Professor Moser: Das Hören soll besser werden

Ohr-Experte: Prof. Dr. Tobias Moser von der Universitätsmedizin Göttingen und Leibniz-Preisträger. Foto: Kopietz

Göttingen. Das Institut für Auditorische Neurowissenschaften an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist eingeweiht. Wir sprachen mit Prof. Dr. Tobias Moser über das Projekt.

Herr Moser, ein neues Institut an einer Uni-Klinik, das passt nicht in die aktuelle Gesundheitspolitik... 

Prof. Dr. Tobias Moser: Das ist richtig. Das ist einer der seltenen Momente, in denen sich eine Uni-Klinik ein neues Institut leistet. Das ist sehr hoch zu schätzen in Zeiten, da Uni-Kliniken defizitär sind. Wichtig ist dabei auch das Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin, dort werden Räume entstehen. Hier in der Uni-Klinik herrscht Platznot.

Hatten Sie das Institut schon länger in der Planung? 

Moser: Ja. Ich hatte auch andere Angebote. Eine Ru-Abwehr hat das Projekt in Göttingen befeuert und das Land auf den Plan gerufen. Denn: Das neurowissenschaftliche Forschungsumfeld ist hier sehr, sehr stark - auch mit den anderen Instituten, zum Beispiel in der Sinnesforschung. Viele Aktivitäten bauen auf den sehr guten, freundschaftlichen Partnerschaften zu den Max-Planck-Instituten und dem Deutschen Primatenzentrum auf. An den MPI wird im Nano-Bereich geforscht. Dort setzen wir an, wir wollen wissen was an den Synapsen, den Nervenenden beim Hören passiert. Und dabei helfen die Methoden wie das STED-Lichtmikroskopierverfahren von Stefan Hell, das Einblicke in lebende Zellen ermöglicht.

Welche Rolle spielt das Primatenzentrum? 

Moser: Diese neue Methode des optisch stimulierten Cochlea-Implantats muss vor der klinischen Erprobung zur Sicherheit an uns nahestehenden Tieren getestet werden, Affen. Das DPZ ist dabei deutschlandweit für uns die erste Adresse. Weißbüscheläffchen sind ideal, weil sie sehr gut kommunizieren und vokalisieren können. Sie erhalten ein Implantat und wir beobachten dann das Verhalten und sehen, ob sie später mit dem elektrischen und später optischen Implantat besser hören und auch kommunizieren können als mit anderen. Wir müssen auch wissen, ob die Nervenzellen durch den Einsatz keinen Schaden nehmen.

Wie ist die Verbindung zur klinischen Arbeit? 

Moser: Ich arbeite im Hörzentrum der UMG. Der Leiter Dr. Canis wird eine Tagesklinik mit einer Rundumversorgung der Patienten aufbauen. Auch das ist für die Forschung wichtig, zumal hier die Naturwissenschaftler des Projektes wichtige Einblicke in die klinische Arbeit erhalten.

Schlechtes Hören führt ja auch bei Menschen zu einem veränderten Verhalten? 

Moser: Ja, sogar ganz extrem. Menschen werden zu Außenseitern. Sie kommunizieren anders. Sie verlieren Lebensqualität, resignieren.

Ist der Hörschaden als Krankheit akzeptiert? 

Moser: Bei den Patienten sicher nicht so wie das schlechte Sehen. Aber es hat sich viel verbessert, auch weil die zu tragenden Geräte kleiner und besser geworden sind, auch bei den implantierbaren Geräte. Und: Deutschland ist ein Vorreiter bei der Versorgung. Wie die Cochlea-Implantate bei der einseitigen Taubheit, die als Regelfall eingesetzt werden und beidseitiges Hören ermöglicht. Es ist gut, dass die Gesellschaft das trägt. Und es ist wichtig, dass Patienten sich darauf einlassen, das Gerät tragen und es immer wieder anpassen lassen. Schwerhörigkeit verändert die Prozesse im Gehirn, im Ohr. Wird dann wieder gehört, gibt es auch Überempfindlichkeiten.

Was ist Ziel der Forschungsarbeit im neuen Institut? 

Moser: Wir wollen mit dem optischen Cochlea-Implantat ein feineres Hören ermöglichen. Ist bislang ein Hören in Etagen machbar, sollen es einmal Treppenstufen sein.

Von Thomas Kopietz

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