Er hatte einen Professor aus Chile niedergeschlagen

Ausländerfeindliche Gewaltattacke in Göttingen: Ein Jahr Haft für 26-Jährigen

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Kammern: Das Gebäude des Amtsgerichts und Landgerichts in Göttingen.

Göttingen/Kassel. Wegen einer ausländerfeindlichen Gewaltattacke muss ein bereits einschlägig vorbestrafter 26-jähriger Mann aus Kassel für ein weiteres Jahr ins Gefängnis.

Das hat das Amtsgericht Göttingen entschieden. Das Gericht befand den 26-Jährigen, der in der Justizvollzugsanstalt Hünfeld in Hessen einsitzt, der gefährlichen Körperverletzung für schuldig. Der 26-Jährige hatte gestanden, im März vergangenen Jahres in der Göttinger Innenstadt einen 36-jährigen Professor der Wirtschaftswissenschaften aus Chile mit Schlägen attackiert und verletzt zu haben.

Zwei 21 und 25 Jahre alte Mitangeklagte aus Kassel und Melsungen, die ebenfalls bereits diverse Vorstrafen haben, wurden freigesprochen. Das Gericht hielt es zwar für erwiesen, dass mindestens einer von ihnen auf den am Boden liegenden Wissenschaftler eingetreten hatte. Es habe sich aber nicht klären lassen, wer diesem von hinten gegen den Kopf getreten hatte. Der 36-Jährige hatte durch die Attacke erhebliche Verletzungen erlitten, so war auch sein Daumengelenk gebrochen.

Nach Überzeugung des Gerichts hatte die Tat einen ausländerfeindlichen Hintergrund. Dies sei besonders verwerflich. Die drei Angeklagten seien dem 36-Jährigen wegen seiner Herkunft feindselig gegenübergetreten.

Das Gericht folgte mit seinem Urteil dem Antrag der Nebenklage. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten gefordert. Die Verteidigerin des 26-Jährigen hatte dagegen auf eine mildere Freiheitsstrafe von höchstens sieben Monaten plädiert.

Der 26-Jährige, der in der rechtsextremen Szene aktiv gewesen war, war am Tattag nach eigenen Angaben mit den Mitangeklagten per Zug nach Göttingen gefahren. Dort trafen sie spätabends auf den 36-jährigen Wirtschaftswissenschaftler, der mit einer 25-jährigen Frau aus Hannover und einem 39-jährigen Mann aus Göttingen nach einem Gaststättenbesuch in der Innenstadt unterwegs war. Der 26-jährige verpasste dem Chilenen einen so heftigen Schlag ins Gesicht, dass dieser zu Boden ging, und schlug anschließend weiter auf ihn ein.

Der 26-Jährige habe als einziger seine Schuld zugegeben. Zu seinen Gunsten wertete es das Gericht, dass er sich bei dem 36-Jährigen entschuldigt hatte. Außerdem nimmt er an dem hessischen Programm „Ikarus“ teil, das potenziellen Aussteigern dabei helfen soll, den Absprung aus der rechtsextremen Szene zu schaffen.

Ein Mitarbeiter des Projekts erläuterte dem Gericht, dass die Teilnehmer ein restriktives Regelwerk einhalten müssten. Dabei gehe es vor allem um biographische Arbeit. Die Teilnehmer müssten sich mit den Umständen auseinandersetzen, die sie in die rechtsextreme Szene gebracht hätten. „Toll, dass Sie dabei mitmachen“, sagte der Richter zum Angeklagten.

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