morales fuhr in die Ukraine, brachte Hilfsgüter dorthin und Flüchtlinge mit zurück. © Michael Caspar

Hilfe aus Göttingen kommt an: Privatleute aus der Uni-Stadt engagieren sich für die Ukraine.

Göttingen – Die Hilfe für die Ukraine läuft ungebremst weiter. Die Göttinger Gustavo Morales Moreno und Kvitoslawa Hampe stehen für kleine und große Taten. Gleichzeitig findet die Desinformation russischer Stellen zunehmend bei Spätaussiedlern Gehör, warnt der Integrationsrat.

„Über die sozialen Medien werden seit Tagen Fake-Videos verbreitet, wo Frauen in ukrainischer Nationaltracht oder mit Nationalfahne zum Töten von Russen oder der Zerstörung Russland aufrufen“, berichtet die Vorsitzende des Integrationsrats, Irina Schnar. Die kurzen Filme, die von russischen Plattformen aus verbreitet würden, seien „Teil der staatlichen Desinformationskampagne“. Sie sollten „die Communities in Deutschland spalten“.

„Seid wachsam, fragt nach, leitet nicht alles sofort weiter“, mahnt die aus Kasachstan gebürtige Russlanddeutsche andere Spätaussiedler. Mit mehr als 900 Menschen steht sie über Facebook, Instagram oder WhatsApp in Kontakt. Viele von ihnen haben Schnar im vergangenen Jahr in den Integrationsrat gewählt. Doch nun feinden sie die Vorsitzende wegen deren Kritik am Regime von Wladimir Putin und dem Angriffskrieg auf die Ukraine vielfach an.

Schockiert von Russlanddeutschen, die in der Bundesrepublik für Putin und den Krieg auf die Straße gehen, zeigt sich die Göttinger Unternehmerin Kvitoslawa Hampe. Sie könnten sich, anders als die Menschen in Russland, frei informieren. Vor diesem Hintergrund sei es eine „Zumutung“ für Geflüchtete aus der Ukraine, das fast alle in Göttingen eingesetzten Dolmetscher aus Russland stammten.

Hampe hat unterdessen den fünften 40-Tonner vollbepackt mit 13 Krankenhausbetten, Medikamenten und Lebensmittel in die Ukraine geschickt. Auch 1000 Leichensäcke hat sie verschickt. Sie würden „in den befreiten Gebieten dringend benötigt“, berichtet Hampe. Sie freue sich über Spenden, die die Firma Hampe Recycling entgegen nehme.

Mit einem Kleinwagen voller Hilfsgüter machte sich Gustavo Moreno Morales vom Göttinger Integrationsrat im April auf den Weg in die Ukraine. Nach 13-stündiger Fahrt traf er in der polnischen Grenzstadt Korczowa ein, wo er im Durchgangslager übernachtete. Den Schlafsaal teilte er sich mit 80 Geflüchteten.

Am nächsten Tag machte sich der gebürtige Kolumbianer auf ins 75 Kilometer entfernte Lemberg. Anderthalb Stunden stand der Journalist an der Grenze. Unterwegs wollte er den Truppenübungsplatz von Jaworiw besuchen, wo bei einem russischen Raketenangriff Anfang März 35 Menschen gestorben waren. Militärs verhörten ihn vier Stunden lang und schickten ihn dann weg.

Von Lemberg aus, wo sich Geflüchtete am Bahnhof drängen, fuhr der Reporter 550 Kilometer weiter nach Kiew. Das letzte Stück musste er auf Anordnung der Verantwortlichen mit dem Zug zurücklegen. Die ukrainische Metropole erlebte er als weitgehend verlassene „Geisterstadt“. Das Zentrum ist, im Gegensatz zu den Vorstädten, fast unzerstört, erzählt er. Auf der Rückfahrt stoppte er im polnischen Durchgangslager, um drei Geflüchtete zum Dresdener Haupthahnhof mitzunehmen. (Michael Caspar)

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